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Apps
03/22/2020

Die besten Videochat-Apps für iOS und Android

Mit Videochat-Apps kann man der Corona-Krise trotzen und weiter Kontakt zu Familie, Freunden und Kollegen halten.

von Amir Farouk

Der Aufruf zur Vermeidung von sozialen Kontakten macht das Smartphone wichtiger denn je. Schließlich will man sich gerade in Krisenzeiten mit Freunden, Familie und Kollegen austauschen.

Deshalb feiert derzeit die Sprachtelefonie ein Comeback. Sowohl A1 als auch Magenta berichten von einer überproportionalen Zunahme der Telefonie. Hochkonjuktur haben zudem Videochat-Apps - schließlich kann man so dem Gegenüber in die Augen schauen, ohne Coronavirus-Ansteckungsgefahr. Wir haben für euch die besten Apps für Videochats zusammengestellt.

Skype

Die Chat-Applikation Skype gehört zu den bekanntesten ihrer Art. 2003 erschienen, kann der Service als Urgestein in der Branche bezeichnet werden. Die Möglichkeit, kostenlos mit Menschen rund um die Welt Sprach- und Videotelefonate sowie Chats durchführen zu können, führte damals schnell zu einer starken Verbreitung.

Seit 2011 befindet sich Skype im Besitz von Microsoft und wird laufend weiterentwickelt. Skype bietet auf fast allen wichtigen Plattformen native Apps an. Immer wieder werden diese aber vor allem für ihre Akku-Belastung kritisiert. Das plattformübergreifend einheitliche Design und Bedienkonzept macht den Einsatz besonders einfach. Zur Nutzung ist nicht mehr als ein Microsoft-Konto notwendig.

Skype beschränkt sich bei seinem Angebot nicht nur auf Einzelgespräche. Bei Videotelefonaten sind unter anderem bis zu 25 Teilnehmer möglich. Sollten unsere Gesprächspartner einmal nicht online erreichbar sein, können Festnetz- und Handynummern über die Anwendung angerufen werden. Die Gebühren dafür variieren je nach Destination.

In Sachen Sicherheit ist Skype nicht unumstritten. Zwar werden Gespräche verschlüsselt, Sicherheitslücken und aufgedeckte Aktionen von Geheimdiensten lassen aber erhebliche Zweifel an der Verschlüsselung zu. So wurde etwa im Zuge der Enthüllungen von Edward Snowden bekannt, dass Microsoft amerikanischen Geheimdiensten direkten Zugriff auf Gespräche gewährte.

Skype ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

WhatsApp

Im Bereich Text-Messaging ist WhatsApp die unumstrittene Nummer eins. Dass die Anwendung noch mehr als nur den Austausch von Nachrichten beherrscht, ist vielen nicht bewusst. 2009 gegründet und 5 Jahre später in den Besitz von Facebook übergegangen, ist die Chat-App mit dem grünen Logo jedem Smartphone-Besitzer ein Begriff.

Nutzer der kostenlosen Anwendung müssen sich mit ihrer Handynummer bei dem Dienst registrieren. Nach einer Verifizierung via SMS-Code ist der Account aktiv. Während WhatsApp auf einigen Plattformen verfügbar ist, lässt das App-Angebot zu Wünschen übrig.

Besitzer eines Android- oder iOS-Smartphones können die Chat-App in den allermeisten Fällen ganz normal benutzen. Schwieriger wird es, wenn ohne Smartphone gechattet werden soll. iPad-Besitzer haben keine Möglichkeit WhatsApp nativ zu installieren. Und auch mit einem Android-Tablet lässt sich WhatsApp nicht immer nutzen. Auf PC und Mac gibt es eine Web-Anwendung, die aber mit dem Smartphone gekoppelt werden muss und nicht alleine agieren kann. In dieser sind keine Sprach- oder Videoanrufe möglich.

Auf dem Smartphone selbst lassen sich Videoanrufe dafür im Handumdrehen starten. Einmal im Chat-Fenster des gewünschten Kontaktes, kann über das Kamera-Symbol im rechten oberen Eck losgelegt werden. Der Verbindungsaufbau ist dabei selbst bei schlechter Verbindung beinahe ohne Verzögerung. Die Qualität der Videotelefonate hängt stark von der Bandbreite ab und schwankt teils massiv. Zwar sind auch bei langsamen Leistungen Videochats möglich, mehr als ein Pixel-Brei kommt aber in den meisten Fällen dann nicht zustande.

Videoanrufe via WhatsApp sind End-to-End verschlüsselt. Während die Verschlüsselung, die in Zusammenarbeit mit Open Whisper Systems implementiert wurde, an sich als stark betrachtet wird, gibt es seitens Sicherheitsforschern zumindest Zweifel, wie lückenlos diese ist.

WhatsApp ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

Signal

2010 als TextSecure geboren, hat der Messenger Signal in Sachen Popularität noch Luft nach oben. Unter dem Dach von Open Whisper Systems entwickelten der Sicherheitsforscher Moxie Marlinspike und der Robotiker Stuart Andersen das System hinter der App weiter. Nach dem Aufkauf durch Twitter und einer späteren Veröffentlichung als freie Software wurde schließlich im Juli 2014 Signal daraus.

Die App zeichnet sich vor allem durch ihre Datensparsamkeit und die von vielen Experten gelobte Verschlüsselung aus. Sowohl Server- als auch Client-Code sind frei über GitHub einsehbar und können somit von jedermann begutachtet und bearbeitet werden. Während die App in Design und Funktion anfänglich eher zurück lag, wurden über die Jahre fast alle Features geliefert, die beispielsweise auch WhatsApp beherrscht.

Verfügbar ist Signal, ähnlich wie WhatsApp, hauptsächlich für Smartphones. Web-Anwendungen für macOS, Windows und Linux setzen den Betrieb via Smartphone voraus. Auch Signal setzt auf eine Registrierung via Handynummer. Diese wird dabei gehasht und erst dann an den Server übertragen. Auch Kontakte, die dann zum Finden von Freunden und Bekannten genutzt werden, werden als Hashes hinterlegt und nicht im Klartext gespeichert.

Um Sprach- oder Videoanrufe zu starten, müssen wir in das Chatfenster des gewünschten Kontaktes wechseln. Dort kann über das entsprechende Symbol im oberen rechten Eck telefoniert werden. Auch Audio- bzw. Videoanrufe sind bei Signal verschlüsselt. Die Bildqualität schwankt gerne mal, der unansehnliche Pixel-Brei kommt aber nur bei extrem niedrigen Übertragungsraten zum Vorschein.

Der größte Nachteil von Signal ist die Verbreitung. Zwar ist der Messenger deutlich bekannter als früher. Mit WhatsApp oder gar Telegram kann Signal aber nicht mithalten.

Signal ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

FaceTime

Für Apple-Nutzer ist im Bereich Videotelefonie meistens FaceTime die erste Anlaufstelle. Der von Apple geschaffene Dienst ist direkt ins System integriert und lässt sich somit ohne größeren Aufwand einsetzen. Um den Service zu nutzen, muss FaceTime einmalig in den Einstellungen aktiviert werden. Außerdem müssen unsere Gesprächspartner ein Apple-Gerät besitzen. Das Telefonieren ist dann mit iOS, iPadOS bzw. macOS möglich.

Durch die nahtlose Integration ins Betriebssystem lassen sich Anrufe ohne sonstigen Aufwand tätigen. Haben wir unser Gegenüber bereits in den Kontakten, wird in dessen Eintrag ein eigener Button für FaceTime-Audio bzw. -Video eingeblendet. Durch einfaches Tippen kann sofort die Verbindung hergestellt werden.

Bei stabilen Datenraten ist das Bild relativ klar, wenn auch oft etwas verwaschen. Die Gesprächsqualität ist aber in den meisten Fällen äußerst klar. Seit iOS 12 ist es möglich, je nach Gerät mit bis zu 32 Personen gleichzeitig zu telefonieren. Abhängig von der Geräte-Generation gibt es hier jedoch vor allem im Videobereich Beschränkungen.

Laut Apple wird sämtliche Kommunikation End-to-End verschlüsselt und kann während der Übertragung nicht ausgelesen werden. Da der Source Code nicht öffentlich einsehbar ist, lässt sich die Verschlüsselung aber nur sehr schwer von Dritten überprüfen.

FaceTime ist kostenlos für iOS verfügbar.

Google Duo

Was FaceTime für Apple ist, ist Google Duo für Google. Im Mai 2016 vorgestellt, ist Duo eine von mehreren Chat-Apps, die im Laufe der Jahre bei Google erschienen sind. Im Gegensatz zu anderen Apps des Suchgiganten wird hier kein Google-Account vorausgesetzt. Stattdessen können wir uns ganz einfach über die Telefonnummer identifizieren bzw. registrieren.

Gegenüber den vielen Messengern am Markt ist Duo voll und ganz auf Sprach- und Videotelefonie ausgelegt. Unsere Kontakte werden übersichtlich im Dashboard angezeigt. Nach Belieben können wir von dort direkt einen Anruf mit oder ohne Videoübertragung starten.

Während Duo grundsätzlich nicht mit vielen Features ausgestattet ist, die sich von der Konkurrenz unterschieden, ist zumindest „Kuck Kuck“ (im englischen Knock Knock) ein kleines Gimmick. Sobald wir angerufen werden, können wir bereits das Video unseres Gesprächspartners ansehen, ohne den Anruf überhaupt anzunehmen. Außerdem kann Google Duo im Gegensatz zu FaceTime plattformübergreifend genutzt werden. iOS- und Android-Nutzer können also ohne Probleme miteinander sprechen.

Neben Videokonferenzen mit bis zu 8 Teilnehmern bietet die App außerdem einen Anrufbeantworter an, der Nachrichten zum späteren Abruf speichert. Laut Google wird bei Duo auf End-to-End-Verschlüsselung gesetzt.

Google Duo ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.