Marcus Grausam

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B2B
12/31/2019

A1-Chef: Schon mehr vernetzte Geräte als Menschen

Wie A1 Unternehmen bei der Digitalisierung und dem Internet der Dinge unterstützen will.

Marcus Grausam ist CEO von A1 Österreich. Davor war er als Technikvorstand für Weichenstellungen neuer Technologien wie 5G zuständig. Im futurezone-Interview spricht er über die Chancen des Internet der Dinge für Unternehmen.

futurezone: A1 bietet eigene Produkte rund das Internet der Dinge (IoT) an. Wer ist die Zielgruppe dafür?
Marcus Grausam: Mit Gadgets wie Fitness-Tracker, Smart Home und Smart-Watch sind es jede Österreicherin und jeder Österreicher. Unsere Zielgruppe sind aber auch alle Unternehmen. Im Geschäftskundenbereich beschäftigt sich mittlerweile jedes Unternehmen mit Digitalisierung. Laut einer Studie hat bereits die Hälfte damit begonnen, erste Projekte umzusetzen. 5G und IoT sind die Basis für die Digitalisierung.

Wie groß ist die Nachfrage?
Wir haben in den letzten Jahren bereits rund 500 IoT-Projekte realisiert, stehen aber erst am Beginn dieser Reise. In der Vergangenheit haben wir Menschen mit Menschen verbunden. Das ist uns, glaube ich, sehr gut gelungen. Jetzt werden wir zusätzlich Maschinen mit Maschinen verbinden. Im Jahr 2017 gab es erstmals mehr Connected Devices in Österreich als Menschen – nämlich über acht Millionen. Im Jahr 2020 geht man davon aus, dass in Österreich 20 Millionen Dinge mit dem Internet verbunden sein werden. Da sieht man eine exponentielle Wachstumskurve, die Nachfrage steigt stetig.

Wo sehen Sie das größte Potential im Geschäftskundenbereich?
Das geht quer durch alle Unternehmen und Branchen. In der Energiewirtschaft gibt es mit Smart Metern ein IoT-Gerät, das auch für Endkonsumenten viele Vorteile mit sich bringt. Auch der Logistik-Bereich ist eine riesengroße Branche, die auf IoT setzt. Hier kann man Mistkübel mit Sensoren ausstatten, damit die Routen besser geplant werden können. Potential sehe ich auch bei allem, das mit Smart Cities zu tun hat. Damit lassen sich Abläufe in Städten optimieren, damit Städte schonender mit Ressourcen umgehen.

Gibt es hier Vorzeigebeispiele?
Wir haben da mehrere Tests in diversen Städten und unterschiedlichen Bereichen. In Graz haben wir einen Versuch, bei dem Fahrzeuge der Grazer Verkehrsbetriebe mit Sensoren zur Luftgüte ausgestattet worden sind, um Echtzeitdaten zu generieren. In einem nächsten Schritt wird man dort beginnen, Verkehrsmaßnahmen zu treffen, um basierend auf diesen Daten die Feinstaubbelastung zu senken. In Villach optimieren wir hingegen den Parkraum und leiten den Verkehr zu freien Parkplätzen um. Dann haben wir ein Projekt mit der ÖBB. Dabei werden Güterwagons mit Sensoren ausgestattet, um immer den genauen Zustand und Standort zu kennen.

Wie kommen diese Ideen zustande?
Wir haben Digitalisierungsworkshops und versuchen darin gemeinsam mit Kunden und Partnern die Herausforderungen zu lösen.

Sehen Sie A1 als reinen Technologieprovider oder als Kopf der Lösungen?
Wir wollen bei den Kunden einen Mehrwert stiften. Wenn wir über Digitalisierung sprechen, vermitteln wir oft den Eindruck, dass alles einfacher wird. Für Kunden soll es das auch werden. Aber die Implementierung einer IoT-Lösung ist meistens relativ komplex, das kann in den seltensten Fällen einer alleine. Es braucht dabei den Kunden, der sein Problem gut beschreibt und dann braucht es eine Partnerlandschaft. Wir sind zwar keine Sensorspezialisten, aber was wir gut können, ist, Herausforderungen in eine technische Sprache zu übersetzen und die richtigen Partner an Bord zu holen. In unserem IoT Lab lassen sich dann Prototypen entwickeln.

Was genau passiert im A1 Digital IoT Lab?
Wir stellen dort Technologie zur Verfügung. So haben wir im IoT Lab ein 5G Netz und unterschiedliche IoT-Komponenten, mit denen sich Tests in Echtzeit durchführen lassen. Hersteller von Sensoren können etwa Lösungen und Anwendungen in einem echten Netz testen. Je nach Aufgabenstellung stellen wir von A1 Experten zur Verfügung, die Unternehmen unterstützen. Wir hoffen, dass sich aus Prototypen dann Produkte entwickeln.

Wenn ein Unternehmen IoT einsetzen möchte: Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsrezepte dafür?
Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man einmal beginnt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine Strategie zu entwickeln. Man sollte sich sehr gut überlegen, welche Herausforderungen man lösen will und dann einen Partner dafür wählen.

Braucht es dafür Standards?
Teile im IoT-Bereich sind bereits hochstandardisiert, wie etwa das 5G-Netz und die IoT-Fähigkeit des Netzes. Am Ende braucht es eine sehr modulare Welt, um eine Lösung zu bauen, die für individuelle Ansprüche funktioniert. Eine Lösung von der Stange stelle ich mir sehr schwierig vor. Jedes Unternehmen steht vor anderen Herausforderungen, selbst wenn es in der gleichen Branche tätig ist. Man will sich von Mitbewerbern differenzieren und sich einen Vorteil verschaffen. Dazu ist es wichtig, eine Lösung zu finden, die genau zu einem passt.

Was haben Sie persönlich von den Digitalisierungsworkshops mitgenommen?
Ich habe viel über andere Branchen gelernt. Man denkt zuerst immer an IT-nahe Branchen, aber andere sind Vorreiter in dem Feld. Im Gesundheitsbereich kommen mittlerweile viele digitale Instrumente zum Einsatz – sei es beim Roten Kreuz oder bei Pflegeheimen.

IoT war in den letzten Jahren bereits ein großes Wachstumsthema. Wie wird es weitergehen mit dem Wachstum?
Jetzt wird die Basis geschaffen mit dem 5G Netz und der IoT-Fähigkeit. Darauf basierend werden unzählige Anwendungen entstehen, die man sich noch gar nicht vorstellen kann.

Haben Sie selbst IoT-Geräte in Verwendung?
Ja, jede Menge. Weil ich immer alles ausprobiere, was es gibt, auch wenn ich manche Dinge nicht lang verwende, wenn sie für mich keinen Sinn stiften. Begonnen von der Smart Watch bis zum Smart Home Produkt oder unsere Connected Car Lösung, wo ich über Smartphone-App sehe, wo mein Auto parkt, habe ich alles in Verwendung. Gadgets verwende ich meistens nur kurz. Technologie muss einen Nutzen stiften und einen Sinn bringen, Sie muss für Menschen etwas einfacher machen, damit die Lösung akzeptiert wird.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und A1.