B2B
02.03.2018

iPhones und Macs könnten wegen US-Strafzöllen teurer werden

Die US-Strafzölle auf importierten Stahl und Aluminium könnte auch Apple und andere Technologie-Hersteller treffen.

Nach der Ankündigung von Strafzöllen auf Importe von Stahl und Aluminium durch US-Präsident Donald Trump wächst die Sorge vor einem Handelskrieg. Wie der Präsident am Donnerstag mitteilte, sollen die Zölle für Stahl bei 25 Prozent und für Aluminium bei zehn Prozent liegen. Die EU kündigte eine "entschlossene" Reaktion an, Kanada nannte Strafzölle "inakzeptabel". Die US-Börse ging auf Talfahrt.

Nun äußern auch auf die Technologie-Branche spezialisierte Analysten Bedenken. Aluminium und Stahl sind ein essenzieller Bestandteil vieler Apple-Produkte, wie dem iPhone, der Apple Watch sowie den Macs, weswegen auch die Preise dieser Produkte als Folge der Strafzölle steigen könnten. Hierbei hänge es davon ab, ob die US-Regierung die Strafzölle lediglich gegen den Import der Rohmaterialien verhängt oder ob diese auch bei im Ausland gefertigten Produkten schlagend werden. Derzeit produziert Apple nur den Mac Pro in den USA, die restlichen Produkte werden zum Großteil in Asien gefertigt.

0,2 Prozent teurer

Bei Strafzöllen auf im Ausland verarbeitete Materialien würden Apples Kosten in der Produktion um bis zu 0,2 Prozent ansteigen, wie US-Analyst Gene Munster von Loup Ventures errechnet hat. Es ist unklar, ob Apple diese Kosten an den Konsumenten weitergeben oder die Preise auf dem gleichen Niveau wie zuvor halten wird. „Ich glaube nicht, dass sich die Preise erhöhen werden“, sagt Jun Zhang, ein Analyst von Rosenblatt Securities. „Es wird lediglich die Handelskriege zwischen den USA und China befeuern, aber es wird kaum Auswirkungen auf die Produkte selbst haben.“

An der US-Börse fiel der Leitindex Dow nach Trumps Ankündigung um 2,3 Prozent - aus Sorge vor einer höheren Inflation wegen Strafzöllen und möglichen Vergeltungsmaßnahmen von Handelspartnern. Er schloss bei 24.610 Punkten mit 1,7 Prozent im Minus. Zu den Verlierern gehörten exportorientierte Unternehmen wie Boeing und General Motors sowie Technologiekonzerne wie Apple und Cisco Systems. Zu den Gewinnern gehörten die Firmen Century Aluminium und US Steel.

Harte Kritik an Maßnahme

Bei einem Treffen mit US-Branchenvertretern sagte Trump, er wolle die Strafzölle kommende Woche verhängen. Sie sollten für eine lange Zeit gelten. Er nannte es "schändlich", dass die heimische Branche über Jahrzehnte hinweg durch die ausländische Konkurrenz beschädigt worden sei. Durch die Schutzzölle könnten die US-Unternehmen deutlich wachsen und neue Jobs schaffen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte daraufhin, die Europäische Union werde entsprechend reagieren, "um ihre Interessen zu verteidigen". Die Kommission werde in den kommenden Tagen einen Vorschlag für Gegenmaßnahmen vorlegen. Diese sollten im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) stehen. Eine scharfe Reaktion kam auch aus Kanada: Handelsminister Francois-Philippe Champagne nannte mögliche US-Strafzölle für Stahl oder Aluminium aus Kanada "inakzeptabel". Außenministerin Chrystia Freeland betonte, Kanada kaufe mehr Stahl aus den USA als jedes andere Land der Welt.

Voestalpine bleibt gelassen

Trump sprach am Donnerstag auch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, verlautete man aus dem Weißen Haus. Außerdem seien "aufrichtige und konstruktive" Gespräche mit dem Wirtschaftsberater des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, Liu He, geführt worden. Die US-Seite, angeführt von Finanzminister Steven Mnuchin, habe dabei die Bedeutung von "fairen und wechselseitigen Handelsbeziehungen" unterstrichen.Weitere Einzelheiten zu den Strafzöllen hatte Trump zwar noch nicht genannt.

Damit blieb unklar, ob es eventuell Ausnahmen für Importe aus bestimmten Ländern geben könnte. Allerdings schienen die Äußerungen des Präsidenten darauf hinzudeuten, dass die Strafzölle pauschal für alle Importe gelten könnten. Dies würde die europäischen und deutschen Exporteure empfindlich treffen.

Der wichtigste österreichische Stahlproduzent voestalpine reagierte gelassen. Die voestalpine sei "mit dem Großteil ihrer Aktivitäten von den geplanten Maßnahmen nicht berührt", teilte CEO Wolfgang Eder am Donnerstagabend der APA mit. Voestalpine tätige nämlich etwa zwei Drittel der US-Umsätze von rund 1 Mrd. Euro als lokaler Erzeuger in den USA, wo auch 3.000 einheimische Mitarbeiter beschäftigt werden.

Unabhängig machen

Offiziell begründet die US-Regierung die protektionistischen Maßnahmen mit einem bisher kaum angewendeten Gesetzesartikel, der den Schutz der heimischen Produktion aus nationalen Verteidigungsinteressen vorsieht. Die Argumentation lautet, dass Stahl und Aluminium für das US-Militär und die Infrastruktur von zentraler Bedeutung seien und sich die USA deshalb nicht von der Produktion anderer Länder abhängig machen dürften.