© APA/AFP/ANTHONY WALLACE / ANTHONY WALLACE

Digital Life
03/12/2019

China: Datenbank teilt 1,8 Millionen Frauen nach Gebärfähigkeit ein

Die öffentlich zugängliche Datenbank enthält Adressen, Telefonnummern, Alter und den „BreedReady“-Status.

Der niederländische Security-Experte Victor Gevers hat für ein Projekt nach unsicheren Datenbanken gesucht. Dabei ist er auf eine chinesische Datenbank gestoßen, die öffentlich zugänglich war. Diese war besonders auffällig, weil sie nur Frauen enthielt und einen Status namens „BreedReady“, berichtet der Guardian.

Die Datenbank enthält über 1,8 Millionen chinesische Frauen im Alter zwischen 15 und 95 Jahren. Die Datensätze enthalten Namen, Alter, Adresse, Telefonnummer, Ausbildung, Beziehungsstatus und eben „BreedReady“. Letzteres soll wohl anzeigen, ob die Frauen im geburtsfähigen Alter sind. Die jüngste Frau, die laut Datenbank „BreedReady“ ist, ist 18 Jahre alt. Die Älteste ist 39. Ebenfalls auffällig: Keine der Frauen in der Datenbank ist verheiratet. 89 Prozent sind Single, 10 Prozent geschieden und ein Prozent verwitwet.

Die Datenbank war ungesichert auf einem Server abgelegt. Nach den Berichten von Gevers wurde sie gelöscht. Es ist unklar, ob diese Daten von einer Behörde, der Regierung, einem Marketing-Unternehmen oder eventuell von einer Dating-App stammen.

Vorgeschichte zu Handmaid’s Tale

Menschenrechtsvertreter vermuten Schlimmes. China kämpft derzeit mit zu niedrigen Geburtsraten. 2015 wurde deshalb die „Ein-Kind-Politik“ ausgesetzt, wonach chinesische Eltern nicht mehr als ein Kind haben durften. Die Datenbank könnte also vom Staat initiiert sein und dazu dienen, die Geburtenrate anzukurbeln.

Möglich sei etwa, dass versucht wird die Frauen im zeugungsfähigen Alter subtil zu beeinflussen, um den Kinderwunsch zu erhöhen. Oder es könnte damit eine Art Förderprogramm zur Familiengründung vorbereitet werden.

Andere sehen das pessimistischer. Unter dem Titel „Ist das die Vorgeschichte zu Handmaid’s Tale?“ wird die Datenbank im Forum Douban diskutiert. Einige User vermuten dahinter bloß die Datenbank der Dating-App Jiayuan, die 2015 gehackt wurde.