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„Corona-Impfstoff ist radioaktiv“: Fake-Bild geht viral

In den sozialen Netzwerken verbreitet sich derzeit rasant eine Falsch-Nachricht über Corona-Impfstoffe. Der Impfstoff soll radioaktiv sein. Als „Beweis“ dient ein Foto, das eine leuchtend grüne Flüssigkeit in einer Spritze zeigt, berichtet Mimikana.at.

In der Nachricht behauptet der ursprüngliche Verfasser, er würde beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte arbeiten. Von dort habe er eine „Ampulle des Impfstoffes heimlich herausschmuggeln um diese zu Hause analysieren zu können“. Der Impfstoff würde radioaktiv sein und im Dunkeln leuchten. Der Schmuggler habe „ca. 70 mikrosievert pro Stunde gemessen. Also genug um Krankheiten sowie auch genetische Schäden zu verursachen.“ Es könne sich um Radium im Impfstoff handeln und „Warnt alle anderen vor dieser Wahnsinn !!!“

Wie Mimikana berichtet, dürfte die Nachricht ihren Ursprung in einem Verschwörungsmythen-Kanal auf Telegram haben und von dort weiterbreitet worden sein. Sie wird zur Zeit auch auf WhatsApp geteilt. Mimikana hat mit Peter Lieberzeit, Vorstand des Instituts für Physikalische Chemie an der Fakultät für Chemie der Universität Wien, gesprochen, um die Angaben des Autors auf dessen Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Radium in Impfstoff unsinnig

Demnach komme Radium in der Medizin zum Einsatz, etwa zur Behandlung von Knochemetastasen, aber nicht in Impfstoffen. Dies würde keinen Nutzen haben, außerdem sei Radium selten und sehr teuer. Die in der Medizin eingesetzten Radiumisotope seien Alpha-Strahler. Diese Strahlen können Kunststoff nicht durchdringen. Man würde das Leuchten in der Spritze am Foto also nicht sehen. Die vom Verfasser angegebenen „70 mikrosievert“ seien zudem eine Dosisleistung. Dies korrekt zu messen sei sehr aufwendig und „zuhause“, so wie es der Verfasser behauptet, kaum machbar.

Der Todesstoß für diesen Mythos ist schließlich die Farbe selbst. Grün leuchtet radioaktive Strahlung nur bei den Simpsons und in anderen Zeichentrickserien. Das grünliche Leuchten, etwa bei Uhrzeigern von Analoguhren, entsteht in Zusammenspiel von schwach radioaktivem Material mit einer fluoreszierenden Substanz. Das Leuchten der reinen radioaktiven Strahlung, bekannt als Tscherenkow-Strahlung, ist eher Violett-Blau.

Tscherenkow-Strahlung im Advanced Test Reactor der Idaho National Laboratory

UV-Leuchtfarbe

Falls der Verfasser der Falschmeldung das Foto selbst gemacht hat, dürfte es eine harmlose fluoreszierende Substanz in der Spritze sein, vermutlich UV-Leuchtfarbe. Die bekommt man bereits für 10 Euro in 250ml-Flaschen. Unter UV-Licht (Schwarzlicht) leuchtet sie. Eingesetzt werden diese Farben etwa in Clubs und Diskotheken oder auch als Bodypainting.

Die Chance ist zudem hoch, dass der Verfasser das Bild nicht mal selbst gemacht, sondern aus dem Internet geklaut hat. Auf Foto-Stock-Plattformen gibt es etliche Bilder mit dem Motiv der grün leuchtenden Flüssigkeit in der Spritze. Üblicherweise sind diese immer auf schwarzem Hintergrund, damit die mit dem UV-Licht bestrahlte Leuchtfarbe besonders intensiv erscheint.

Screenshot einer Foto-Stock-Website

Was die Corona-Impfstoffe wirklich enthalten, könnt ihr hier nachlesen: Diese Zutaten stecken in den neuen Corona-Impfstoffen

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