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Start-ups
05/10/2019

Wie man in Österreich ein erfolgreiches Start-up aufbaut

Beim Pioneers Festival versammelt sich die internationale Start-up-Szene in Wien. Ein Schwerpunkt lag auch auf dem österreichischen Start-up-Ökosystem.

550 ausgewählte Start-up aus aller Welt und mehr als 2500 Besucher tummeln sich dieser Tage in der Wiener Hofburg beim renommierten Pioneers Festival. Die Start-up-Konferenz, die seit 2012 jährlich über die Bühne geht, hat sich Innovationen, Zukunftstechnologien und Unternehmensgründung verschrieben und bringt mit seinem globalen Publikum einen internationalen Flair in die Wiener Innenstadt.

Am zweiten Tag des Festivals liegt ein Schwerpunkt des Programms auf dem österreichischen Start-ups-Ökosystem. "Was benötigt ein heimisches Start-up um erfolgreich zu sein?", "Welche Rahmenbedingungen soll ein solches Ökosystem in Österreich bieten?" und "Was können öffentliche Förderungen tatsächlich leisten?", sind Fragen, die von hochkarätig besetzten Diskussionsrunden beantwortet werden.

"Wichtige Maßnahmen hätten bereits vor fünf oder sechs Jahren implementiert werden müssen. Etwa ein vereinfachter Zugang von europäischen und internationalen Talenten für den österreichischen Arbeitsmarkt", sagt Business Angel und Investor Hansi Hansmann, der schon früh in erfolgreiche Unternehmensgründungen wie Runtastic, mySugr, kiweno, shpock oder MyClubs investiert hat. Auch das Gründen von Start-ups hätte man schon viel früher erleichtern sollen, sagt der Investor. Beispielsweise wäre die Einführung von Rechtsformen, die auf Start-ups zugeschnitten sind, sinnvoll gewesen.

Geld allein ist nicht alles

Dass es für Start-ups anderswo einfacher ist, an große Investments zu kommen, sei kein Geheimnis. Wie kann also ein österreichisches Jungunternehmen mit einem Start-up aus dem Silicon Valley konkurrieren? Geld sei nicht alles, meint Florian Gschwandtner, der 2009 mit Runtastic eines der erfolgreichsten österreichischen Start-ups mitgegründet hat. "Wir haben zu Beginn kaum Investments erhalten", sagt Gschwandtner. Das habe den Vorteil gehabt, dass man das Geld auch nicht sinnlos ausgeben konnte.

"Das war auch ein Grund, warum wir uns sofort auf die Entwicklung eines funktionierenden und nachhaltigen Geschäftsmodells fokussiert haben." Investoren von Ideen zu begeistern und Investments zu erhalten, sei zwar wichtig, aber ohne Geschäftsmodell nütze alles Geld nichts, behauptet Gschwandtner, der sich Ende 2018 aus seinem Unternehmen zurückzog, nachdem Runtastic drei Jahre zuvor für 220 Millionen Euro an die adidas-Gruppe verkauft wurde.

PIONEERS-KONFERENZ

Im Zentrum steht das Team

Frank Westermann, CEO und Mitgründer der Diabetes-Management-App mySugr zählt auf, dass sein Start-up Investments von sieben Millionen Euro erhalten habe, während zur selben Zeit ein direkter Konkurrent aus den USA mit einem ähnlichen Produkt rund 140 Millionen Dollar einsammeln konnte. Dennoch habe man es mit einem starken Team geschafft, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Seit 2017 gehört mySugr zum Pharmakonzern Roche.

Dass der Erfolg eines Start-ups nicht nur von großen Investments und unternehmensfreundlichen Rahmenbedingungen abhängt, stimmt auch Katharina Klausberger, Mitgründerin der erfolgreichen Flohmarkt-App Shpock zu: "Es kommt immer ganz stark auf das Team an." Denn das Team und die einzelnen Mitarbeiter seien es, die die Ideen voranbringen und umsetzen und schließlich maßgeblich zum Erfolg eines Start-ups beitragen.

Öffentliche Förderungen

Eine Eigenheit des österreichischen Start-up-Ökosystems seien die öffentlichen Förderungen, so die Diskussionsteilnehmer. Manche Start-ups suchen sich sogar deswegen Österreich als Standort für eine Unternehmensgründung aus.

"Unterstützung von der FFG, der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, hat wesentlich dazu beigetragen, dass unser Start-up vom Fleck kam und im Anfangsstadium überhaupt funktionieren konnte", sagt der Australier Travis Pittman, der vor neun Jahren das Online-Reisebüro Tourradar in Österreich gegründet hat. Die öffentliche, finanzielle Unterstützung sei zwar hilfreich, aber gerade für ein kleines Team mit viel Arbeit verbunden. Gerade das Antragstellen und die Berichterstattung seien zum Teil sehr aufwendig.

Dass öffentliche Förderungen ein hilfreiches Werkzeug sind, sieht auch der Runtastic-Mitgründer Gschwandtner so: "Man sollte aber nicht allzu sehr darauf aufbauen, sondern diese mehr als Zusatzzuckerl ansehen."