B2B
06.04.2018

ABB steckt 100 Millionen in Forschungszentrum in Oberösterreich

Der Schweizer Technologiekonzern baut seinen Standort in Eggelsberg aus und kündigt 1000 neue Arbeitsplätze an.

Vor einem Jahr hat der Technologiekonzern ABB den oberösterreichischen Anlagenbauer Bernecker + Rainer übernommen. Jetzt soll die ehemalige Zentrale des Unternehmens zu einem Forschungszentrum ausgebaut werden. Dafür will ABB 100 Millionen Euro in den Standort investieren. Im neuen Forschungs- und Bildungscampus sollen rund 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wie ABB bei einer Pressekonferenz in Linz mitgeteilt hat. "Wir wollen Eggelsberg zu einem globalen Zentrum für Maschinen- und Fabriksinnovation machen. Wir werden Familien ansiedeln, um junge Digitalfüchse mit alten Industriehasen zusammenzubringen. Bernecker und Rainer ist eine Perle im Portfolio von ABB", sagt ABB-CEO Ulrich Spiesshofer.

Der Forschungsschwerpunkt wird im Bereich Industrie 4.0 liegen. Auf 35.000 Quadratmetern werden die Mitarbeiter Maschinen, Vernetzungstechnik und Anlagen entwickeln, die in Zukunft eine vollautomatisierte Produktion in vielen Industriezweigen ermöglichen sollen. Der Markt für derartige Industrieautomatisierung wird auf 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. "In der Fabrik der Zukunft werden auf unseren Systemen basierende, smarte und Cloud-vernetzte Maschinen und Roboter ebenso smarte Produkte weitgehend autonom herstellen. Und - so viel vorweg: Das wird keine Jobs vernichten, sondern - ganz im Gegenteil - neue schaffen", sagt Spiesshofer. Neben den Forschungseinrichtungen sollen in einer „Automation Academy“, die ebenfalls neu geschaffen wird, Kunden, Partner und Mitarbeiter an den neuen Systemen geschult werden.

Eröffnung 2020

Die Bauarbeiten sollen noch heuer beginnen, die Inbetriebnahme des Forschungszentrums ist für das Jahr 2020 vorgesehen. Der Standort in Österreich wird dann eines der größten „Research and Development“-Zentren von ABB sein. Mit der Investition will ABB, der zweitgrößte Anbieter von Industrieautomatisierungslösungen auf der Welt, seine Marktposition weiter verbessern. Dem Bereich wird in den kommenden Jahren großes Wachstum vorausgesagt. ABB investiert jährlich etwa 1,4 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.

Bernecker + Rainer, ehemals der größte unabhängige Anbieter von Industrieautomatisierungslösungen, ist seit der Übernahme 2017 in die ABB-Sparte „Industrial Automation“ eingegliedert worden. „Heute ist ein großer Tag für B+R. Die reibungslose Integration zeigt, dass sich das von Erwin Bernecker und mir vor 39 Jahren gegründete Unternehmen in guten Händen befindet. Ich freue mich, dass ABB mit dieser historischen Investition unsere Erfolgsgeschichte fortsetzen und weiter festigen wird“, sagt Josef Rainer, einer der Gründer von B+R. Laut ABB erlaubt die Integration von B+R dem Konzern, als einziger Anbieter alle Bereiche der Industrieautomatisierung abzudecken, vom Messen und Steuern über Antriebe und Robotik bis zur Digitalisierung und Elektrifizierung.

v.l.n.r.: Hans Wimmer (ABB), Ulrich Spiesshofer (ABB CEO), Sebastian Kurz, LH Thomas Stelzer, Peter Terwiesch (ABB) und LH-Stv. Michael Strugl

Bildungsstandort

B + R ist unter dem Dach von ABB hervorragend gestartet und übertrifft unsere Erwartungen. Wir sind auf gutem Weg unser Umsatzziel von einer Milliarde US-Dollar schon bald zu erreichen. Mit unserer 100-Millionen-Euro-Investition stärken wir diese Dynamik und die Eckpfeiler der B + R Erfolgsgeschichte: Innovation und Mitarbeiter“, sagt Spiesshofer bei der Pressekonferenz in Linz, an der auch Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer und Bundeskanzler Sebastian Kurz teilnahmen. Sie würden die Schweizer Investition gerne als den Startschuss für eine digitale Standortoffensive sehen. Steuererleichterung gebe es für ABB keine, dafür eine Abstimmung in den Bereichen Infrastruktur und Bildung.

Besonders hervorgehoben wurde bei der Präsentation des Projekts die Rolle der oberösterreichischen Ausbildungsstätten. Sowohl mit der Fachhochschule Oberösterreich als auch mit der Johannes Kepler Universität will ABB zusammenarbeiten, um die 1000 neuen Jobs für hochqualifizierte Mitarbeiter zu besetzen. "Die Region soll eine Art Silicon Valley der Industrieautomation werden", sagt Spiesshofer.