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Apps
03/17/2019

Sprachen lernen einmal anders: Mit Tandem-Apps zum Sprachtalent

Wer eine neue Sprache lernen möchte, greift gerne zu Apps. Es müssen aber nicht immer Babbel und Co sein. Mit Tandem-Apps wird Sprachtraining zur Unterhaltung.

Das Smartphone als ständiger Alltagsbegleiter erfüllt heutzutage eine Vielzahl von Zwecken. Während es für die meisten vor allem Unterhaltungselektronik ist, die zur Bespaßung und Kommunikation mit anderen dient, lässt es sich selbstverständlich auch produktiv nutzen. In der Kategorie Bildung sind Apps zum Erlernen neuer Sprachen großteils auf den ersten Plätzen. Duolingo, Babbel und Co. ermöglichen mit einfachen Lernkonzepten einen mühelosen Einstieg in Sprachen von Englisch bis hin zu Mandarin.

Während ein paar Anbieter ihre Apps sogar kostenlos anbieten, sind die meisten nur im Abonnement erhältlich. Durch die recht ähnlichen Angebote entscheiden sich viele dann oft nur wegen der Sprachauswahl für einen Anbieter. Glücklicherweise gibt es aber mittlerweile auch einige Apps, die ein anderes Konzept abseits von Bilderrätseln und Wortbausteinen verfolgen. Vor allem Tandem-Lernen erfreut sich großer Beliebtheit.

HelloTalk

Mit HelloTalk begeben wir uns auf eine Sprachreise, ohne einen Meter zu gehen, zu fahren oder zu fliegen. Die Sprachlern-Gemeinschaft, die für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet ist, verbindet lernwillige Menschen auf der ganzen Welt. Die App versteht sich dabei als Lernplattform genauso wie als soziales Netzwerk. Was das Sprachangebot betrifft, können Babbel und Konsorten auf den ersten Blick nicht wirklich mithalten. Über 100 Sprachen können theoretisch bei HelloTalk ausgewählt werden.

Sobald wir eine Sprache gewählt haben, die wir lernen möchten, begibt sich HelloTalk auf die Suche. Über die App werden dann reihenweise Nutzer rund um die Welt gesucht, die unsere gewünschte Sprache als Muttersprache beherrschen. Die jeweiligen Gegenüber agieren dann als eine Art Lehrer, mit denen wir uns unterhalten und gleichzeitig etwas Neues über andere Länder lernen können.

Kommuniziert wird über Text oder gesprochenes Wort, so wie es zum Beispiel bei Skype der Fall ist. Auch Gruppenchats mit mehreren Teilnehmern sind möglich. Der Austausch in HelloTalk besteht aber nicht nur aus stumpfem Hin- und Herschreiben. Stattdessen haben Gesprächspartner die Möglichkeit etwa Grammatik, Aussprache oder Syntax zu korrigieren. Die Verständigung selbst klappt dabei gleich auf mehrere Arten. HelloTalk bietet neben Übersetzungen auch Transliterationen, Voice to Text und Text to Voice an.

Unser Gesprächspartner kann also in seiner Muttersprache sprechen und schreiben, während wir mehrere Möglichkeiten haben, uns die Inhalte übersetzen zu lassen, sollten wir einmal etwas nicht verstehen. Die Interaktionen können dauern, da Antworten teilweise recht lange auf sich warten lassen. Ein Umstand, der aber nicht unbedingt von Nachteil sein muss.

HelloTalk ist kostenlos für iOS und Android erhältlich. Die Premium-Versionen kosten zwischen 2,29 Euro und 4,99 Euro im Monat

HiNative

Ein etwas anderes Tandem-Konzept verfolgt die App HiNative. Die Anwendung ist vor allem als Frage-und-Antwort-Plattform zu verstehen. Über 120 Sprachen werden unterstützt, die von Natives rund um die Welt betreut werden. Der gesamte Lernprozess findet fast ausschließlich über Fragen statt, die wir an andere Nutzer stellen können. HiNative stellt dazu vorgefertigte Frageformate zur Verfügung, die es ermöglichen, eine Frage schnell zu formulieren und gleichzeitig Muttersprachlern die Zuordnung erleichtern.

Eine klassische Anfrage ist beispielsweise „Wie sagt man…?“ oder „Klingt das natürlich?“. Im Falle der zweiten Frage startet HiNative dann einen Audio-Recorder und zeichnet unsere Worte oder betreffende Sätze auf, um sie anderen Nutzern zum Anhören zur Verfügung zu stellen. Das Interface ist dabei relativ einfach gestaltet, um möglichst wenig Ablenkungen zu bieten. Planen wir beispielsweise eine Reise, können wir uns auch abseits des Lernens mit anderen Usern unterhalten, um etwa Antworten zum Reiseziel zu erhalten.

HiNative ist kostenlos für iOS und Android erhältlich. Die Premium-Version kostet 9,99 Euro im Monat.

Tandem

Auch Tandem, wie der Name bereits vermuten lässt, bietet die Möglichkeit des Tandem-Lernens verschiedener Sprachen an. Die App versteht sich dabei aber mehr als soziales Netzwerk. Mit twitterähnlichen Funktionen wie etwa Following und Profilen, kommt die App dem beliebten Netzwerk relativ nahe. Das eigene Profil kann mit Infos und Bildern ausgestattet werden. Personen, mit denen man sich unterhalten möchte, kann gefolgt werden. Hat man sich mit einer Person länger unterhalten, kann eine Bewertung hinterlassen werden.

Andere Nutzer können über unsere Profile auf uns aufmerksam werden und so mit uns in Kontakt treten. Möchten wir die Zielgruppe für unser Profil einschränken, können verschiedene Charakteristiken als Filter eingesetzt werden. So lässt sich das Zielpublikum nach Geschlecht oder Alter eingrenzen. Im Profil können unter anderem Interessen und Themen eingetragen werden, über die wir uns gerne unterhalten möchten. Um Tandem nicht zur Flirt-App mutieren zu lassen, erinnert der Anbieter explizit daran, dass die App kein Tinder ist.

Sollte doch einmal jemand mit einem unerwünschten Flirt um die Ecke kommen, gibt es selbstverständlich auch eine Blockierfunktion. Laut Entwicklern befinden sich mittlerweile über fünf Million Mitglieder auf der Plattform. Es soll möglich sein, in über 2500 verschiedenen Kombinationen knapp 150 Sprachen lernen zu können. Selbst Gebärdensprache ist über Tandem verfügbar.

Tandem ist kostenlos für iOS und Android erhältlich. Die Pro-Version ist für 6,99 Euro im Monat erhältlich.

Bilingua

Bilingua setzt ähnlich wie HelloTalk großteils auf „Messenger-Learning“. Zusätzlich wurden aber noch einige Features implementiert, die Spaß machen und die Konversation fördern sollen und auch beim Offline-Lernen unterstützen. Die App befragt uns zu Beginn, um mehr über unsere Persönlichkeit und unsere Interessen zu erfahren. Über die gesammelten Daten sollen uns dann möglichst Gesprächspartner zugeteilt werden, die unsere Interessen teilen.

Der Smart-Chat versucht außerdem, Unterhaltungen mit eigenen Themen und Fragen zu fördern. Unterstützend zum eigentlichen Tandem-Training bietet Bilingua auch Vokabellisten an, die beim Erweitern des Wortschatzes helfen sollen. Ein eigener Newsfeed in der gewünschten Sprache sowie Statistiken zum eigenen Fortschritt sollen in Zukunft noch mehr Support beim Lernen liefern.

Bilingua ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

Fazit

Wer eine neue Sprache lernen oder Sprachkenntnisse auffrischen möchte, muss nicht unbedingt auf Babbel, Duolingo und Co. setzen. Tandem-Apps wie HelloTalk ermöglichen es, sich mit echten Personen auszutauschen und dabei an Wortschatz, Grammatik und Syntax zu feilen.