Start-ups
29.06.2017

Seeanoli gibt Einblick in das Leben von Fremden

Durch die Online-Plattform Seeanoli kann man gegen Bezahlung einen Tag im Leben eines anderen Menschen verbringen, um dessen Beruf oder Hobby kennenzulernen.

Wolltest du immer schon wissen, was genau ein Upcycling Designer, eine Burlesquetänzerin oder eine Food-Bloggerin so den ganzen Tag machen? Das Start-up Seeanoli will genau dieses Bedürfnis ansprechen und lädt ein, einen Blick in das Leben eines Fremden zu werfen ("SEE ANOther LIfe"). Gründer von Seeanoli ist der gebürtige Rheinländer Dirk Schwendt, der seit 15 Jahren in Wien lebt. Er hat mir am Telefon mehr zu seinem Start-up verraten.

Blase verlassen

Aus dem persönlichen Bedürfnis heraus, über den eigenen Tellerrand zu sehen, die eigene "Blase" zu verlassen, ist Schwendt die Idee gekommen, eine Online-Plattform zu gründen, die so etwas möglichst einfach macht. Ein Erlebnis hat den Unternehmensberater besonders dazu ermutigt, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen: "Ein Schulfreund von mir ist Archäologe geworden. Ich bin mal mit ihm mitgegangen zu einer Ausgrabung. Das war faszinierend."

Menschen, die Anderen gerne ihren beruflichen Alltag oder ihr Lieblingshobby näherbringen wollen, können sich bei Seeanoli als Gastgeber registrieren und ein Angebot für Interessierte erstellen, bei dem sie ein Besuchsprogramm und einen Preis dafür festlegen. Auf der Online-Plattform kann man gezielt nach Angeboten in bestimmten Kategorien an bestimmten Orten suchen und gegen Bezahlung zum Gast werden.

Unterschiedliche Motivationen

Laut Schwendt gibt es bei Gästen drei große Zielgruppen. Die erste umfasst jene, die nach beruflicher Orientierung suchen. Die zweite Zielgruppe bezeichnet Schwendt als "Büromenschen, die ihren Horizont erweitern wollen und dabei nicht Funsportarten ausprobieren wollen, sondern etwas, das mehr 'down to earth' ist". Die dritte Gruppe seien Touristen, die nach authentischen Erlebnissen suchen, "und nicht etwa in Wien eine Sissi-Tour machen wollen".

Auch bei den Gastgebern gebe es unterschiedliche Motivationen. Einerseits lässt sich mit Seeanoli Geld verdienen, außerdem kann man seine eigene Leidenschaft mit anderen teilen oder die Bekanntheit seines eigenen Jungunternehmens steigern. Außerdem könnte die Plattform als zusätzlicher "Recruiting"-Kanal gesehen werden, bei dem man mögliche künftige Arbeitskräfte in einer informellen Situation kennenlernen kann.

Was beim Durchsuchen des derzeitigen Angebots sofort auffällt: Viele der momentanen Gastgeber sind selbstständige Unternehmer. Laut Schwendt ergibt sich dieser Fokus natürlicherweise: "Angestellte können nicht einfach Leute einladen. Bei vielen Unternehmen gibt es genaue Vertraulichkeits-Richtlinien, die so etwas verhindern. Aber auch große Unternehmen könnten bei Seeanoli mitmachen."

Preisgestaltung

Bei den Preisen für die "See another life"-Abenteuer gibt es derzeit noch große Unterschiede. "Das ist ein Entwicklungsthema. Es ist eine Dienstleistung, die es so noch nicht gegeben hat. Ich berate Gastgeber dabei gerne, einen goldenen Weg sehe ich derzeit noch nicht", meint Schwendt. "Aber der Gastgeber kann Erfahrungen sammeln und den Preis jederzeit ändern." Der Portal-Betreiber streicht bei jeder Buchung einen Fixbetrag von 30 Euro ein. "Ich wollte absichtlich keinen Prozentanteil festlegen, damit man nicht sagen kann, das Portal ermutige zu höheren Preisen."

Angebot vergrößern

Neue Gastgeber zu finden, gestaltet sich momentan noch schwierig, sagt Schwendt. "Da es dieses Geschäftsmodell noch nicht gegeben hat, tun sich Viele schwer, das zu verstehen. Es gibt einen hohen Erklärungsbedarf. Es wird aber mit jedem Gastgeber, der dazu kommt, einfacher."

Bislang hat Schwendt Seeanoli komplett aus der eigenen Mitteln finanziert. Die Firma wurde 2016 gegründet. Seit Mitte 2016 ist die Plattform als Beta-Version online. Die Programmierung stammt von der Wiener Agentur Third Man. Schwendts nächstes Ziel ist, das Angebot zu vergrößern und die Anzahl der Gastgeber zu erhöhen. Neben Wien soll Hamburg als Ausgangspunkt dienen, "um die Angebotslandkarte von Norden und Süden zusammenwachsen zu lassen."