B2B
21.02.2018

RTR stellt Plan für 5G-Auktion im Herbst vor

Die 5G-Auktion wird weniger Geld als bei LTE einbringen, dafür soll 5G möglichst rasch österreichweit angeboten werden.

Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH hat am Mittwoch ihre Pläne für die Auktion der ersten 5G-Frequenzbänder vorgelegt. Der staatliche Telekom-Regulator sieht Österreich auf der Zielgeraden zur Einführung der nächsten Mobilfunkgeneration. "Unser Ziel ist es, möglichst rasch eine hochqualitative 5G-Versorgung in ganz Österreich sicherzustellen", meint RTR-Geschäftsführer Johannes Gungl bei der Pressekonferenz am Mittwoch.

Riesiges Spektrum

Wie bereits vorab bekannt geworden ist, soll die 5G-Auktion deutlich günstiger als jene für die LTE-Frequenzen im Jahr 2013 ausfallen. Während die RTR von den Mobilfunkern damals eine Mindestgebotssumme von 526 Millionen Euro verlangte, beträgt das Mindestgebot für das volle Frequenzspektrum nun 30 Millionen Euro. Dabei wird ein Spektrum von 390 Megahertz im Frequenzbereich zwischen 3,4 und 3,8 Gigahertz versteigert. Ein so großer Bereich wurde zuvor noch nie versteigert. Aktuell besitzen alle Mobilfunker zusammen ein Spektrum von 590 MHz. Was sich die Privatunternehmen bei der 5G-Auktion ersparen, soll laut RTR in den raschen Netzausbau fließen.

Oktober oder November

Laut Zeitplan soll die dritte und letzte Konsultationsrunde mit den Interessenten an der Versteigerung in Kürze abgeschlossen sein. Nach einer Anhörung vor der Telekom-Control-Kommission (TKK) soll der Bundesminister für Verkehr, Innovationen und Technologie Norbert Hofer im Mai seine Genehmigung erteilen. Vor dem Sommer 2018 soll die Antragsfrist zur Teilnahme an der Auktion beginnen. Die Auktion selbst soll im Herbst, laut RTR wahrscheinlich im Oktober oder November, stattfinden.

Neues Auktionsdesign

Die Auktion selbst wird diesmal nach einem neuen Verfahren ablaufen. Die so genannte einfache Clockauktion ( SCA) soll für die Auktionsteilnehmer einfacher und transparenter als die Combined Clock Auction (CCA) bei der LTE-Frequenzvergabe sein. Bei der Auktion sollen die Bieter zunächst "abstrakte" Blöcke zu jeweils 10 MHz ersteigern. Erst in einem zweiten Schritt will die RTR die ersteigerten Blöcke "wie bei Tetris" auf exakte Frequenzen umlegen.

Regionale Gliederung

Die Komplexität der Auktion steigern wird der Umstand, dass die 5G-Frequenzen regional gegliedert vergeben werden. Die RTR sieht eine Trennung des Staatsgebietes in mehrere Regionen vor. Dabei wird vor allem zwischen urbanen und regionalen Regionen unterschieden. Frequenzen in großen Städten (Landeshauptstädte minus Eisenstadt, plus Wels, Villach) werden mehr kosten als jene am Land. Die RTR will es mit diesem Schritt neben Mobilfunkern Breitbandanbietern und Vorleistungsbetreibern ermöglichen, kostengünstig Dienste am Land anzubieten. Dazu zählt etwa drahtloses Breitband-Internet für Haushalte in entlegenen Gebieten.

Netzausbau-Bedingungen

Den Auktionsteilnehmern wird die RTR mehrere Bedingungen auferlegen. Jeder erfolgreiche Bieter muss eine Basisversorgung von 300 Standorten bundesweit sicherstellen. Wer Frequenzblöcke im Umfang von mehr als 90 MHz ersteigert (das ist laut RTR die Mindestvoraussetzung für ein Mobilfunkangebot), der muss 1000 Standorte österreichweit garantieren. 50 Prozent dieser Standorte müssen bis Mitte 2020 errichtet sein, bis Ende 2021 müssen 100 Prozent der Standortauflagen erfüllt sein. Die ersteigerten Frequenzen werden für 20 Jahre vergeben.

T-Mobile-UPC-Merger als Gefahr

Beim Wettkampf um Frequenzen zwischen Österreichs drei großen Mobilfunkanbietern (A1, T-Mobile und Drei) sieht die RTR ein potenzielles Problem. Die Regulierungsbehörde geht fest davon aus, dass es zu einem Zusammenschluss von T-Mobile und UPC kommen wird. Sie befürchtet, dass es dadurch zu asymmetrischen Verhältnissen am Markt kommt. Genauer gesagt, wird befürchtet, dass einer der Mitbewerber von zwei anderen verdrängt werden könnte. Die RTR schlägt deswegen Mengenbeschränkungen bei den zu erwerbenden Frequenzblöcken vor. Ob es dazu kommen könnte, steht erst nach der dritten und letzten Konsultation mit der Industrie fest.

Sharing von Infrastruktur

Beim Netzausbau für 5G wird allerdings am ehesten eine Annäherung aller Mitbewerber am Markt erwartet. Weil für 5G eine massive Erhöhung der Senderanzahl notwendig wird, soll Infrastruktur mehr als bisher gemeinsam errichtet und betrieben werden. Die RTR will nach der dritten Konsultation ein Positionspapier vorlegen, in der die Behörde stark für das Ermöglichen eines Maximums an "Infrastructure Sharing" eintritt. Bisher wird dies aus wettbewerbsrechtlichen Gründen noch weitgehend verhindert. Die Bundeswettbewerbsbehörde hat in dieser Angelegenheit das letzte Wort. Die RTR will sich darüber hinaus auch dafür einsetzen, dass die öffentliche Hand - etwa als Grundeigentümer - eigene Infrastruktur möglichst günstig für den Netzausbau zur Verfügung stellt.

Weiteres Frequenzband ab 2019

Im Herbst versteigert werden die so genannten Frequenzbänder LTE-Band 43 (3,6 bis 3,8 GHz) und LTE-Band 42 (3,41 bis 3,6 GHz). Während ersteres derzeit unbelegt ist, laufen die Lizenzen für zweiteres Ende 2019 ab. 2019 will die RTR dann zusätzlich Frequenzen im 700 MHz-Band versteigern. Dieses Frequenzband wird derzeit noch vom Fernsehen genutzt und soll dann für 5G umgewidmet werden (Refarming). Für die Vergabe fehlen allerdings noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das Frequenzband wird derzeit nämlich noch von der ORF-Tochter ORS verwendet, welche über 2020 hinaus das Nutzungsrecht besitzt. Die ORS muss demnach für die vorzeitige Vergabe entschädigt werden.