Digital Life
26.08.2017

Facebook findet unbekannte Verwandte, verrät aber nicht wie

Eine bislang unbekannte Großtante tauchte in den Facebook-Freundschaftsvorschlägen einer US-Amerikanerin auf. Der Fall wirft zahlreiche Fragen zum Tool auf.

Facebooks Freundschaftsvorschläge, auch bekannt als „Freunde, die du vielleicht kennst“, hat eine bislang unbekannte Verwandte der Gizmodo-Autorin Kashmir Hill ausfindig gemacht. Das Kuriose daran: Während es in anderen ähnlichen Fällen stets eine nachvollziehbare Datenspur gab, scheint es in diesem Fall keinerlei sichtbare Verbindung zu geben.

Bei der Verwandten handelt es sich um eine Großtante, die seit 35 Jahren mit dem Bruder ihres biologischen Großvaters verheiratet ist. Direkten Bezug zu diesem Teil ihrer Familie hatte sie nie, ihr Vater und ihr biologischer Großvater trafen sich erst vor wenigen Jahren erstmals. Niemand von diesen Personen verwendet Facebook. Hills Vater war die von Facebook entdeckte Großtante ebenfalls nicht bekannt. Zudem lebt Hill in Florida, während dieser Teil der Familie in Ohio wohnt.

Facebook: Dann könnte jeder fragen

Facebook verweigerte Auskunft darüber, wie der Vorschlag zustande kam. Das Argument: Wenn man Hills Anfrage beantworte, würden viele andere Facebook-Nutzer ebenfalls um Auskunft bitten. Stattdessen verweist man auf einen Support-Artikel, in dem erklärt wird, dass mehr als 100 verschiedene „Signale“ genutzt werden, um mögliche Verbindungen herzustellen.

Davon werden jedoch nur wenige aufgeführt, unter anderem gemeinsame Facebook-Freunde, gemeinsame Markierungen auf Fotos oder geteilte Facebook-Gruppen, gleiches Netzwerk (Schule, Universität oder Arbeitgeber) oder hochgeladene Kontakte.

Umstrittenes Feature

Keine dieser Datenpunkte könnte jedoch die Verbindung erklären. Facebook dementiert zudem, dass Daten von Drittanbietern genutzt wurden, um derartige Verbindungen herzustellen. Facebooks Freundesvorschläge sorgen immer wieder für Ärger.

So beklagte eine US-Psychiaterin, dass ihre Patienten untereinander als Facebook-Freunde vorgeschlagen wurden. Die einzige Verbindung stellte meist ihr Smartphone mit der Facebook-App dar, das sie mit in die Praxis nahmen. Zudem ließ das Tool 2012 einen Mann auffliegen, der zwei Frauen geheiratet hatte und ein Doppelleben führte.