© © 1996 Autodesk, Inc. // Chris Torres

Digital Life

Erstes Internet-Meme aus den 90ern wird zum NFT

Es zählt zu den ersten Internet-Memes, die Ende der 1990er-Jahre veröffentlicht wurden: das Dancing Baby. Dabei handelt es sich um eine 3D-Animation eines tanzenden Babys in einer weißen Windel, das ein paar Cha-Cha-Cha-Schritte einlegt und sich im Kreis dreht. Ursprünglich war das 3D-Bild des Babys 1996 von Michael Girard, Robert Lurye und John Chadwick als Test-Datei beim Ausprobieren einer neuen Software kreiert worden.

Ein Student baute die 3D-Animation auf seiner Website ein - und prompt landete das „Dancing Baby“ in TV-Sendungen wie Alley McBeal und den Simpsons, in Werbungen für Delta Airlines, in Videospielen wie FIFA 99 oder in Musikvideos wie „1999“ von Charli XCX und Troye Sivan.

Die Original-Datei des Dancing Babys wurde von den Erfindern noch einmal ausgegraben und für das NFT neu in HD-Qualität angefertigt

NFT-Projekt aus Wien

„Für mich ist das Dancing Baby tatsächlich das erste Bewegtbild gewesen, das ich im Internet bewusst wahrgenommen habe. Ich erinnere mich an meinen alten Mac und den Modem-Sound vom Einwählen ins Netz und als sich dann das Baby vor meinen Augen zum ersten Mal bewegte. Es spiegelt die Internetästhetik der 90er-Jahre wider“, sagt Charlie Scheichenost im Gespräch mit der futurezone. Der Wiener Designer hatte die Idee, aus dem „Dancing Baby“ ein NFT zu machen, also einen „Non Fungible Token“ (NFT), und setzt dies nun um.

NFTs gelten in der Kunst- und Medienszene seit knapp eineinhalb Jahren als heißer Trend. Sie bieten Künstler*innen eine Möglichkeit, ihre Werke digital zu verkaufen. Im Jahr 2021 wurden NFTs sogar im berühmten Kunstranking „Power 100“ des britischen Magazins ArtReview auf den ersten Platz gewählt worden. NFTs kann man sich dabei am ehesten als Zertifikat vorstellen, das in einer Blockchain existiert. Das bedeutet: Käufer*innen besitzen damit ein Original-Dokument eines Kunstwerks, auch wenn das Abbild davon im Internet für alle sichtbar zur Verfügung steht.

Kollektion für Liebhaber*innen von Internet-Memes

„Das macht Sinn, wenn man bereit ist, etwas Digitales zu besitzen. Gemälde sind über Kunstdrucke ebenfalls leicht reproduzierbar, trotzdem kann man das Original besitzen und dies mittels Unterschrift des Künstlers oder Zertifikate beweisen. Durch die neue Technologie kann man diesen Prozess digital nachahmen“, erklärt Scheichenost den Sinn hinter NFTs. „Es gibt Leute, die Schuhe sammeln oder ein Haar von Elvis Presley. Im digitalen Bereich hat man mit der Blockchain die Möglichkeit, transparent nachzuvollziehen, wer der Besitzer von digitaler Kunst ist“, so der Designer, der im konkreten Fall als Galerist auftritt.

Scheichenost ist Teil des Designbüros HFA-Studio, das die NFTs als 1:1-Edition auflegt und publiziert. Das heißt: Von dem bekannten 3D-Objekt wird es nur ein einziges NFT geben und dieses wird in einer Auktion auf der bekannten Plattform Foundation zur Versteigerung angeboten. Dafür hat das Designbüro nicht nur das Einverständnis der Original-Urheber aus den USA eingeholt: Diese haben auch ihre alten Files ausgegraben, das "Dancing Baby" in HD rausgerendert und neu erstellt. Auch mit Autodesk wurden die Rechte abgeklärt. Das ist jene große US-Firma, an die die Firma der 3 Entwickler mitsamt allen Kreationen verkauft wurde.

Erschaffer mit dem Projekt einverstanden

„Ich habe die Urheber, die das Werk vor 26 Jahren kreiert haben, angeschrieben und sie von meiner Projektidee überzeugen können“, erklärt Scheichenost. Die Erschaffer des Original-3D-Bilds sind mittlerweile zum Teil pensioniert und haben in ihrem Leben viel mehr gemacht. Einige von ihnen waren sehr erfolgreich in der Filmbranche aktiv. Österreich kannten sie vor allem wegen der Ars Electronica, bei der sie vor Jahrzehnten einmal als Medienkünstler zu Gast waren. „Mit dem Dancing Baby haben sie ein Kind erschaffen, dass sie nie wieder losgeworden sind“, sagt Scheichenost. Denn auch die TikTok-Generation kennt das Meme noch. Auf TikTok tauchte das „Dancing Baby“ etwa als Animation im Bauch einer Schwangeren auf.

Die Remixes des "Dancing Babys"

Nyan-Cat-Erfinder mit an Bord bei den Remixes

Das Wiener Designstudio ließ sich noch etwas Besonderes einfallen: Nicht nur das Original-Bild wird zum NFT, sondern es wurde von 6 Künstler*innen remixt, also künstlerisch verfremdet. Auch diese Werke werden als NFT verkauft. „Die Künstler*innen interpretieren das Dancing Baby neu und haben sich die Frage gestellt, wie es wohl jetzt aussehen würde“, erklärt Scheichenost.

Neben Serwah Attafuah aus Australien, Yuuki Morita aus Japan, KidEight aus England, Kreationsministern aus Schweden und Yonk aus den Niederlanden hat auch jemand einen Remix abgeliefert, der in der Welt der Internet-Memes ebenso Zuhause ist wie das Dancing Baby selbst: Der Schöpfer der ikonischen Nyan Cat, Chris Torres.

Die Nyan Cat ist von Chris Torres erschaffen worden und zum Internet-Meme geworden

Die Nyan Cat ist seit 2011 Teil der Netzkultur und stellt eine 8-Bit-GIF-Animation einer fliegenden Katze dar, welche einen Regenbogen hinter sich lässt. Das NFT-Bild der Nyan Cat wurde 2021 um 300 ETH (aktuell ca. 835.700 Euro) auf der Plattform Foundation versteigert. Torres blieb seinem Stil auch bei seiner Animation des „Dancing Babys“ treu. Dieses zieht wie die Nyan Cat einen Regenbogen hinter sich her.

Das Original Dancing Baby könnte für einen ähnlich hohen Preis auf der Plattform verkauft werden oder sogar die Millionen-Euro-Marke knacken. Auf der Foundation-Plattform wurden seit ihrem Start im Februar 2021 57.682 ETH (aktueller Wert in Euro: 160,7 Millionen) umgesetzt.

Auktion startet Ende April, Ausstellung läuft in Wien

Das Wiener Designstudio will die Auktion der „Dancing Baby“-NFTs in wenigen Wochen starten. Auf der Plattform Foundation sind die Werke bereits gelistet, theoretisch könnte man schon Gebote abgeben, doch praktisch sind diese noch wertlos. „Das Projekt hat so lange gebraucht, wie es gebraucht hat. Wir wollten auf jeden Fall vorher alle rechtlichen Fragen klären“, erklärt Scheichenost.

"Unser Plan ist, die Artworks Ende April offiziell zu listen, mit einem Preis von 0,96 ETH (aktuell 2.700 Euro), angelehnt an das Datum 1996." Die Auktion läuft dann 24 Stunden lang. „Allerdings wird pro Gebot in den letzten Minuten der Timer immer wieder um 15 Minuten resettet, bis keine neuen Bids mehr kommen", so Scheichenost.

Was man sich erwartet, obwohl es schwer einschätzbar ist

Als Galerist verdient die Kreativ-Agentur einen Prozentsatz an den Verkäufen der Bilder mit. „Aber viel weniger, als wir normalerweise als Marge haben. Da mussten wir uns im digitalen Raum flexibler zeigen“, sagt Scheichenost. Doch was erwartet man sich? „In unserem Remix Artist Line up sind mit Chris Torres und KidEight schon ziemliche Krypto- und NFT-Kaliber, da kann es schon sein, dass ein Remix für einen zweistelligen ETH-Wert (aktuell über 28.000 Euro) über den virtuellen Auktionstisch geht“, so Scheichenost.

„Für den Original Dancing Baby Loop erhoffen wir uns, das die Person die Geschichte des Memes kennt und ihre Wichtigkeit im Internet-Kontext versteht. Wieviel das am Ende wert ist, können wir nicht sagen.“

Zusätzlich zu der NFT-Auktion gibt es im Space der Galerie (HFA / Burggasse 24/1-2 1070 Wien) ab dieser Woche eine Mini-Ausstellung des „Dancing Babys“ und aller Remixes. Mit einer App lassen sich die Bilder vor Ort auch in Bewegtbilder umwandeln. Die Mini-Ausstellung kann von Mittwoch bis Freitag zwischen 15 und 19 Uhr besichtigt werden.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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