Killer-Roboter müssen ohne Teslas Autopilot auskommen

Killer-Roboter müssen ohne Teslas Autopilot auskommen

© apa

EU-Parlament

Entwurf: EU will Roboter-Aufstand verhindern

Welche Rechten und Pflichten sollen Roboter in unserer Gesellschaft haben? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit das EU-Parlament. Nun wurde ein erster Resolutionsentwurf „mit Empfehlungen an die Kommission zu zivilrechtlichen Regelungen im Bereich Robotik“ veröffentlicht. Darin werden zahlreiche kontroverse Themen diskutiert. Sei es nun das Einbinden eines „Kill Switches“ zur Abschaltung aus der Ferne, die Verantwortung bei Unfällen mit Robotern oder der Einsatz von sogenannten „Killer-Robotern“ – die zur Zeit strittigsten Themen der Robotik werden auf 26 Seiten thematisiert.

Als grundlegende Gesetze werden kurioserweise die berühmten drei Regeln der Robotik des Science-Fiction-Autors Isaac Asimov herangezogen. Diese sollen als Grundlage dienen, solange Roboter kein eigenes Bewusstsein hätten. In weiterer Folge werden empfohlene Regeln für Konstrukteure, Benutzer und Hersteller dargelegt, die allerdings vorerst noch nicht binden sind.

Verpflichtender Kill Switch

Das EU-Parlament fürchtet offenbar auch „Skynet“. Demnach müsse man sich auch für die Möglichkeit vorbereiten „dass die KI die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen […] in einer Weise überflügeln könnte, die […]die Fähigkeit der Menschheit, ihre eigene Schöpfung zu kontrollieren und folglich vielleicht auch die Fähigkeit, Herr über ihr eigenes Schicksal zu bleiben und für das Überleben der Spezies Mensch Sorge tragen zu können, ernsthaft gefährden könnte“.

Gerade in Hinblick darauf will man mit einem verpflichtenden Kill Switch sowie einem auf UN-Ebene diskutierten Verbot von bewaffneten Robotern, den sogenannten „Killer-Robotern“, vorbeugen. Zudem soll es – allein schon durch Asimovs Roboter-Gesetze – unmöglich sein, Roboter als Waffe einzusetzen.

Nicht zu nahe kommen lassen

Auch die mögliche Vermenschlichung von Robotern wird bereits früh thematisiert. So sollen Konstrukteure laut dem EU-Parlament stets sicherstellen, „dass Roboter als Roboter zu erkennen sind, wenn sie mit Menschen interagieren“. Zuletzt diskutierten Forscher auch über ethische und moralische Fragen, sollten Roboter zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, beispielsweise für Sex, eingesetzt werden.

Auch die Gefahr, dass Menschen eine emotionale Bindung zu Robotern aufbauen könnten, soll berücksichtigt werden. „Dies gilt insbesondere für Pflegeroboter denen gegenüber besonders gefährdete Personen eine emotionale Beziehung und Bindung entwickeln können, was Bedenken hinsichtlich der menschlichen Würde und anderer moralischer Werte aufkommen lässt“, heißt es unter anderem im Bericht.

Selbstfahrende Autos und Grundeinkommen

Auch selbstfahrende Autos werden als „Roboter“ gesehen. Die wohl umstrittenste Frage hier: Wer ist schuld, wenn es zu einem Unfall kommt? Laut dem EU-Parlament sollten, solange die Künstliche Intelligenz kein eigenes Bewusstsein hat, „Konstrukteure, Hersteller und Bediener von Robotern“, abhängig vom Grad der Autonomie und Fähigkeiten des Systems, zur Rechenschaft gezogen werden. Um eine Haftpflichtversicherung kommt man somit künftig auch nicht herum. Da sämtliche Handlungsschritte des Roboters in einer Art „Black Box“ dokumentiert werden sollen, ist die Nachvollziehbarkeit zumindest theoretisch immer gegeben.

Auch die Auswirkungen auf die Industrie sollen thematisiert werden. So könnten Roboter künftig als „elektronische Personen“ angesehen werden und könnten so für die Schäden, die sie verursachen, verantwortlich gemacht werden. Zudem wären sie so steuerpflichtig – eine Summe, für die wohl ihre Besitzer bzw. Hersteller aufkommen müssten. Auch soll, um die Auswirkungen auf den Jobmarkt zu dämpfen, ein „allgemeines Grundeinkommen ernsthaft in Erwägung gezogen werden“.

Der Entwurf ist nicht bindend, auch wenn im Februar das EU-Parlament dafür stimmen sollte. Das bedeutet lediglich, dass sich die EU-Kommission mit dieser Thematik auseinandersetzen muss.

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Michael Leitner

derfleck

Liebt Technik, die Möglichkeiten für mehr bietet - von Android bis zur Z-Achse des 3D-Druckers. Begeistert sich aber auch für Windows Phone, iOS, BlackBerry und Co. Immer auf der Suche nach "the next big thing". Lieblingsthemen: 3D-Druck, Programmieren, Smartphones, Tablets, Open Hardware, Videospiele

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