© A1/Renee Del Missier

B2B
07/01/2020

A1-Telekom-Chef: "Sollten grüne Technologien fördern"

Der A1-Konzern will 216.000 Tonnen Co2 bis 2030 einsparen und pro Jahr 50.000 Geräte recyceln, sagt CEO Thomas Arnoldner.

von Martin Stepanek

Die Corona-Krise hat die Klima-Krise vorübergehend in den Hintergrund gedrängt. Die anstehenden Herausforderungen sind dadurch aber nicht kleiner geworden – im Gegenteil. A1-Telekom-Chef Thomas Arnoldner will dennoch am Ziel festhalten, bis 2030 in der A1-Telekom-Gruppe emissionsneutral zu werden. Im Interview fordert er zudem Investitionsprämien für grüne Technologien und Digitalisierungsmaßnahmen, erklärt aber auch, warum die Rettung der AUA die richtige Entscheidung war.

futurezone: Über 380.000 haben das Klimavolksbegehren unterschrieben. Stehen Sie hinter den Forderungen?
Thomas Arnoldner:
Die Stoßrichtung kann ich absolut mittragen. Im Detail müssen wir aber sicherstellen, dass die Bekämpfung der Klimakrise nicht zulasten, sondern zugunsten von Arbeitsplätzen geht. Damit alle Menschen einen Nutzen haben, braucht es Maß und Ziel.  

Das klingt ein bisschen nach: Klimaschutz ist gut, solange es der Wirtschaft nicht wehtut.
Es ist wenig sinnvoll zu glauben, dass Österreich den Klimawandel allein bekämpfen kann. Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Gleichzeitig sehe ich keinen Widerspruch, aktiv in Technologien zu investieren, die uns aus der Klimakrise helfen. Da geht es auch um Rahmenbedingungen, etwa dass grüne Technologien, aber auch die Digitalisierung mit Investitionsprämien gefördert werden sollten.

Sollten Staaten also lieber in Ökotechnologien investieren als Fluglinien retten?
Diese polemische Zuspitzung ist meiner Meinung nach unangebracht. Wir werden auch in Zukunft nicht ohne Flugreisen auskommen, auch wenn vermutlich weniger geflogen wird. Der Wirtschaftsstandort profitiert von Anbindungen zu Destinationen, die es ohne Fluglinie vor Ort so nicht geben würde. Und für Österreich ist es definitiv besser, eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielen zu können, als nur eine Zuschauerrolle einnehmen zu müssen.
 
Inwiefern hilft die angesprochene Digitalisierung in der Klimakrise?
Es steht außer Frage, dass wir die Herausforderungen des Klimawandels ohne Technologie nicht bewältigen können. Videokonferenzen abzuhalten, anstatt mit dem Auto oder Flugzeug zu Geschäftsterminen anzureisen, spart viele Co2-Emissionen. Intelligente Heizungen, die wir von unterwegs bedienen können, senken den Energieverbrauch zu Hause. Aber auch die gesamte E-Mobilität ist ohne Digitalisierung undenkbar – von intelligenten Routenplanern zu Ladestationen bis hin zu selbstfahrenden Elektroautos, die unser Mobilitätsverhalten revolutionieren werden.

Diese Technologien benötigen aber auch viel Energie. Ist das kein Widerspruch?
Die IT- und Kommunikationsindustrie ist bei 6 Prozent globaler Wirtschaftsleistung für 1,4 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. Die Herausforderung ist, dass die Nachfrage nach Services massiv steigt – das Datenvolumen wächst pro Jahr um 50 Prozent. Dass die Emissionen ungeachtet dessen praktisch gleichgeblieben sind bzw. leicht gesenkt werden konnten, zeigt, wie effizient die Branche jetzt schon ist. Indirekte Effekte, wie etwa Co2-Einsparungen durch Homeoffice und andere digitale Lösungen sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Wie will die A1-Telekom-Gruppe bis 2030 -neutral werden?
In Österreich bezieht A1 schon heute 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Wo möglich, wollen wir das auch in den anderen Ländern der A1-Gruppe umsetzen. Wir wollen die Energieeffizienz um 80 Prozent erhöhen – etwa durch intelligente Passiv-Kühlsysteme für unsere Mobilfunkstationen und Rechenzentren. Gleichzeitig reduzieren wir die gefahrenen Kilometer unseres Fuhrparks und wollen 50.000 Altgeräte pro Jahr recyceln.

Für Klimaschutz zu sein, ist im Moment gerade „in“. Was antworten Sie Kritiker, die das als Marketing abtun?
Emissionen zu senken und nachhaltig zu wirtschaften ist seit Jahren Teil unserer Strategie. Denn neben der gesellschaftlichen Verantwortung haben wir auch ein ökonomisches Interesse daran, unseren Energieverbrauch zu senken. Gleichzeitig ist es definitiv nicht so, dass wir uns im Kampf gegen die Klimakrise bequem zurücklehnen. Um auf erneuerbare Energie umzusteigen und Systeme zu modernisieren und energieschonender zu machen, nehmen wir viel Geld in die Hand.

Um Greta Thunberg und Fridays for Future ist es Corona-bedingt etwas ruhiger geworden. Wie sehen Sie die Bewegung?
Man kann darüber streiten, ob es gescheit ist, während oder nach der Schulzeit auf die Straße zu gehen und ob jede Forderung sinnvoll ist. Was mich aber wirklich berührt, ist, dass junge Menschen sich so intensiv mit der Welt auseinandersetzen und ihre Zukunft gestalten wollen. Wir können stolz auf deren Engagement im Kampf gegen die Klimakrise sein – und das sage ich nicht nur als Vater zweier kleiner Kinder.