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Felix Jakobsen, Director of Mobility Sharing bei unu, mit dem neuen unu Scooter

© unu

B2B
06/05/2020

Unu: E-Motorroller werden trotz Krise Sharing-Markt erobern

Die Coronakrise durchkreuzte die Pläne des E-Motorroller-Herstellers. Der ist dennoch überzeugt: Sharing-Dienste werden sich durchsetzen.

von David Kotrba

Ein eigenes Fahrzeug zu besitzen, dieser Wunsch ist mit der Corona-Krise bei vielen Menschen wieder stärker geworden. Während Besorgungen wieder vermehrt mit eigenen Fahrzeugen erledigt werden und sich Fahrradgeschäfte eines enormen Kundenansturms erfreuen, ging die Nutzung anderer Mobilitätsformen zurück. Öffentliche Verkehrsmittel wurden zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen etwa kaum mehr genutzt. Sharing-Diensten, die Straßenfahrzeuge anbieten, erging es ebenso schlecht.

50 bis 80 Prozent Rückgang

Laut Schätzungen von Branchenkennern ist die Nachfrage nach Mobility-Sharing-Diensten um 50 bis 80 Prozent eingebrochen. Die Auswirkungen hat auch das Berliner Unternehmen unu gespürt, dessen Director of Mobility Sharing, Felix Jakobsen, mit der futurezone gesprochen hat. "Der Produktionsausfall in China hat uns voll getroffen. In unsere Pläne hat uns das ziemlich reingehauen." Neben dem Verkauf von Elektro-Motorrollern hat unu den Einstieg in das Sharing-Geschäft geplant. Der niederländische Anbieter Check sollte im April eigentlich 400 nagelneue unu-Roller auf die Straßen von Rotterdam bringen. Der Termin musste verschoben werden.

Check sollte die neueste Generation des Unu-Rollers erhalten, das mit schlüssellosem Zugang, großem Display und viel Stauraum auf den Sharing-Markt zugeschnitten ist. Auf den Markt kommen sollte das Modell bereits im Herbst 2019, im letzten Moment entschied sich das Unternehmen aber für eine Hardware-Veränderung. "Wir wollten eine längere Laufzeit für die Backup-Batterie haben, damit der Roller über mehrere Monate drahtlos ansprechbar bleibt, ohne die Hauptbatterie zu leeren." In Rotterdam sollen die Roller innerhalb der nächsten Wochen auf der Straße erscheinen, auch die Bestellung durch Privatpersonen wird dann möglich sein.

Infektionsangst

Einer der Hauptgründe für den Rückgang der Nachfrage nach Sharing-Fahrzeugen ist wohl, neben der Verringerung der persönlichen Mobilität im Allgemeinen, die Sorge vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Die Sorge sei aber wenig begründet. "Laut der momentanen Studienlage geschieht der Großteil aller Infektionen durch Tröpfchen, eine Schmierinfektion durch kontaminierte Oberflächen ist relativ unwahrscheinlich", meint Jakobsen. Seines Erachtens nach sei man auf Motorrollern, wie auch auf Fahrrädern, an der offenen Luft unterwegs und damit besonders sicher vor Infektionen.

Da unu bislang hauptsächlich auf den Verkauf von Elektrorollern an Privatpersonen setzte und das Sharing-Geschäft erst aufbaue, sei das Unternehmen krisensicher aufgestellt. Während es Verzögerungen beim Sharing gebe, sei etwa das Kaufinteresse gestiegen. "Wir gehen aber davon aus, dass es Verlagerungseffekte in verschiedene Richtungen gibt. Einerseits von Sharing zu Privatfahrzeugen, aber auch von öffentlichen Verkehrsmitteln oder Shuttle-Diensten zu Sharing.

Share Now car rental launched in Hungary

Gemeinsame Initiative

Die Corona-Krise warf die Pläne der meisten Carsharing-Anbieter über den Haufen. Der europäische Carsharing-Marktführer Share Now hat etwa seinen Betrieb in Madrid vorübergehend komplett eingestellt, in anderen Städten wurden aufgrund der geringen Nutzung die Flottengrößen reduziert.

Um die Krisentauglichkeit der eigenen Angebote hervorzuheben, haben sich europäische Mobility-Sharing-Dienstleister in der Krise zusammengetan und die Plattform #WeAllMove gegründet. Vor allem Unternehmen, aber auch Privatpersonen sollen dadurch erkennen, welche Dienstleister es für ihre jeweiligen Mobilitätsbedürfnisse in der Umgebung gibt. Viele Anbieter haben dazu eigene Krisenangebote geschaffen. Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten, erhalten etwa Rabatte, außerdem wurden Teile der Fahrzeugflotten für Lieferdienste freigegeben.

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Wachstum soll weiter gehen

Unter anderem durch derartige Aktionen sollen Umsatzeinbußen verkleinert werden - eine ungewohnte Situation für Mobility-Sharing-Dienste, die sich in den vergangenen Jahren stark vermehrt haben. "Wir haben natürlich eine Delle im Wachstum", sagt Jakobsen. "Und Vorhersagen, wonach sich das Wachstum beschleunigen wird, werden nicht zwingend eintreten. Aber um das Thema Shared Mobility kommen wir nicht herum. Es wird weiterhin ein Wachstum geben - wenn schon nicht dieses Jahr, dann spätestens nächstes Jahr wieder."

Ein positives Signal sei laut Jakobsen die Einführung von Elektrorollern durch den E-Scooter-Anbieter Tier in Berlin gewesen. "Tier hat aus der Versteigerungsmasse des gescheiterten Dienstes Coup Fahrzeuge gekauft und vor drei Wochen in Berlin eingeflottet. Der Plan stand schon länger und wurde trotz Corona-Krise umgesetzt." Das Selbstvertrauen der Branche scheint also nicht ganz verloren gegangen zu sein. Die bisherigen Zahlen lassen das auch zu. Laut einem Marktforschungsbericht, den unu 2019 herausgebracht hat, ist die weltweite Kundenanzahl von Scooter-Sharing-Diensten alleine zwischen 2018 und dem Vorjahr um 166 Prozent auf 4,8 Millionen gestiegen.

Roller im Stadtbild

Mit Scooter-Sharing-Diensten werden Elektro-Motorroller auch in Mitteleuropa künftig verstärkt zum Stadtbild gehören, ist Jakobsen überzeugt. "Immer mehr Leute können nachvollziehen, dass das eine gute Art ist, um sich fortzubewegen. 70 Prozent unserer Kunden sind zuvor noch gar keinen Roller gefahren. Gerade auf mittelkurzen Strecken - alles, was über eine angenehme Fahrraddistanz geht - sind sie beliebt."

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