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Digital Life
03/13/2019

Ärzte verlangen strengere Strahlengrenzwerte für AirPod & Co.

Rund 250 Forscher warnen vor möglichen Gesundheitsrisiken durch Geräte wie Bluetooth-Kopfhörer und fordern strengere Regeln.

Obwohl Apples AirPods bei ihrer Ankündigung 2016 wegen ihres Designs verspottet wurden, haben sie sich in kurzer Zeit zu einem Verkaufserfolg entwickelt, der die ganze Kategorie der Bluetooth-Kopfhörer beflügelt. Analysten schätzen, dass Apple allein dieses Jahr 50 bis 55 Millionen Stück der AirPods verkaufen wird, für das kommende Jahr soll sich diese Zahl auf 100 bis 110 Millionen Stück erhöhen.

Doch das rasante Wachstum ruft nun auch Kritiker auf den Plan, die vor möglichen Gesundheitsrisiken der drahtlosen Kopfhörer warnen. Knapp 250 Forscher aus aller Welt, unter anderem auch vier Ärzte aus Österreich, haben einen öffentlichen Appell an die Weltgesundheitsorganisation WHO gerichtet, in dem sie strengere Grenzwerte für elektromagnetische Felder fordern, da die aktuellen Werte zu „einem erhöhten Krebsrisiko, zellulären Stress, einen Anstieg gesundheitsschädlicher freier Radikale, genetische Schäden, Änderungen von Strukturen und Funktionen im Reproduktionssystem, Defizite beim Lernen und Erinnern, neurologische Störungen und negative Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden der Menschen“ führen würden. Konkret nennt man Mobiltelefone, WLAN-, Rundfunk- und Fernsehantennen, Smart Meter sowie Infrastruktur zur Bereitstellung von Elektrizität, die strenger reguliert werden sollen.

Jahrelanger Protest

Der Appell wurde in seiner ursprünglichen Form bereits im Mai 2015 veröffentlicht und an die WHO übermittelt. In den vergangenen Jahren wurde die Warnung aber mehrmals überarbeitet und erneut an die Weltgesundheitsorganisation gerichtet, so auch im Jänner 2019. Joel Moskowitz, einer der Unterzeichner des Appells und Leiter des „Center for Family and Community Health“ an der University of California in Berkeley, räumt ein, dass es derzeit kaum Studien zu den Auswirkungen von Bluetooth gibt. Forschungsergebnisse würden Moskowitz zufolge aber darauf hindeuten, dass sich Strahlung, die sich im gleichen Bereich befindet wie jene von Bluetooth-Kopfhörern, negativ auf die Gesundheit auswirken könne.

Doch Experten kritisieren diese Einschätzung, die bisherigen Ergebnisse würden keinen klaren Trend erkennen lassen. „Es gibt tausende Studien von stark schwankender Qualität und Relevanz zur Gesundheit, die in alle möglichen Richtungen deuten“, sagt Kenneth Foster, Professor für Bioingenieurwissenschaften an der University of Pennsylvania, an der er auch die Auswirkungen von Strahlung auf Menschen erforscht hat. Die WHO hätte laut Foster „keine klaren Beweise für Gesundheitsrisiken [festgestellt], wenn man Strahlungsniveaus unter den internationalen Grenzwerten ausgesetzt ist“.

Falsche Kriterien

Hier liegen die Apple AirPods und andere Bluetooth-Kopfhörer deutlich darunter. SAR-Werte unter 2,0 gelten laut WHO als unbedenklich, die Apple AirPods weisen einen Wert von 0,466 auf. Zum Vergleich: Apples iPhone 8 weist einen SAR-Wert von 1,32 auf. Forscher warnen jedoch, dass nicht die Strahlungswerte ausschlaggebend seien, sondern die Häufigkeit der Kommunikation. Viele Bluetooth-Geräte würden kein konstantes Signal aussenden, sondern in Intervallen kommunizieren. Dieser Aspekt fehle in der aktuellen Bemessung von Elektrogeräten. Zudem seien die Richtwerte, die bereits 1998 festgelegt wurden, hoffnungslos veraltet und bedürfen einer Überarbeitung, so die Kritiker.