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N26 erwartet Exodus bei traditionellen Banken

Das in Wien gegründete Fintech, das seit jeher auf Banking am Smartphone setzt, will mit einem neuen Kontomodell etablierten Banken Kunden abwerben. Zwar wird es weiterhin die Option eines Gratis-Konto geben. Durch eine Preissenkung beim günstigsten Premium-Konto auf 4,90 Euro im Monat hofft die Bank, nicht nur viele neue zahlende Kunden zu gewinnen, sondern dass diese ihrer alten Bank den Rücken kehren. 

Strategiewechsel

"Wir wollen definitiv kein Zweitkonto sein, sondern die bestehende Hausbank ersetzen", sagt der für Österreich und Deutschland verantwortliche N26-Chef Georg Hauer im Gespräch mit der futurezone. "Es gibt viele Kunden, die mit Filialen nichts mehr anfangen können, mehr vom digitalen Banking erwarten und von ihrer Bank diesbezüglich nicht gut genug bedient werden. Auf diese User zielen wir ab", erklärt Hauer.

Während der Corona-Krise habe sich abgezeichnet, dass die Nachfrage nach Premium-Konten steige. Mit dem günstigeren Bezahlkonto "N26 Smart" wolle man den Massenmarkt erreichen und vor allem auch ältere Kunden ansprechen. Nicht mehr inkludiert sind diverse Versicherungsleistungen beim Kauf von Produkten und Dienstleistungen über die N26-Karte. Diese sind den teureren Premium-Konten vorbehalten, die in den kommenden Wochen ebenfalls überarbeitet werden.

Telefonischer Support

Die Zusatzfunktionen zum Gratis-Konto sind überschaubar. Das interessanteste Feature ist, dass Premium-Kunden Unterkonten anlegen können, die mit bis zu 10 anderen Nutzern gemeinsam verwaltet werden. Neben smarten Analysetools, die alle Ausgaben des Kontos automatisch kategorisieren und der Wahlmöglichkeit der physischen Karte aus 5 Farben, macht das Fintech auch einen Schritt in Richtung traditionelle Bank: Premium-Kunden können nun am Telefon einen Support-Mitarbeiter erreichen.

PK SMARTPHONE-BANK N26: STALF / HAUER

N26-Gründer Valentin Stalf und DACH-Manager Georg Hauer

Dass der Telefon-Support eine direkte Reaktion auf Kundenbeschwerden sei, welche die Bank im Vorjahr plagten, stellt Hauer in Abrede: "Die Kritik damals war teilweise berechtigt, wir haben aber schnell reagiert." Die Verbesserung des Kundendienstes habe aber gezeigt, wie wichtig Kunden eine schnelle Problemlösung sei und dass dies die Zufriedenheit und Verbundenheit mit der Bank enorm stärke. Mit dem Telefonsupport wolle man zudem ältere Kunden bedienen, die sich damit besser aufgehoben fühlen.

Kredite und Sparkonto

Auch beim Produktportfolio will N26 künftig mehr abdecken, was traditionelle Banken heute schon tun. So ist ein Gratis-Sparkonto geplant, das ohne feste Bindung Zinsen verspricht. Außerdem sollen Kunden künftig Kredite über N26 abschließen können. In entfernterer Zukunft will die digitale Bank sich auch dem Thema Veranlagung widmen. Selbst das Handeln mit Kryptowährungen könnte - etwa über Kooperationen mit Partnern - ein Thema werden, sagt Hauer. 

Dass digitale Banken ein Stück weit an Relevanz verlieren, da auch die traditionellen Banken bei digitalen Services nachziehen, fürchtet der N26-Manager nicht: "Digitales Banking ist mehr als nur eine App zu haben. Das Problem für viele Banken ist, dass deren Serverstruktur teilweise aus den 90er-Jahren stammt und gewisse Services, wie etwa unsere Unterkonten, technisch so gar nicht möglich sind. Wir erwarten daher einen wahren Kunden-Exodus von traditionellen Banken in Richtung digitale Banken."

Wien-Standort soll wachsen

Der im Vorjahr neu eröffnete Wien-Standort im Start-up-Hub weXelerate soll wie geplant auf 300 Mitarbeiter ausgebaut werden. Corona-bedingt und aufgrund der Tatsache, dass N26 Mitarbeiter aus der ganzen Welt lukriert, konnte die Beschäftigungszahl in diesem Jahr nur auf 30 Leute verdoppelt werden - nun werde stark aufgestockt. "Wien ist mit seiner fantastischen Lebensqualität ein attraktiver Standort. Wir wollen dazu beitragen, dass die Stadt bei den Themen Digitalisierung und Technologie globale eine wichtigere Rolle spielt", sagt Hauer zur futurezone.

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Martin Stepanek

martinjan

Als früher „Digital Native“ schon 1984 dem legendären Macintosh 128k seines Vaters ausgesetzt. Erster eigener Computer: Atari 520ST. Gadget-verliebt. Während Journalisten-Verschnaufpausen Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Liebt gute TV-Serien. Und Wien.

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