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Start-ups
04/19/2019

Wiener IoT-Software drängt auf smarte Lautsprecher

Die Wiener Google-Beteiligung Stream Unlimited baut ihr Internet-of-Things-Geschäft aus und hat sich beim Start-up guh eingekauft.

Das Wiener Unternehmen Stream Unlimited bietet Lösungen an, mit denen Lautsprecherhersteller Sprachassistenten wie den Googles Assistant oder Amazons Alexa in ihre Geräte integrieren können und ist damit international erfolgreich. Vor eineinhalb Jahren stieg Google mit mehr als 40 Prozent bei dem Unternehmen ein. Künftig will das Start-up auch Lösungen anbieten, die die Steuerung von Smart Home-Geräten über smarte Lautsprecher ermöglichen.

Dabei soll eine Lösung des Wiener Start-ups guh helfen, bei dem sich Stream Unlimited vor kurzem mit 20 Prozent beteiligte. Nymea.io ist ein Betriebssystem für das Internet der Dinge: "Wir können mit den verschiedensten Geräten im Netzwerk sprechen", sagt guh-Gründer Bernhard Trinnes. Während andere IoT-Lösungen dafür die Cloud benötigen, laufen die Software-Komponenten des Wiener Start-ups weitgehend lokal: "Es ist keine Internetverbindung nötig, damit das Produkt funktoniert.”

"Riesiges Potenzial"

Im Smart-Home-Bereich sieht Stream Unlimited Technikchef Markus Rutz "riesiges Potenzial". Derzeit würden nur wenige Leute von Smart-Home-Lösungen Gebrauch machen. Die häufigste Anwendung von Sprachassistenten auf smarten Lautsprechern sei die Musiksteuerung, bei der Steuerung von vernetzten Geräten gebe es noch Nachholbedarf. "Es gibt extrem viele Sicherheitsbedenken, Software die lokal und nicht über die Cloud läuft, macht Anwendungen interessant."

Derzeit kommt die Nymea-Plattform etwa beim Energiemanagement zum Einsatz oder hilft dabei Garagentoren über das Smartphone zu öffnen.  "Wir wollen gemeinsam mit guh Komplettlösungen anbieten, von Sprachassistenz bis zu Smart Home-Geräten", sagt Rutz. Wie viel sich sein Unternehmen die Beteiligung kosten ließ, will man nicht verraten.

Guh arbeitet seit 2013 an IoT-Lösungen. Auch Stream Unlimited, das aus dem 2005 geschlossenen Philips Audio Video Innovation Center in Wien hervorgegangen ist, beschäftigt sich seit längerem mit dem Internet der Dinge. "Wir wurden vom Erfolg mit Streaming-Produkten überrannt und hatten keine Zeit uns in dem Bereich etwas aufzubauen", erzählt Rutz.

Entwickler gesucht

Nun will man die Aktivitäten verstärken. Dazu werden auch Fachkräfte gesucht. Das ist aber nicht so einfach. "Es ist schwer gute Software-Entwickler im Embedded-Bereich zu finden", sagt Rutz. "Der Fachkräftemangel ist ein Thema."

Das Unternehmen, das in Wien und Bratislava derzeit rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, holt sich deshalb Leute aus anderen Ländern. Damit sei aber sehr viel Aufwand verbunden, erzählt Rutz. "Arbeitsbewilligungen zu bekommen, dauert lange."

Streaming-Geschäft brummt

Im Streaming-Geschäft rechnet Stream Unlimited weiter mit kräftigem Wachstum. Treiber ist der Abo-Markt. Streaming würde mittlerweile ein Gros der Umsätze der Musikfirmen ausmachen, der Anteil werde weiter wachsen. Streaming verlagere sich vom Smartphone auch immer mehr ins Wohnzimmer, sagt Rutz: "Und dort ist unsere Software aktiv."