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B2B
06/06/2019

Internet der Dinge: Die Faszination der vernetzten Mausefalle

Mausefallen, Mistkübel und Maschinen: Alles wird vernetzt. Beim IoT Forum in Wien wurden Anwendungen des Internet of Things erörtert.

Die Lösung ist bestechend einfach, kostet nicht die Welt, erspart aber viel Zeit. Die Rede ist von einer vernetzten Mausefalle. Für Jim Morrish, Experte für das Internet of Things (IoT), ist sie das beste Beispiel, um die Vorteile der Technologie zu veranschaulichen. Früher mussten Mausefallen regelmäßig kontrolliert werden, um zu sehen, ob ein Nager festgesetzt wurde. Bei vielen aufgestellten Fallen auf einem Gelände nimmt das viel Zeit in Anspruch. Heute mache das ein Sensor, sagt Morrish: "Niemand muss die Fallen mehr kontrollieren. Man muss nur noch die Mäuse entfernen. Der Prozess verändert sich grundlegend."

Beim IoT Forum CEE, das am Mittwoch im Wiener Tech Gate stattfand, erörterten Experten, Firmen und Technologieanbieter Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation und des Einsatzes von IoT-Anwendungen in Unternehmen. Die gewinnt langsam aber doch an Fahrt, wie Statistiken zeigen. In zwei Jahren sollen bereits 30 Prozent des IT-Budgets von Firmen in Anwendungen für das internet der Dinge fließen, sagt Morrish. Heute seien es im Vergleich dazu gerade einmal 23 Prozent.

Knackpunkt Vertrauen

Ein Knackpunkt sei die Vertrauenswürdigkeit der Geräte und Netze, sagte Morrish. Die beinhalte Sicherheit, Datenschutz, Resilienz und Verlässlichkeit: "Die Systeme müssen das machen, was man von ihnen erwartet, ohne dabei Schaden anzurichten."

Dass dies nicht immer der Fall sei, würden etwa Beispiele wie die sprechenden Puppe Cayla zeigen, deren Verbindung völlig ungesichert ist und die es Angreifern so ohne großen Aufwand erlaubt, durch die Puppe zu sprechen und im Kinderzimmer mitzuhören. So etwas dürfe nicht passieren, sagte Morrish. Zweifel an der Sicherheit von Anwendungen sei die größte Barriere für die Akzeptanz der Technologie.

5G am Horizont

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Konnektivität. Die kommende Mobilfunkgeneration 5G werde zwar viele neue Anwendungen bringen, mit den heute verfügbaren Netzen könne aber auch schon viel erreicht werden. "5G-Leute reden mehr über IoT als IoT-Leute über 5G."

5G werde vor allem Anwendungen ermöglichen, bei denen eine niedrige Latenzzeit notwendig sei, sagte die bei Magenta für den Bereich zuständige Managerin Maria Zesch. Für viele Usecases gebe es etwa mit der Funktechnologie Narrowband-IoT, die von dem aus dem Zusammenschluss von T-Mobile Austria und UPC hervorgegangenen Unternehmen seit zwei Jahren angeboten wird, bereits eine sehr gute Option.

"Ich bin voll, hol mich ab"

Als Beispiel nannte sie das Entsorgungsunternehmen Saubermacher, das die Funktechnologie für seine smarten Mülltonnen einsetzt, die sich derzeit in ausgewählten Gebieten in Österreich im Testeinsatz befinden. Ein Sensor sorgt dabei dafür, dass die Mülltonnen bei entsprechender Befüllung automatisch eingesammelt werden: Die Tonne signalisiere "Ich bin voll, hol mich ab", sagte Zesch. Die Batterielaufzeit der Sensoren betrage zehn Jahre oder mehr. Mit weiteren Sensoren könne auch die Qualität des Mülls bestimmt werden. Daraus könnten neue Geschäftsmodelle für Kommunen entstehen.

Wenn Unternehmen Vorteile sehen, werden sie investieren, sagte Markus Schreiber, der bei A1 Digital IoT-Lösungen verantwortet. Der heimische Telekomprimus stattet etwa bis Ende 2020 mehr als 13.000 Güterzüge der ÖBB mit Sensoren aus und mischt auch bei der Umstellung auf smarte Stromzähler (Smart Meter) in Österreich kräftig mit. Viele Projekte seien im Laufen, sagte Schreiber. Es sei aber wichtig, auch kleinere Unternehmen von den Vorteilen der Technologie zu überzeugen.

Smart-City-Anwendungen

Beim Internet der Dinge gehe es nicht nur um Konnektivität und Technologie, sondern auch um Zusammenarbeit, sagte Markus Keller, der bei der Deutschen Telekom für den Bereich Smart City zuständig ist. Sein Unternehmen hat im Rahmen eines Executive-Programms Vertreter von Städten, Bürger und Start-ups eingeladen, sich über Smart-City-Anwendungen Gedanken zu machen. 90 Prozent der Städte sehen hohes Potenzial in der Digitalisierung, aber lediglich neun Prozent hätten eine klare Strategie, sagte Keller.

In dem Programm wurden gemeinsam Prototypen und auch Pilotprojekte entwickelt. Umgesetzt wurde dabei etwa eine Art Airbnb für Parkplätze. Über die App Park and Joy können Parkplätze zu Hause, die tagsüber meist leerstehen, vermietet werden. In Deutschland ist die Lösung bereits im Einsatz. Auch ein digitales Netzwerk zur Messung der Luftqualtität und ein vernetzter Biotech-Filter zur Luftreinigung gingen aus dem Programm hervor.

Vernetzte Ampeln in Wien

Auch die Stadt Wien setzt auf das Internet der Dinge. Beim IoT-Forum präsentierte Harald Bekehrti, Abteilungsleiter der Magistratsabteilung 33, gemeinsam mit Günther Tschabuschnig von der Zentralanstalt für Meterologie und Geodynamik (ZAMG) ein gemeinsames IoT-Netzwerk. Bei diesem erfassen Sensoren, die in mehr als tausend Ampeln integriert wurden, Umwelt- und Verkehrsdaten.

"Die Idee war, neue Datenquellen in unsere Modelle zu assimilieren", sagte ZAMG-Technikchef Günther Tschabuschnig. "Die Ampelanlagen fungieren als Gateway, bis zu 100 Sensoren können angeschlossen werden." Die Daten würden direkt ins Rechenzentrum auf der Hohen Warte gespielt, wo mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Big Data beispielsweise Stadtklimamodelle errechnet würden.

Thema bei dem Branchentreff waren aber vor allem Industrieanwendungen. Das Vorarlberger Start-up Crate.io hat für die Verarbeitung von Maschinendaten eine neue Art von Datenbank entwickelt, mit der hunderttausende Daten in Echtzeit verarbeitet werden können. Der Flaschenhersteller Alpla setzt die Lösung ebenso ein wie die Sicherheitsfirma McAfee und das Messtechnikunternehmen Gantner, das damit etwa Vibrationen im Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien und in den Petronas Towers in Kuala Lumpur misst.

Neue Fähigkeiten für alte Maschinen

In den nächsten Jahren werde es vor allem darum gehen, wie alte Anlagen mit den neuen technologischen Möglichkeiten ausgerüstet werden können, sagte Industrie-Experte Morrish. Wie so etwas funktionieren kann, zeigte Lukas Lingitz, der bei Fraunhofer Austria für den Bereich Produktionsplanung und -kontrolle zuständig ist, am Beispiel einer Schneidemaschine.

Durch die Integration eines Sensors könne etwa der Zustand der Klinge gemessen werden. Darauf abgestimmt könnten dann Produktionsabläufe festgelegt und Bestellungen nach der dafür notwendigen Schärfe der Klinge gereiht werden. Mithilfe maschinellen Lernens könne auch der zukünftige Zustand der Klinge prognostiziert werden, sagte Lingitz. "Mit Sensoren, mathematischer Optimierung und künstlicher Intelligenz kann man alte Maschinen ins neue Zeitalter bringen."

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und dem IoT-Forum CE entstanden.