Digital Life
25.05.2018

Chat-Logs zeigen Hergang von tödlichem Swatting-Fall

Ein Scherz unter Gamern führte zum Tod eines Unbeteiligten. Nun wird bekannt, dass die drei Angeklagten versuchten, Beweise zu vernichten.

Zum tödlichen "Swatting"-Vorfall, bei dem im Dezember 2017 ein 28-Jähriger in Wichita, Kansas, von der Polizei erschossen wurde, werden neue Details bekannt. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklageschrift gegen drei Männer veröffentlicht, die an dem Fall beteiligt waren. Darin enthalten sind unter anderem Chat-Protokolle, die den genauen Hergang des fatalen Scherzes aufzeigen, wie Ars Technica berichtet.

Falsche Adresse

Ausgangspunkt war ein Streit zwischen den beiden "Call of Duty: World War II"-Spielern Shane Gaskill (19 Jahre alt) und Casey Viner (18). Viner fragte daraufhin Tyler Barriss (25), ob dieser Gaskill "swatten" könne. Gaskill reagierte amüsiert und gab ihm eine Adresse in Wichita, an der er angeblich lebte und mit Vergnügen auf die Polizei warten wolle. Barriss setzte Viners Bitte in die Tat um und rief die Polizei.

Nervöse Polizei

Barriss gab sich dabei als Bewohner des Hauses, dessen Adresse er von Gaskill erhalten hatte, aus. Er erzählte, seine Eltern hätten sich gestritten und er hätte seinen Vater erschossen. Nun halte er seine Mutter und seinen Bruder als Geiseln. Die alarmierte Polizei raste daraufhin zur genannten Adresse. Hausbewohner Andrew Finch trat vor die Tür und wurde von der Polizei erschossen, weil er angeblich an seinen Hosenbund gegriffen hatte.

Panik danach

Barriss fragte Gaskill danach, ob die Polizei aufgekreuzt sei. Gaskills Antwort: "Sie sind bei meinem alten Haus aufgetaucht, das wir zwar besitzen, aber vermietet haben. Wir leben da nicht mehr, bahahaha." Wenig später dürfte Gaskill allerdings mitbekommen haben, dass bei dem Scherz ein Mensch gestorben war. Er bekam Panik und schrieb an Barriss: "Mann, wir müssen alles löschen. Das ist jetzt ein Mordfall. Casey hat alles gelöscht. Du musst das auch tun."

Drei Klagen, ein Freibrief

Gaskill und Viner werden nun angeklagt, weil sie potenziell belastende Chat-Logs gelöscht haben. Gaskill wird zusätzlich wegen Betrugs angeklagt, weil er Barriss eine falsche Adresse gegeben hatte. Viner wird zusätzlich wegen Verschwörung angeklagt, weil er Barriss zum Swatting aufforderte. Barriss ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der einzige, der aus dem Fall unbehelligt hervorgeht, ist jener Polizist, der Andrew Finch erschoss.

Große Probleme für Barriss

Wie The Verge berichtet, erhält der Swatting-Fall zusätzliche Brisanz, weil der Hauptangeklagte Tyler Barriss angeblich auch für zwei aufsehenerregende Bombendrohungen verantwortlich war. Eine davon führte dazu, dass die US-Telekombehörde FCC ihre Abstimmung über die Abschaffung der Netzneutralität im Dezember 2017 kurzzeitig verschieben musste. Eine weitere Bombendrohung betraf das FBI. Barriss sorgte außerdem vor Kurzem für Aufregung, weil er aus dem Gefängnis weitere Swatting-Drohungen verschickte.