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Klimawandel könnte Europa bis zu 10 Grad kälter werden lassen

Der Klimawandel wirkt sich nicht nur auf den Meeresspiegel aus, sondern auch auf die Strömung der Ozeane - zum Beispiel auf den Golfstrom. Er bringt warmes Wasser vom amerikanischen Kontinent über den Atlantik nach Europa und sorgt dort für ein milderes Klima. 

Laut einer Studie der Universität Kopenhagen könnte allerdings ein Kollaps des Golfstroms aufgrund der steigenden Temperaturen noch in diesem Jahrhundert drohen. Dies würde für eine drastische Abkühlung in Europa sorgen und hätte folgenschwere Auswirkungen auf das Weltklima. Doch Expert*innen zweifeln an den Ergebnissen.

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Golfstrom versiegt, Europa kühlt ab

Der Golfstrom ist eine Meeresströmung der Superlative. Er transportiert mehr Wasser als alle Flüsse dieser Welt zusammen und ist Teil der sogenannten Atlantischen Umwälzzirkulation (AMOC). AMOC gilt als Klimakipppunkt. Kollabiert die Zirkulation, so hätte dies folgenschwere und irreversible Auswirkungen auf das weltweite Klima. 

Denn wenn der Mensch die Atmosphäre mit seinem CO2-Ausstoß erwärmt, schmilzt das grönländische Eisschilds. Dem Atlantik werden so große Mengen an Süßwasser zugeführt. Dies stört wiederum das Gleichgewicht von Wärme und Salzgehalt, das die Umwälzung der AMOC in Gang hält. Versiegt sie zur Gänze, droht Modellen zufolge eine Temperatursenke von 5 bis 10 Grad Celsius

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Studie bricht mit Ergebnissen des Weltklimarats

Gemäß des derzeitigen wissenschaftlichen Konsenses gilt ein Kollaps der AMOC im 21. Jahrhundert als unwahrscheinlich. Dies betont auch der Weltklimarat (IPCC) in seinem jüngsten Bericht.

Die Studie der Universität Kopenhagen bricht nun mit den gängigen Erkenntnissen. Der Physiker Peter Ditlevsen und die Biostatistikerin Susanne Ditlevsen kommen zu dem Ergebnis: Der Golfstrom könnte bereits 2025 und spätestens 2095 zum Erliegen kommen. Das Duo untersuchte die Meeresoberflächentemperaturen im Nordatlantik zwischen 1870 und 2020. In diesen Daten fand es Frühwarnsignale, die auf einen kritischen Übergang des AMOC-Systems hindeuten.

Expert*innen zweifeln Ergebnisse an 

Forschende, die nicht an der Studie mitgewirkt haben, zweifeln an den Ergebnissen. Hauptkritik der Wissenschaftler*inne ist das vereinfachte Modell, mit dem Ditlevsen und Ditlevsen arbeiten. Dieses würde die Realität nur unzulänglich abbilden, heißt es. 

Levke Caesar, Klimaphysikerin an der Universität Bremen, äußert etwa Bedenken bezüglich der älteren Temperaturaufzeichnungen, die das Duo für die Berechnung verwendet haben. Diese Aufzeichnungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert seien möglicherweise nicht zuverlässig genug, um sie für eine statistische Analyse zu verwenden.

Die neue Studie sei allerdings dennoch ein dringendes Signal für die Notwendigkeit, weiterhin Daten über die sich wandelnden Meeresströmungen zu sammeln. "Es passiert etwas, und es ist wahrscheinlich etwas Ungewöhnliches", sagt Caesar gegenüber der New York Times. "Etwas, das ohne uns Menschen nicht passiert wäre". Fachleute rufen also dazu auf, weiterhin den Kampf gegen den Klimawandel voranzutreiben - auch um das Strömungssystem in den Weltmeeren im Gleichgewicht zu halten.

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