Alf Netek, Marketingchef von Kapsch
Alf Netek, Marketingchef von Kapsch
© Kapsch

Interview

Kapsch: “Wir brauchen mehr unternehmerisches Engagement”

Die österreichische Start-up-Landschaft hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Vor allem im mobilen Bereich konnten sich einige Firmen etablieren, die zum Teil auch den Sprung ins Ausland geschafft haben. Mit dem Pioneers Festival hat Wien inzwischen einen Gründerevent zu bieten, der international mithalten kann. Initiativen wie der heuer gegründete Verein AustrianStartups und das eben vorgelegte Visionenpapier sorgen für eine bessere Vernetzung innerhalb der Szene und sollen auch Brücken zur Politik schlagen.

Mit dem futurezone Award werden daher jedes Jahr auch besonders vielversprechende Start-up-Projekte ausgezeichnet. Kapsch unterstützte den futurezone Award in der Kategorie Start-ups zum wiederholten Mal. Dem Unternehmen ist es ein Anliegen, Neugründungen im Land zu fördern, da man unbedingt Innovationen im Land brauche. Im Interview erklärt Alf Netek, Marketingchef bei Kapsch, warum es solche Auszeichnungen braucht, was in Österreich gut läuft und wo die heimische Start-up-Szene aus seiner Sicht noch Nachholbedarf hat.

Kapsch hat in diesem Jahr bereits zum wiederholten Male den futurezone-Award unterstützt. Warum sind solche Preise aus Ihrer Sicht wichtig für die heimische Start-up-Szene?
Alf Netek: Wir brauchen in unserem Land wieder mehr unternehmerisches Engagement, mehr Risikobereitschaft, mehr wirtschaftliche Vielfalt. Öffentliche Anerkennung für Innovation und Gründermentalität ist ein Motivator zur nachhaltigen Veränderung. Daher unterstützt Kapsch generell Initiativen zur unternehmerischen Eigenverantwortung und ganz speziell den Start-up-Award.

In der österreichischen Start-up-Szene hat sich insbesondere über die vergangenen Jahre einiges getan. Was sind aus Ihrer Sicht die spannendsten Entwicklungen?
Die österreichische Start-up-Szene präsentiert sich gegenwärtig vielfältig, engagiert und professionell. Gute Ideen gab es immer, vielleicht ist heute der Boden für diese Ideen fruchtbarer und das Support-Netz dichter. Denken wir an Crowd Investing oder Gründerwerkstätten – inzwischen existieren einige Multiplikatoren, die Start-ups wirkungsvoll unterstützen.

Wo sehen Sie noch Nachholbedarf?
Die generelle Entwicklungsrichtung stimmt. Meines Erachtens gibt es drei Ansätze zur Wirkungsmultiplikation: Professionelles Marketing, konsequentes Business Development und eine stärkere Vernetzung zwischen „neu“ und „bestehend“.

Was sind die größten Probleme, die man in Österreich als Firmengründer zu bewältigen hat?
Gründen ist immer mit Risiko verbunden. Und Risikobereitschaft ist keine explizite Stärke der österreichischen Kultur.

Man hört hierzulande ja öfter, dass die “Kultur des Scheiterns” fehle und es zu wenig Risikobereitschaft auf Investorenseite gebe. Würden Sie diesen Punkten zustimmen?
Man „hört“ hierzulande leider viel zu vieles. Trotzdem: Risikobereitschaft und die Akzeptanz des Scheiterns sind keine typischen Attribute der österreichischen Kultur, trotzdem bin ich davon überzeugt, dass der konstruktive Umgang mit Fehlern als Instrument des innovativen Lernens inzwischen zumindest auf den To-do-Listen vieler österreichischer Unternehmen steht.

Wie sehen Sie Österreich als Start-up-Land im Vergleich zu anderen Nationen aufgestellt?
Die vielfältigen Bemühungen zeigen Wirkung. Die Rahmenbedingungen sowie die grundlegende Einstellung zu wirtschaftlicher Eigenverantwortung haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Österreich verfügt inzwischen über eine stabile und produktive Start-up-Szene. Aber es bleibt – im internationalen Vergleich – noch genügend zu tun.

Welchen Rat/Tipp würden sie jungen Firmengründern geben?
Sei flexibel und beharrlich. Wobei die Betonung auf dem „und“ liegt.

Was macht für Sie ein vielversprechendes Jungunternehmen aus, in welche Firmen würden Sie investieren?
Herz, Hirn, Seele – in einem guten Verhältnis zueinander und in einem nachhaltigen Wachstumsmarkt. Mein letztes privates Investment war in einen Wohnwaggon.

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Claudia Zettel

ClaudiaZettel

futurezone-Chefredakteurin, Feministin, Musik-Liebhaberin und Katzen-Verehrerin. Im Zweifel für den Zweifel.

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