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30.03.2018

Xiaomi: Das "chinesische Apple" kommt nach Österreich

Das "chinesische Apple" vertreibt seine Geräte nun auch offiziell in Österreich und eröffnet einen eigenen Mi Store.

Xiaomi, das “chinesische Apple”, expandiert nach Österreich, wie die futurezone in Erfahrung bringen konnte. Die Geräte des chinesischen Herstellers, der auf dem weltweiten Smartphone-Markt auf Platz vier rangiert, werden künftig bei Fachgeschäften, Mobilfunkern und Online-Shops erhältlich sein. Möglich wird das dank dem kroatischen Unternehmen Venkon Technix, der seit kurzem offizieller Xiaomi-Distributor für Österreich, Kroatien, Serbien, Montenegro sowie Slowenien ist. Über eine österreichische Niederlassung sollen hierzulande exklusiv Xiaomi-Produkte vertrieben werden. Dazu zählen neben Smartphones auch Elektroroller, Luftreiniger, Bluetooth-Lautsprecher, VR-Headsets sowie smarte Beleuchtung.

Mi Store in Bildern

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Anfang Mai soll der erste offizielle “Mi Store” in der Shopping City Süd in Vösendorf eröffnet werden. Der 120 Quadratmeter große Shop ist an prominenter Stelle, in der Nähe des Möbelhauses IKEA, gelegen. Dort sollen Geräte ausgestellt und zum Kauf angeboten werden. “Jetzt muss man nicht mehr im Internet irgendwo suchen und zusätzliche Software draufspielen. Alle Geräte erfüllen den österreichischen Standard”, erklärt Roman Dori, verantwortlich für das Xiaomi-Geschäft in Österreich, gegenüber der futurezone.

Garantieansprüche möglich

Dori spielt damit vor allem auf die zahlreichen Online-Händler an, die importierte Geräte in Europa weiterverkaufen. Diese setzen oftmals auf chinesische Software, die aus Lizenzgründen ohne Google-Apps, beispielsweise dem Play Store, ausgeliefert werden. “Wir bieten zudem vollen Support im Store an”, erklärt Dori. Nutzer erhalten Hilfe beim Einrichten der Software und einfachen Problemen. Zudem können die Geräte bei einem Defekt zur Reparatur geschickt werden. Wie viele andere große Hersteller greift man dabei auf den Reparaturdienstleister MobileTouch zurück.

Customers enter a Xiaomi shop in a shopping mall in Barcelona
© Bild: REUTERS / YVES HERMAN

Laut Dori verhandle man derzeit mit zahlreichen Einzelhändlern, sowohl im Offline- als auch Online-Bereich. Diese werden die Xiaomi-Produkte in ihr Sortiment aufnehmen. Auch alle großen Mobilfunker hätten Interesse gezeigt. Wie in den USA spielen die Netzanbieter eine essenzielle Rolle im Vertrieb von Smartphones. Diese verkaufen den Großteil der Geräte, der offene Markt wächst zwar, ist aber eher eine Nische. Die Mobilfunker bestätigten die Gespräche mit Xiaomi gegenüber der futurezone, ob die Smartphones in das Portfolio aufgenommen werden, sei aber noch offen. Auch die Positionierung der Geräte, die üblicherweise zu niedrigen Preisen angeboten werden, ist unklar. Da die Xiaomi-Smartphones aber ein eher preisbewusstes Publikum ansprechen, könnten diese auch bei einer der Diskont-Marken, beispielsweise Yesss, Telering oder Eeety, landen.

Mit Flash Sales auf Platz vier

Zu welchen Preisen die Geräte angeboten werden sollen, will Dori vorerst nicht verraten. “Xiaomi will aber, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.” Auf diesem Weg soll auch die Marke etabliert werden. Während andere Konzerne viel Geld in Werbung stecken, setzen Unternehmen wie Xiaomi und Oneplus vor allem auf Guerilla-Marketing. In China werden beispielsweise sogenannte “Flash Sales” abgehalten, bei denen eine begrenzte Stückzahl an Geräten zu einem besonders günstigen Preis verkauft werden. Meist sind die Kontingente bereits binnen weniger Minuten ausverkauft. Auch in Österreich soll es derartige Aktionen geben. Dazu soll auch ein eigener Online-Vertrieb aufgebaut werden. Dieser sei aber vorerst nur in Planung, auf absehbare Zeit werden die Geräte nur bei Partnern und in den eigenen Mi Stores erhältlich sein.

Kurzfristig will Xiaomi Platz vier in Österreich erreichen, hinter Samsung, Apple und Huawei. “Die großen Drei sind gesetzt, es schwächeln aber auch viele. Das wollen wir nutzen”, erklärt Dori. Längerfristig wolle man aber auch den ersten Platz anstreben. Auf den Standort in Vösendorf sollen schon bald weitere Shops folgen, zunächst wohl in Wien. Diese Shops sollen deutlich zentraler liegen, wenn auch nicht ganz so prominent wie der kürzlich eröffnete Apple Store in der Kärntner Straße. Vermutlich werde man sich auf Einkaufszentren konzentrieren, sodass auch große Artikel, beispielsweise Fernseher, mit dem Auto mitgenommen werden können.

Xiaomi ist ein relativ junges Unternehmen. Es wurde 2010 in Peking als Start-up gegründet und stieg mit einem ungewöhnlichen Geschäftsmodell schnell zu einer der bekanntesten Technologie-Marken auf. Die Smartphones wurden zu relativ niedrigen Preisen verkauft, da Xiaomi meist auf klassische Werbung verzichtet und Gewinne vor allem mit Zubehör erzielt. Das hat sich von einfachen Artikeln, wie Hüllen und Kopfhörern, rasch zu einem kompletten Ökosystem entwickelt. Heute werden unter der Marke von Xiaomi Fitness-Tracker, Staubsauger-Roboter, Wasserfilter, Reiskocher, Actioncams und viele andere Produkte angeboten. Das Unternehmen wird mit rund 100 Milliarden US-Dollar bewertet.

Expansion könnte in USA enden

Eine Europa-Expansion wurde lange Zeit vorbereitet, wegen patentrechtlicher Bedenken gab man sich aber lange zögerlich und verkaufte nur vereinzelt Produkte im Westen. Xiaomi konzentrierte sich in der Zwischenzeit mit seinen günstigen Geräten auf Wachstumsmärkte wie Indien und Brasilien. Im Vorjahr konnte der Konzern jedoch Deals mit Microsoft und Nokia abschließen, wodurch man auch sein Patent-Portfolio aufstocken konnte. Seitdem wurde die Europa-Expansion stark vorangetrieben. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Niederlassungen eröffnet, unter anderem in Spanien, Italien und Griechenland.

Xiaomi will auch in die USA expandieren. Dort stoßen chinesische Konzerne aber zunehmend auf Hürden. Konkurrent Huawei wollte seine Smartphones über den Mobilfunker AT&T verkaufen, der Deal wurde jedoch kurz vor der offiziellen Präsentation aufgekündigt. Und auch die Handelskette Best Buy warf Huawei aus dem Sortiment. Von politischer Seite werden Sicherheitsbedenken gegenüber chinesischen Herstellern als Argument für die Einschränkungen genannt. US-Präsident Trump führt jedoch seit kurzer Zeit einen offenen Handelskrieg mit China. Neben Strafzöllen auf zahlreiche Waren, unter anderem Aluminium und Stahl, blockierte Trump die Übernahme des US-Chipherstellers Qualcomm durch Broadcom.