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Rauschen erwünscht: Warum die Musikkassette wieder in ist

Vergangenes Jahr feierte die Musikkassette ihren 60. Geburtstag. Doch wie sieht es jetzt um das schon damals ausgerufene Comeback aus?

Sehr gut, wenn es nach FiiO geht. Das chinesische Unternehmen kündigt einen neuen tragbaren Kassettenspieler für den März an. Das Modell CP13 ist optisch am klassischen Sony-Walkman-Design angelehnt. Statt AA-Batterien gibt es einen Akku, der mittels USB-C-Anschluss aufgeladen wird. Bis zu 13 Stunden Wiedergabezeit sollen so möglich sein.

Modernes Bluetooth gibt es nicht, gehört wird mit einem klassischen 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Preislich wird das Gerät bei etwa 160 Euro liegen. Aber wozu so ein Ding in Zeiten von Smartphones und Streamingdiensten?

Der CP13 von FiiO

Zurückgespult

„Sie haben dann nur die Start-Taste zu drücken, und sofort ertönt Musik“ – hieß es bei der Vorstellung der Musikkassette im Jahr 1963 auf der Funkausstellung Berlin. Damals konnte noch niemand ahnen, wie sehr das kleine Stück Plastik die Musikgeschichte verändern wird. Die Kassette war deutlich handlicher und günstiger als die damals vorherrschende Schallplatte.

Die Kassette war eigentlich als Notizbuch für die Stimme gedacht, aber wurde dann ganz anders genutzt. Durch die Aufnahme-Funktion konnte jeder zu einem „Musikproduzenten“ werden und ganz einfach Songs vom Radio mitschneiden und daraus ein eigenes Mixtape basteln. Zynisch sprechen hier manche vom Beginn der „Raubkopien“.

Die Erfindung des Walkmans brachte die Kassetten und damit die Musik in den 80er-Jahren auf die Straßen. Das Aufkommen der CD und die anschließende Digitalisierung verdrängte aber schließlich schnell den analogen Datenträger. Jetzt scheint die Kassette jedoch wieder vermehrt Liebhaber*innen zu finden.

➤ Mehr lesen: Audiokassetten erleben in den USA Revival

Nostalgiefaktor

So haben sich beispielsweise auf Ricardo, dem führenden Schweizer Secondhand-Onlinehändler, die Kassettenverkäufe seit 2019 mehr als verdoppelt. Vergangenes Jahr wechselten auf der Plattform pro Monat bis zu 1.000 Kassetten ihre Besitzer*innen.

Alleine in Großbritannien wurden 2022 über 200.000 Kassetten verkauft – 50-mal so viele wie 10 Jahre zuvor. Der größte Verkaufsschlager war das Album „The Car“ der britischen Band Arctic Monkeys, was bei dem nostalgischen Klang des Werks kaum verwundert: Retro-Sound braucht eben einen Retro-Tonträger.

Für den Trend mitverantwortlich gemacht werden auch der in den 1980ern spielende Netflix-Serienhit „Stranger Things“ und die Blockbuster-Filmreihe „Guardians of the Galaxy“. In beiden tauchen Musikkassetten immer wieder prominent auf.

Bewusster Musikgenuss

Neben diesen popkulturellen Phänomenen können auch die simplen Grundeigenschaften des Datenträgers seine „Wiederentdeckung“ erklären: Man ist geneigt, ein Album durchzuhören. Wer vorspult, um Lieder zu überspringen, wird mit einem quietschenden Geräusch bestraft.

Durch den Verzicht darauf kann ein Album als Gesamtkunstwerk verstanden werden. Musikfans sollen in ihrer Rolle als Hörer*innen also eher passiv bleiben und dem*der Künstler*in die Entscheidung über die Reihenfolge der Songs überlassen, welche die Musikschaffenden bewusst getroffen haben.

Dass der Sound bei Kassetten schlechter als bei anderen Datenträgern, sehen die Fans als Vorteil. Der „schmutzige“ Klang wird mit bewusstem Hören gleichgesetzt und das sanfte Rauschen zwischen den Songs als entspannend wahrgenommen.

Die richtige Ausstattung

Große Künstler*innen haben den Trend für sich erkannt. Sucht man etwa auf Amazon nach Kassetten, findet man von Taylor Swift bis hin zu Metal-Bands vieles. Vorsicht beim Kauf alter Kassetten am Gebrauchtmarkt: Ihre Lebensdauer wird auf 40 Jahre geschätzt und die Qualität wird mit jedem Abspielen schlechter.

Auch bei den Abspielgeräten, ob für unterwegs oder zu Hause, sollte man auf Qualität achten. Man wird nicht nur im Internet fündig, sondern auch in Retro-Musikläden wie dem K&K Vintage + Sound oder in der Retro Werkstatt in Wien.

Neu oder gebraucht

Kassettendecks
Liebhaber kaufen gebrauchte Geräte, die je nach Zustand zwischen 50 und 500 Euro kosten können. Vom Hersteller Teac gibt es neue Decks mit moderner Technik (z.B. für 440 Euro bei Amazon)

Tragbare Geräte
Neben hochwertigen Modellen wie „We Are Rewind“ und dem Fiio „CP13“ findet man im Internet günstige neue Geräte ab 25 Euro (z.B. hier bei Amazon). Hier sollte man sich besonders gut die Rezensionen anderer Nutzer durchlesen und nicht bloß auf die Bewertungssterne schauen. Oft versprechen solche Geräte viel, die Qualität ist dann aber nur mäßig

Beim Kauf eines alten Kassettendecks sollte die Qualität des Geräts überprüft werden. Falls beim Abspielen nicht immer richtig „gespult“ wird, könnte das an ausgeleierten Antriebsriemen liegen. Hierfür können Ersatzriemen bestellt werden. Falls die Musik dumpf klingt, könnte das am Tonkopf bzw. dessen Ausrichtung liegen, in dem Fall müsste man das Gerät komplett zerlegen.

Wem das zu viel Zeit und Nerven kostet, kann auf die Veröffentlichung des CP13 warten oder sich vom französischen Anbieter „We Are Rewind“ einen tragbaren Spieler um 150 Euro besorgen.

We Are Rewind

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Caroline Kainz

recherchiert, skriptet, moderiert und schneidet Erkärvideos – am liebsten zu Themen, die Technologie und Gesellschaft verbinden.

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