Digital Life
27.11.2018

FPÖ-Politiker provoziert mit antisemitischem Tweet

Mit Christian Höbart bedient wieder einmal ein FPÖ-Politiker das antisemitische Stereotyp der "Brunnenvergiftung".

"Ihr seid solche schlimmen Brunnenvergifter. Schämt Euch!" Mit diesen Worten schaltete sich der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Christian Höbart in eine Twitter-Diskussion über die angeblich unfaire ORF-Berichterstattung gegenüber der FPÖ ein. Die von ihm gewählten Worte sorgten prompt für Empörung, handelt es sich bei dem verwendeten sprachlichen Bild doch um ein klassisch antisemitisches Stereotyp, das in rechten Kreisen bis heute gepflegt und verbreitet wird.

Juden als Brunnenvergifter

So wurden im Mittelalter für die großen Pestepidemien in Europa die Juden verantwortlich gemacht, indem man ihnen das Vergiften von Brunnen unterstellte. Hunderttausende Menschen wurden in den darauffolgenden Pogromen umgebracht. Dass Höbart sich der antisemitisch aufgeladenen Bedeutung nicht bewusst ist, ist schwer vorstellbar. Denn erst im April 2018 wurde Vizekanzler Heinz-Christian Strache für den Gebrauch dieses sprachlichen Bildes im Streitgespräch mit dem damaligen SPÖ-Chef Christian Kern kritisiert.

Keine Einsicht

Auf Twitter machte sich der FPÖ-Politiker über die Kritik an seiner Ausdrucksweise lustig und postete ein Sujetbild mit den Worten "Nazis! Nazis! Nazis! Ich seh' überall nur Nazis!!!". In weiteren Antworten bestritt er, über die Verwendung des Begriffes durch die Nazis Bescheid gewusst zu haben. "Woher soll ich das wissen? Ist umgangssprachlich ein Begriff für Denunzianten, Intriganten und jede, die Stimmung vergiften."

FPÖ kritisiert "Er ist wieder da"

Ausgangspunkt des Streits auf Twitter war die Kritik der FPÖ am ORF, der die erfolgreiche Filmkomödie "Er ist wieder da" mit Hitler als Protagonisten im Hauptabendprogramm gezeigt habe. Der Film, der im Abspann rechtskonservative Politiker, darunter Heinz-Christian Strache, mit Hitler konnotiere, betreibe unreflektierte Propaganda. Dem ORF wirft die FPÖ vor, dass in der Diskussion danach nicht darüber diskutiert worden sei, ob so ein Abspann angebracht sei, sondern darüber, ob die Gesellschaft überwiegend rechtsextrem sei.