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08.06.2015

Wiener Crowdfunding-Brettspiel Almirante im Test

Ein Team von Studenten will ein vielversprechendes Strategie-Brettspiel über eine Crowdfunding-Kampagne finanzieren. Die futurezone hat Almirante angespielt.

Bei Games und Crowdfunding denken die meisten an Computerspiele, die über Kickstarter finanziert wurden. Es gibt aber auch Brettspiele, die in ihren Finanzierungserfolgen den digitalen Spielen um nichts nachstehen. So erreichte das Conan-Brettspiel 3,3 Millionen US-Dollar, Zombicide Season 2 und 3 jeweils über zwei Millionen US-Dollar und das Kartenspiel Exploding Kittens sogar über acht Millionen US-Dollar.

Das Wiener-portugiesische Brettspiel Almirante hat kleinere Ziele. „Für die Erstauflage reicht es wenn 500 Stück finanziert werden, realistisch sind 1.000 Stück“, sagt Harald Gesierich (25). Er gehört zu dem fünfköpfigen Österreich-Team, das hinter Almirante steckt. Erfunden wurde das Strategiespiel von João Cavaco (23) in Portugal, der jetzt in Wien lebt: „Ich habe Almirante in Portugal mit Freunden in über vier Jahren entwickelt. Dort ist es auch bereits in einer Kleinstauflage erschienen.“

Die Freunde in Portugal arbeiten derzeit an dem Online-Vertrieb für das Spiel und versuchen Blogs und YouTubern Almirante schmackhaft zu machen. Team Wien ist für die deutschsprachige Version verantwortlich. Dazu gehört die Produktion, Umsetzung der Crowdfunding-Kampagne und Verbesserungen des Spielmaterials und Design. Produziert wird in Deutschland und Österreich, das Zusammenstellen der Komponenten und Versenden des Spiels wird in Handarbeit in Wien erledigt.

Galerie: Almirante

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Kein Zufall

Die futurezone hat das Brettspiel mit dem Almirante-Team ausprobiert. Almirante ist für zwei bis sechs Spieler ausgelegt. Bei zwei Spielern dauert eine Runde üblicherweise 30 Minuten, bei drei bis sechs Spielern bis zu 75 Minuten.

Das Strategiespiel verzichtet vollständig auf das Element Glück. Alle Spieler haben dieselben Voraussetzungen, Zufallsereignisse oder Würfel gibt es nicht. Dennoch bietet es viele strategische Möglichkeiten und dadurch abwechslungsreiche Runden. Zu Beginn wählt jeder Spieler verdeckt drei von acht Götterkarten aus. Jede hat eine andere Eigenschaft und kann verschieden eingesetzt werden – je nachdem welche Taktik der Spieler verfolgt.

Das Ziel des Spiels ist die Mitte des symmetrischen Spielplanes zu besetzen, in dem man eine oder mehrere Galeonen dort hinein bewegt. Der Spielplan ist übrigens wasserfest, was laut Gesierich schon mehrmals (ungewollt) beim Spielen in Cafés erprobt wurde.

Galeonen und weitere Fischerboote müssen mit Münzen gekauft werden. Münzen werden wiederum durch Fischen verdient oder indem die Windeinheiten, die zum Bewegen der Schiffe benötigt werden, umgetauscht werden. So kommt zur strategischen Komponente auch noch Ressourcen-Management hinzu.

Verbünden und verraten

Was anfangs recht umfangreich und komplex klingt, ergibt schon nach den ersten paar Spielminuten Sinn und man kann mit dem Taktieren beginnen. Durch den engen Spielplan und besonders bei vielen Mitspielern, muss man nicht nur die eigenen Züge planen, sondern auch antizipieren was die Kontrahenten als nächstes machen. Denn schon eine Unachtsamkeit kann dafür sorgen, dass das Fischerboot versenkt wird und man im nächsten Zug keine Münzen erhält, die man dringend für eine Galeone gebraucht hätte. In dem Fall hat man hoffentlich einen Plan B parat.

Gerade bei vier und mehr Spielern muss man deshalb Bündnisse schließen – und sei es nur um den Spieler, der aktuelle die Mitte hält, zu vertreiben, bevor er das Spiel gewinnt. Mit Bündnissen kommt auch der Verrat und damit eine zusätzliche, menschliche Komponente.

Die Runde Almirante mit fünf Spielern hat Spaß gemacht und die Lust geweckt weiterzuspielen, um neue Strategien und Karten-Kombinationen zu testen. Wie bei den meisten Brettspielen gilt: Je mehr Spieler mitmachen, desto besser. Durch das Bewegungskonzept und den runden Spielplan sollte sich das Geschehen zwar nicht verlaufen wenn man nur zu zweit spielt, jedoch fehlt das Verbünden und Verraten.

Almirante © Bild: Gregor Gruber

Crowdfunding

Das Wiener Team von Almirante hat sich im Studiengang Strategy, Innovation and Management Control der WU kennengelernt. Die Crowdfunding-Kampagne ist gleichzeitig Teil eines Projekts für einen Uni-Kurs zur Start-up-Gründung.

Als Plattform für die Crowdfunding-Kampagne wurde Startnext.com gewählt. Internationale Plattformen, wie Kickstarter oder Indiegogo, habe man nicht gewählt, da Almirante dort unter der Flut der anderen Projekte untergehen könnte. „Wir haben uns vielleicht auch ein wenig von der Professionalität mancher Projekte einschüchtern lassen. Aber wir haben jetzt extrem viel Erfahrung mit der aktuellen Kampagne gesammelt – vielleicht wird die nächste auf Kickstarter stattfinden“, sagt Gesierich.

Ein Risiko für Investoren von Almirante soll es nicht geben. „Entweder kriegen sie das Spiel oder ihr Geld zurück“, sagt Carola Seyr (25). Das Ziel ist derzeit noch nicht möglichst viel Geld zu verdienen, sondern weitere Auflagen und mögliche Erweiterungen zu finanzieren. „Die Erweiterungen müssen natürlich vorher auf die Umsetzbarkeit überprüft werden, damit das Spiel ausgewogen bleibt“, so Cavaco.

Die günstigste Version von Almirante kann über Startnext.com für 25 Euro erworben werden. Die Auslieferung der Spiele ist für Oktober vorgesehen.