Produkte

Kameravergleich: Sieben Smartphones gegen eine DSLR

Es gibt kaum eine Pressekonferenz für ein neues Smartphone, bei dem nicht „DSLR-like quality“ versprochen wird. Die Handys sollen also eine Fotoqualität bieten, die mit einer Spiegelreflexkamera vergleichbar ist. Besonders LG scheint von seinem G4 überzeugt und hat die futurezone herausgefordert, das Smartphone mit einer DSLR zu vergleichen.

Für den Vergleich wurden die aktuellen Modelle anderer Hersteller ebenfalls hinzugezogen, die mit einer besonders guten Kamera beworben wurden: HTC One M9, Huawei P8, Apple iPhone 6, Nokia Lumia 930, Samsung Galaxy S6 und Sony Z3 Compact. Das iPhone 6 wurde von T-Mobile zur Verfügung gestellt, die anderen Smartphones von den jeweiligen Herstellern.

Testbedingungen

Als Spiegelreflexkamera wurde die Canon EOS 760D gewählt, eine aktuelle Einsteiger-DSLR, als Objektiv das Canon 16-35mm 1:2.8. Das ist zwar kein Einsteiger-Objektiv, allerdings kommt dieses vom Blendenwert und der Brennweite noch am ehesten an die Kameras der Smartphones heran. Zudem sprechen die Smartphone-Hersteller ja von „DSLR-ähnlicher Qualität“ und nicht von „DSLR mit möglichst günstigem-Objektiv-Qualität“. Als Brennweite bei der 760D wurde 17,5mm gewählt. Mit dem Crop-Faktor von 1,6 ergibt das 28mm, was der Brennweite vieler Smartphones, im Test ua. des G4 und S6, entspricht. Da aber zb. das iPhone 6 29mm und Z3 Compact 25mm Brennweite haben, kommt es bei den Fotos zu leichten Abweichungen des Blickwinkels.

Die individuellen Vor- und Nachteile der Systeme DSLR und Smartphone sind natürlich durch die Baugröße, Anschaffungskosten, Flexibilität und Handhabung gegeben und nur schwer vergleichbar, weshalb sich dieser Test auf die Bildqualität beschränkt. Was während des Fotografierens dennoch auffiel: Der Autofokus war bei der DSLR immer schneller als bei den Smartphones. Unter den Smartphones fokussierten das G4 und S6 am flottesten.

Um den User als positiven oder negativen Einflussfaktor auf die Bildqualität möglichst zu reduzieren, wurde im Automatik-Modus fotografiert. Bei den Smartphones wurden die Standard-Kamera-Apps verwendet. Es wurden mehrere Motive, bei unterschiedlichen Lichtbedingungen, in Innenräumen und im Freien fotografiert. Folgend sind Bildergalerien und Beschreibungen der Situationen. Es wurden mehr Fotos gemacht als hier gezeigt werden, aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden aber ähnliche Motivsituationen nicht in den Artikel eingebaut.

Stephansdom von Außen

Wohl eines der meistfotografierten Motive in Wien in einer nicht ganz einfachen Lichtstimmung. Die Schwierigkeit ist, zwischen dunklem Gebäude und hellem Himmel die richtige Belichtung zu finden.

Canon 760D: Himmel wurde überbelichtet, beim Gebäude kommen die Details jedoch sehr gut zur Geltung. Die Farben sind insgesamt sehr realistisch und weder übersättigt noch zu blass ausgefallen.

HTC One: Situation wurde völlig falsch interpretiert, die gesamte Aufnahme ist zu dunkel.

Huawei P8: Das Gerät hat offenbar den HDR-Modus aktiviert. Das Foto ist stark nachgeschärft, die Farben sind fast schon unnatürlich. Insgesamt eine sehr dramatische Optik, die gefallen kann, aber nicht muss.

iPhone 6: Generell eine Spur zu dunkel, Schärfe und Detailgrad passen jedoch.

LG G4: Zu dunkel und eine Spur gelbstichig. Schärfe passt.

Nokia 930: Die Helligkeit ist etwas gering ausgefallen, geht aber gerade so noch in Ordnung. Zu den Rändern hin sind kleine Unschärfen auszumachen. Ein Grünstich macht sich ebenfalls bemerkbar.

Samsung S6: Helligkeit und Details passen, insgesamt aber zu sehr geschärft, so, dass es schon unnatürlich aussieht. Wie beim Lumia ist es bei den Rändern etwas unscharf, jedoch nicht so auffällig wie beim Nokia-Gerät.

Sony Z3: Helligkeit geht wieder in Ordnung, das Foto ist im Vergleich zur Konkurrenz jedoch leicht unscharf. Die Farben sind eher kalt ausgefallen.

Stephansdom innen

Betritt man den Dom, sieht Foto-Situation klarerweise etwas anders aus: Wenig Licht, viele Details. Teilweise durch die Fenster auch Gegenlicht von draußen.

Canon 760D: Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse, drückt die DLSR die Verschlusszeit auf 1/40 Sekunde. Dadurch, dass kein Bildstabilisator vorhanden ist, wird die Aufnahme leicht verwackelt. Farben und Details stimmen jedoch, Bildrauschen ist keines feststellbar, die Farben sind realistisch.

HTC One: In dieser Situation weiß das Handy von HTC zu glänzen und liefert eine Aufnahme, die sich durchaus mit der der DSLR messen kann, sofern man nicht auf 100 Prozent vergrößert. Macht man das, fällt jedoch relativ schnell auf, dass Farben teilweise relativ stark verwaschen sind.

Huawei P8: Die Aufnahme des Huawei ist zu dunkel ausgefallen, dennoch ist sie relativ scharf. die Farben werden jedoch nicht optimal dargestellt.

iPhone 6: Farben und Helligkeit stimmen, das Bild ist nicht verwackelt. Auch hier machen sich in der Detailansicht die verwaschenen Farben bemerkbar, jedoch nicht so schlimm wie beim HTC One.

LG G4: Eine der besten Smartphone-Aufnahmen in dieser Situation. Farben und Details passen, man sieht erst beim vergrößern, dass es keine Spiegelreflexkamera ist.

Nokia 930: Die Aufnahme ist etwas verschwommen und zu dunkel. Farben und Fotostimmung insgesamt gehen aber in Ordnung. Samsung S6: Hier macht sich ein Rotstich bemerkbar bzw. eine eher wärmere Farbstimmung. Schärfe passt, Farben sind nur minimal verwaschen. Das Foto steht in etwa auf einer Ebene mit der des G4.

Sony Z3: Liefert ein mittelmäßiges Foto ab. Farbstimmung ist eher kalt, Rauschen lässt sich feststellen.

Fiaker

Das nächste Touristenmotiv ist ein Fiaker in der Wiener Innenstadt. Schwierig ist hier, die dunkle Decke auf dem schwarzen Pferd detailgetreu darzustellen. Außerdem ist der helle Hintergrund eine Herausforderung für die Kameras.

Canon 760D: Die Pferde könnten einen Tick heller sein, ansonsten hat die Kamera die Situation jedoch fast perfekt gemeistert.

HTC One: Mittelmäßiges Handy-Foto. Die Aufnahme ist nicht völlig scharf, der Detailgrad ist mäßig.

Huawei P8: Tendenziell zu dunkel, durchschnittliches Foto mit einem nicht besonders hohen Detailgrad.

iPhone 6: Gute Helligkeit, guter Detailgrad, wenig Grund zur Kritik.

LG G4: Eventuell etwas zu dunkel und kontrastarm. Die Details passen jedoch.

Nokia 930: Das Foto weist unnatürliche und teilweise verwaschene Farben auf. Die Aufnahme ist blaustichig. Zumindest die Details und Kontraste stimmen.

Samsung S6: Details und Helligkeit gehen in Ordnung, insgesamt eine gute Aufnahme.

Sony Z3: Rotstichig und zu dunkel. Insgesamt eher unnatürlich.

Graffiti

Ein Graffiti am Wiener Donaukanal soll zeigen, wie die Farbdarstellung der Kameras ausgefallen ist bzw. wie natürlich die Farben dargestellt werden.

Canon 760D: Sehr natürliche Aufnahme, fast schon langweilig anzusehen.

HTC One: Foto fiel sehr kontrastreich aus, passt gut und sieht ansprechend aus.

Huawei P8: Das Foto weist einen grünlich-gelblichen Farbstich auf, was nicht wirklich schön aussieht.

iPhone 6: Das Bild ist sehr gelbstichig, was der Fotostimmung nicht wirklich zugute kommt.

LG G4: Die Aufnahme ist eher natürlich ausgefallen, teilweise schon etwas langweilig.

Nokia 930: Grünstich, abgesehen davon ok.

Samsung S6: Wieder mal ein Gelbstich.

Sony Z3: Die Farben des Sony-Fotos sind etwas kalt ausgefallen, rot wird teilweise zu rosa. Die Kontraste sind zumindest ok.

Porträt draußen

Klassische Porträtsituation an einem schönen Tag. Helle Umgebung, die von einigen dunklen Schatten umgeben ist.

Canon 760D: Das Porträt ist eine Spur zu dunkel ausgefallen, die Schärfe passt jedoch. Auch in Sachen Tiefenschärfe weiß die DSLR zu überzeugen.

HTC One: Autofokus versagte, trotz der relativ simplen Situation.

Huawei P8: Sehr hell, lässt das Motiv blass wirken. Die Schärfe ist mittelgut, jedoch ist der Pulli schärfer als das Gesicht.

iPhone 6: Die Farben sind eher warm und gelblich, insgesamt jedoch übersättigt. Die Schärfe geht in Ordnung.

LG G4: Das Foto ist eine Spur zu dunkel, gute Detaildarstellung und scharfe Aufnahme.

Nokia 930: Leicht übersättigt und unnatürlich, kein optimales Foto.

Samsung S6: Leicht gelbstichig, gute Schärfe, sogar eine schöne Tiefenschärfe. Insgesamt ist die Aufnahme aber sehr stark nachgeschärft.

Sony Z3: Rotstichig und zu dunkel, insgesamt wenig ansprechend.

Blitzporträt

In einer finsteren Ecke einer Bar wurde ein Porträt mit Blitzlicht gemacht - stellvertretend für die typischen Smartphone-Partyfotos. Das Schwierige bei diesen Fotos: Ein scharfes Bild zu liefern, das hell genug ist, aber gleichzeitig nicht das Gesicht durch das Blitzlicht unnatürlich bleich wirken lässt.

Canon 760D: Das Bild ist leicht unscharf, die Farbechtheit ist gut. Durch das lange Objektiv wird ein Schatten ins Bild geworfen.

HTC One: Unscharf und leicht gelbstichig, was aber dafür sorgt, dass es nicht die für Blitzfotos übliche Gesichtsbleiche gibt.

Huawei P8: Das Bild ist viel zu stark nachgeschärft und es gibt einen Gelbstich. Das Bild sieht dadurch nicht ansprechend aus.

iPhone 6: Klassisches Blitzfoto mit etwas ausgebleichten Farben. Nicht schön, aber zumindest scharf.

LG G4: Gute Schärfe und Detailgrad, allerdings sorgt der Gelb-/Grünstich für eine ungesunde Gesichtsfarbe.

Nokia 930: Unscharf, die Farben sehen etwas gelblich und blass aus.

Samsung S6: Unscharf und mit Gelbstich, es wirkt als hätte man einen Retro-Filter über das Foto gelegt.

Sony Z3: Relativ natürliche Farben, man sieht auf Anhieb nicht, dass es ein Blitzfoto ist. Die Schärfe könnte etwas besser sein.

Im selben Szenario wurden auch Porträts ohne Blitz gemacht. Zwar waren die Farben weniger verfälscht aber die Bilder unschärfer. Hält das Motiv still, sollte man erst die Aufnahme ohne Blitz versuchen. Ist es verwackelt, kann man immer noch mit Blitz fotografieren.

Ronacher

Bei diesem Motiv müssen Smartphones und DSLR beweisen, dass sie sowohl das Rot der Fassade als auch das kräftige Blau des Himmels korrekt einfangen können.

Canon 760D: Die Farben sind natürlich ohne zu blass zu wirken, die Schärfe und Helligkeit stimmen.

HTC One: Die Schärfe passt, aber das Bild ist zu dunkel.

Huawei P8: Das Foto ist stark blaustichig, zu dunkel und wirkt sehr unnatürlich.

iPhone 6: Viel zu dunkel, Farben und Schärfe sind gut.

LG G4: Zu dunkel, das Foto wirkt unnatürlich.

Nokia 930: Zu dunkel, zu den Rändern hin unscharf, die Farben sind unnatürlich übersättigt.

Samsung S6: Die Helligkeit und Schärfe sind in Ordnung, das Foto hat einen dezenten Grünstich.

Sony Z3: Das Rot ist viel zu übersättigt, die Schärfe passt, eventuell könnte das Foto etwas heller sein.

Siedlung bei Nacht

Wenn es noch nicht ganz dunkel ist, erscheint der Himmel Tiefblau statt Schwarz. Dies müssen die Smartphones und DSLRs einfangen. Diese Situation wird durch das gelbe Straßenlicht erschwert.

Canon 760D: Leicht unscharf aufgrund des fehlenden Bildstabilisators, der bei einigen Smartphones fix verbaut ist. Dafür passen aber die Farben. In der 100-Prozent-Ansicht ist ein deutliches ISO-Bildrauschen zu sehen.

HTC One: Das Foto sieht aus, als hätte man es mit einer Webcam gemacht. Es ist verschwommen, hat keine Details und ein starkes Bildrauschen.

Huawei P8: Das Foto ist einigermaßen scharf, aber die Farben sind verwaschen. Deutliches Bildrauschen.

iPhone 6: Das Bild wirkt natürlich, ist aber dennoch nicht besonders hübsch, weil das Gelb etwas zu dominant ist. Die Schärfe passt.

LG G4: Gute Schärfe, natürliche Farben. Das Foto ist sehr nah an der DSLR-Aufnahme dran, allerdings hat das G4-Bild weniger Details.

Nokia 930: Zu dunkel und unscharf.

Samsung S6: Die Schärfe ist gut, die Details sind in Ordnung, dafür ist das Bildrauschen stärker als beim LG G4. Die Farben sind gut aber weniger ansprechend als beim G4 und der DSLR.

Sony Z3: Etwas unscharf, mäßige Details, keine schöne Stimmung da das gelbe Licht einen grünen Farbstich hat.

Innenaufnahme Bar

Ein Foto in der Bar mit vielen Details und Mischlicht (künstliche und natürliche Beleuchtung). Die Herausforderung: Die richtige Belichtung und der Weißabgleich sind entscheidend für die Stimmung, die das Foto vermittelt.

Canon 760D: Eine Spur zu dunkel, dafür stimmig. Gute Details, die Schärfe ist ebenfalls in Ordnung.

HTC One: Guter Gesamteindruck, aber starkes Bildrauschen in der 100-Prozent-Ansicht und etwas zu wenig Details.

Huawei P8: Die Schärfe ist gut, leichte Überlagerungen wegen Auto-HDR-Modus. Die Farben sind kalt, weshalb die Stimmung des Fotos seltsam wirkt.

iPhone 6: Das Foto ist zu blass, es wirkt als würde ein Grauschleier über der Aufnahme liegen.

LG G4: Sehr gutes Foto, sieht besser als bei der DSLR aus. Die Stimmung passt, auch die Details sind gut.

Nokia 930: Die Aufnahme könnte etwas schärfer und heller sein, sonst gut.

Samsung S6: Ebenfalls ein sehr gutes Foto, sehr scharf und kontrastreich, gute Farben. Der leichte Gelbstich sorgt für einen wärmeren Farbton, was in dieser Situation passend ist. Besser als das DSLR-Foto.

Sony Z3: Etwas zu dunkel, Farben zu kalt. Wirkt dadurch nicht sonderlich ansprechend.

Fazit

In einigen Situationen können das LG G4 und Samsung S6 tatsächlich mit der DSLR mithalten. Allerdings liefert die Spiegelreflexkamera konstant gute Ergebnisse, während die Smartphones immer wieder Ausreißer haben.

Ebenfalls sollte bedacht werden, dass die Farbstichigkeit in den Aufnahmen mancher Smartphones Absicht ist. Die Fotos werden so an die Displays der jeweiligen Handys angepasst. Die Hersteller rechnen damit, dass User die meisten Fotos nur am Smartphone und nicht auf einem Flat-TV oder PC-Bildschirm ansehen. Die Aufnahmen werden auf dem Handy also oft besser aussehen, als auf einen großen Bildschirm.

Etwas überraschend ist, wie gut sich einige Smartphones in manchen Low-Light-Situationen präsentieren, wie etwa beim Motiv Innenaufnahme Bar und Stephansdom innen. Dank Bildstabilisator und digitalen Anpassungen sehen die Aufnahmen auf den Handdisplays teilweise besser aus als die DSLR-Bilder. Geht man jedoch ins Detail bzw. zoomt in die Aufnahme hinein, werden die Schwächen der kleinen Bildsensoren relativ schnell sichtbar. Auch darf es nicht zu dunkel sein: In der Nacht wird eine aktuelle DSLR aufgrund des größeren Sensors und Objektivdurchmessers immer bessere Resultate als ein Smartphone liefern - vorausgesetzt man verwackelt nicht.

Klicken Sie hier für die Newsletteranmeldung

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

mehr lesen

Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

mehr lesen