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Start-ups
12/14/2019

Solarauto Sion: Es fehlen noch 40 Millionen Euro

Für das deutsche Elektroauto mit Solarpanelen wird es trotz erfolgreich angelaufenem Crowdfunding eng.

von Martin Stepanek

Die Nachricht, dass das deutsche Solarauto Sion vor dem Aus steht, mag für viele zwar nicht überraschend gekommen sein. Angesichts knapp 10.000 Reservierungen sowie der Präsentation eines Serienmodells im Sommer war die Enttäuschung vielerorts aber dennoch groß. In einem Appell an die Community rief das Münchner Start-up Sono Motors Unterstützer zu einer der größten Crowdfunding-Kampagnen der Geschichte auf. Das Ziel: 50 Millionen Euro in 30 Tagen zu sammeln.

Beeindruckende Summe und Fehlbetrag

Knapp zwei Wochen nach dem Start des Crowdfunding konnte das deutsche Solarauto zumindest einen Achtungserfolg verbuchen: Über 10,3 Millionen Euro kamen bis Samstag zusammen - das meiste Geld offenbar durch Zusagen von Käufern, die den gesamten Betrag für ihr vorreserviertes Auto beisteuern wollen. So beeindruckend diese Zahl ist - die Zeit, um das verbleibende Geld zu sammeln, wird dennoch knapp. Bis 31. Dezember müssen noch fast 40 Millionen Euro zusammenkommen.

Nur mit diesem Betrag könne man den Start der Produktion im September 2021 gewährleisten und nun in die benötigten Produktionsanlagen und weitere Prototypen investieren. In einem Video geben die Gründer zu, dass der ursprünglich eingeschlagene Weg, sofort international aufzutreten und klassische Sponsoren zu finden, nicht erfolgreich gewesen sei. Man wolle ein nachhaltiges Unternehmen aufbauen, das bezahlbar und klimafreundliche Elektromobilität auf die Straße bringen könne.

Community entscheidet

In den Investorengesprächen sei es zuletzt hingegen um den Ausverkauf der eigenen Technologie und die Abgabe von Patentrechten gegangen, was mit den Werten des eigenen Unternehmens und den damit verbundenen Zielen nicht vereinbar gewesen sei. "Wenn der normale Weg nicht funktioniert und wir scheinbar nicht für diesen Weg gemacht sind, dann muss man ihn anders machen. Deshalb haben wir uns entschieden über die Community zu gehen", lautet der Appell der Start-up-Gründer.

Wenn nur ein Fünftel der Vorreservierungen den Betrag für das Auto aufbringe, könne das Projekt verwirklicht werden. Alle Anzahlungen und Funding-Beträge werden erst schlagend, wenn die 50 Millionen Euro der Kampagne erreicht sind. "Wir sind noch nicht bereit aufzugeben. Es liegt jetzt in den Händen der Community, ob der Sion auf die Straße kommt." Viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht mehr.

Kritik von Unterstützern

Im Netz - etwa unter dem YouTube-Aufruf - hagelt es aber auch Kritik am bisherigen Weg. Das Start-up sei eigentlich früh dran gewesen mit seinem einzigartigen Konzept, habe sich aber international verrannt. Durch die verlorene Zeit sei das Solarauto auch zu spät dran, um noch den Markt aufrollen zu können - zumal der Produktionsstart auf 2021 verschoben wurde und die Technologie vermutlich dann schon veraltet sei.

Andere bewerteten das Video als resignierend und als Hilfeschrei und daher wenig vertrauenerweckend. Wie wolle die Firma denn sicherstellen, dass nach der Investition in Prototypen und Produktionsanlagen die tatsächliche Produktion sichergestellt werden könne, lautet das Bedenken einiger. Andere bewerten die gezeigte Ehrlichkeit positiv und wollen dazu beitragen, dass das Konzept jedenfalls realisiert werden kann.