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Apps
10/04/2020

Wiener Dating-App matcht per Spotify und Terminwunsch

Die Blind-Date-App Blinder möchte weg von der Oberflächlichkeit der sozialen Netzwerke. Dafür hat man sich neue Ansätze ausgedacht.

von Amir Farouk

Auf dem Dating-Markt tummeln sich nicht nur besonders viele Nutzer, auch die Anzahl der Apps ist alles andere als klein. Apps wie Tinder, einer der größten Anbieter in diesem Bereich, ist sogar jenen bekannt, die noch nie eine Dating-App genutzt haben oder dies vorhaben. Aber auch andere Anbieter können hier beachtliche Marktanteile verzeichnen.

Vor allem das System hinter vielen Dating-Apps ist für Nutzer wichtig. Das Swipe-System, wie es etwa Tinder einsetzt, hat sich dabei etabliert. Je nachdem, ob wir die vorgeschlagene Person interessant finden, wischen wir nach links oder rechts.

Dass diese Art der Date-Suche aber schnell unpersönlich und oberflächlich wird, sollte keine Überraschung sein. Die neue Dating-App Blinder, von vier Wienern entwickelt, möchte hier ansetzen und das Kennenlernen wieder in die echte Welt verlagern.

Schluss mit Oberflächlichkeit

Nach mehr als drei Jahren Entwicklung ist die App nun seit knapp zwei Wochen in den Stores. Das vierköpfige Team rund um Blinder hat sich einige Gedanken gemacht.

„Die Idee von Blinder war, dass wir Leute anhand von Interessen kennenlernen und nicht so oberflächlich wie bei Standard-Apps“, sagt Manuel Caspari, einer der vier App-Gründer im Gespräch mit der futurezone. „Wir waren nicht nur mit dem Dating selbst, sondern auch mit sozialen Netzwerken im Allgemeinen unzufrieden, die nicht nur unpersönlich sind, sondern auch nur die beste Version von uns selbst abbilden“.

Interessen im Fokus

Statt sich durch unzählige Bilder zu wischen, wird hier anhand von Eigenschaften entschieden, wer zum wem passen könnte. Und nicht nur das: Blinder würfelt hier nicht einfach nur aus, wer sich mit dem wem trifft. Ein Profil lässt sich unter anderem mit einem Fragebogen und der Verknüpfung des Spotify-Accounts des Nutzers auf ihn zuschneiden.

Der auszufüllende Fragebogen setzt sich aus insgesamt 10 Fragen zusammen. Gefragt wird hier unter anderem „kritisch, diskussionsfreudig“, „zuverlässig, selbstdiszipliniert“ oder „verständnisvoll, warmherzig“. Jede dieser Fragen kann dann abgestuft mit „Trifft gar nicht zu“ bis „Trifft absolut zu“ beantwortet werden. Neben dem Fragebogen haben wir im Reiter „Interessen“ dann außerdem noch die Möglichkeit, drei Interessen zu hinterlegen. Zur Auswahl stehen hier unter anderem Sport, Musik oder Reisen.

Wer Spotify mit dem Blinder-Account verknüpft, wird nicht nur anhand des Fragebogens gematcht, sondern auch unter Einbeziehung des Musikgeschmacks. Da es sich bei Blinder um Blind-Dates handelt, können wir in der App bzw. unserem Profil keine Profilbilder hinterlegen.

Um uns näher zu beschreiben, können wir im Feld „Über mich“ aber einige Zeilen schreiben, die ein Bild vermitteln. Zur Vollendung des Profils müssen wir dann noch einige Grenzen für unsere Suche festlegen. Dazu gehört, ob wir an Männern, Frauen oder beidem interessiert sind, ob wir Hookups ausschließen möchten und in welcher Altersrange wir nach Blind-Dates suchen.

Matching mal anders

Das Kernelement von Blinder ist aber selbstverständlich nicht die Profilerstellung, sondern das Matching. Hier unterscheidet sich die Wiener Dating-App nämlich massiv von Tinder und Konsorten.

Sobald wir unser Profil eingerichtet haben, können wir in den Reiter „Suchen“ gehen. Dort erwartet uns bei der ersten Suche eine Abfrage zur Verifizierung. Statt eine Handynummer zu verlangen, müssen wir hier ein Selfie mit zwei Fingern im Bild schießen. Die Freischaltung erfolgt dann nach einer Prüfung von Blinder. „Man trifft sich ja hier mit komplett fremden Personen. Andere Anbieter haben ja auch große Probleme mit Bots. Wir wollten hier sicher sein, dass hinter dem Profil auch wirklich ein echter Mensch steckt.“

Nach erfolgter Verifizierung, die neben einer Registrierung via Google, Facebook oder Apple notwendig ist, kann dann die erste Suche starten. Und hier wird der große Unterschied zu anderen Apps in diesem Bereich sichtbar. Statt uns durch einen Katalog an Bildern zu schicken, die wir oberflächlich nach links und rechts wischen, wählen wir hier lediglich aus, an welchen Terminen wir Zeit haben.

„Unser Ansatz war, dass wir eben nicht diese Oberflächlichkeit mit Bildern oder Swipes haben, sondern sich echt kennenzulernen. Von der digitalen Erfahrung wieder zurück in die echte Welt“. Zur Auswahl gibt es mehrere Tage sowie einige Zeitslots, die wir markieren können. Mehr braucht es tatsächlich nicht. Nachdem wir unsere Zeiten gewählt haben, benachrichtigt uns Blinder, wenn es eine Übereinstimmung gibt.

Der erste Match

Hat die Suche Treffer ergeben, beginnt Teil 2 des Matching. In einem Bestätigungs-Screen zeigt uns Blinder dann das Pseudonym unseres Gegenübers und anhand welcher Interessen wir übereinstimmen.

Sofern wir dem Treffen zusagen kommt aber noch ein weiteres Kernelement von Blinder zum Vorschein. Hier können wir nämlich aus drei verschiedenen Spots wählen, die wir als Treffpunkt wünschen. Die App schlägt hier dann beispielsweise den Stadtpark oder das Haus des Meeres vor.

Hier wird auch der Grund ersichtlich, warum die App vorerst nur für Wien verfügbar ist. Das Team rund um Blinder speist die vielen Treffpunkte nämlich eigenständig in das System ein. „Wir stellen uns als persönliche Kennenlern-App vor, deswegen stecken wir hier auch persönliche Arbeit rein. Wir versuchen möglichst breit alles abzudecken, von Cafés, Restaurants bis zu Parks aber auch Museen. Da wir die Orte aber selbst aussuchen, vor Ort dann Bilder für die App machen und Treffpunkte wählen, die wir in Blinder dann nutzen, ist der Aufwand, die App auch in andere Städte zu bringen, natürlich größer.“

Während man sich vorerst nur auf Wien konzentriert, träumt man bei Blinder aber sehr wohl auch von der Expansion in weitere Städte Österreichs.

Fokus Datenschutz

Die Liebe zum Detail ist in der App an einigen Ecken ersichtlich. Das aufgeräumte Design macht die Navigation sehr unkompliziert. Verschachtelte Untermenüs oder überladene Screens treffen wir hier nicht an. Selbst kleine Easter Eggs sind in der App versteckt. Nicht nur beim Design hat man sich aber Mühe gegeben, auch der Datenschutz stand bei Blinder im Fokus.

„Das Thema Datenschutz war auch ein bisschen eine Herzensangelegenheit.“ Laut Caspari werden persönliche Daten vollständig verschlüsselt, auch das Verifizierungsbild wird mit End-to-End-Verschlüsselung übertragen. Bis auf Google Analytics, das momentan aus technischen Gründen genutzt wird, möchte man auch komplett auf Tracker verzichten.

„Blinder ist ein kleines Kind, ein kleines Projekt, in das wir in den letzten drei Jahren unsere Arbeit gesteckt haben. Wir haben hier bei allen Facetten versucht, unser Bestes zu geben und hoffen, damit eine neue Erfahrung im Bereich der Dating-Apps zu bringen.“

Blinder ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

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