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Uber Günstige Taxi-Alternative UberX startet in Wien.

Eine Fahrt vom Hauptbahnhof zum Westbahnhof soll rund neun Euro kosten
Eine Fahrt vom Hauptbahnhof zum Westbahnhof soll rund neun Euro kosten - Foto: Philipp Lipiarski / www.goodlifecrew.at
Uber bietet ab sofort sein günstiges Angebot UberX auch in Wien an. Fahrten mit UberX sollen 25 Prozent günstiger als mit Taxis sein.

Der Fahrt-Dienst Uber baut sein Angebot in Wien aus und bietet ab sofort auch den Taxi-Konkurrenten uberX an. Der Dienst soll laut Uber bis zu 25 Prozent günstiger als ein herkömmliches Taxi sein. Uber setzt bei uberX im Gegensatz zum Limousinen-Dienst UberBLACK, der bereits seit Februar in Wien verfügbar ist, auf günstige Mietwagen, wie beispielsweise Opel Insignia oder Ford Mondeo. Auch Vans mit bis zu sieben Sitzplätzen sollen zur Verfügung stehen. Der Benutzer kann das Fahrzeug per App an einen gewünschten Standort bestellen. Dabei sieht er auch die aktuelle Position des Fahrzeugs, das Profil des Fahrers sowie dessen Bewertung. Die Bezahlung wird über die in der App hinterlegten Kreditkarten automatisch abgewickelt, in den Fahrtkosten ist bereits ein entsprechendes Trinkgeld inkludiert.

Mit Kampfpreisen möchte Uber vor allem Taxi-Unternehmen herausfordern. Der Startpreis beträgt zwei Euro, pro Kilometer werden 0,99 Euro verrechnet. Jede Minute kostet zudem 0,28 Euro an Fahrtgebühr. Der Mindestpreis für eine Fahrt beträgt sechs Euro, im Fall einer Stornierung werden acht Euro fällig. Die Preise bleiben dabei rund um die Uhr gleich. So soll eine Fahrt von Grinzing in den ersten Bezirk rund zwölf Euro kosten, die Strecke Hauptbahnhof-Westbahnhof kostet knapp neun Euro. Laut Johannes Wesemann, Uber-Chef in Österreich, war das “Economy-Angebot” der nächste logische Schritt, wie er im Gespräch mit der futurezone betont. Zum Start soll es rund 30 Fahrzeuge in Wien geben, die Zahl soll aber schon bald steigen.

“Die Erfahrung zeigt, dass nach dem Start viele Unternehmen plötzlich mitmachen wollen”, gibt sich Wesemann zuversichtlich. Uber selbst versteht sich lediglich als Plattform, die Fahrer und Fahrgast in Kontakt bringt. Das Unternehmen kooperiert mit Mietwagen-Anbietern, die ihre Dienste über Uber anbieten. Ähnlich verfährt das Unternehmen weltweit, sodass Uber in den letzten Jahren rasant expandieren konnte. Das 2009 gegründete US-Start-up ist mittlerweile in 45 Ländern weltweit vertreten, zuletzt wurde sein Wert auf rund 18,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Doch das Unternehmen stieß dabei in zahlreichen Ländern auf rechtliche Hürden sowie Proteste von Taxi-Fahrern, die ihr Gewerbe bedroht sehen.

uberX
Uber Österreich-Geschäftsführer Johannes Wesemann - Foto: Jürg Christandl
Auch in Österreich beobachten Taxi- und Transport-Unternehmen sowie der Wiener Taxi-Obmann Christian Gerzabek Uber mit Argusaugen. Gerzabek zeigte sich bereits in einem früheren Gespräch mit der futurezone verärgert über Uber, das für ihn “eindeutig ein Taxi-Dienst ist”. Uber sieht sich selbst jedoch als Mietwagen-Anbieter, der nicht unter die streng regulierten Taxi-Bestimmungen fällt. Die Wiener Mietwagen-Verordnung setzt unter anderem voraus, dass Mietwagen nach dem Ende eines Auftrages zur Betriebsstätte zurückkehren müssen. Bei der anschließenden “Leerfahrt” dürfen keinerlei Fahrgäste aufgenommen werden - es sei denn, auf dem Weg zur Betriebsstätte kommt ein neuer Auftrag für den Mietwagenfahrer daher. Während Wesemann der Meinung ist, dass die Fahrer dabei unter keinerlei Zeitdruck stehen, sagt Gerzabek, die Fahrzeuge müssten “unverzüglich zur Betriebsstätte zurückkehren.”

Friedensangebot an Taxi-Fahrer

Ein Rechtsstreit scheint vorprogrammiert, doch der Uber-Manager rechnet vorerst nicht damit. Die Wiener Taxiinnung vertritt neben Taxi-Fahrern auch Mietwagen-Fahrer und würde somit gegen die eigenen Mitglieder vorgehen. Uber würde jedoch gerne mit den Taxi-Fahrern zusammenarbeiten: “Für die Fahrer ist es nur eine weitere Option. Aber das werden wohl andere nicht zulassen.” In Österreich ist es Taxi-Fahrern untersagt, Fahrten über mehrere verschiedene Dienste, beispielsweise eine Funkzentrale und eine App, zu erhalten. Das deutsche Start-up MyTaxi hat 2011 gegen diese Exklusivitätsklausel eine Anzeige bei der Bundeswettbewerbsbehörde eingereicht. Sowohl das Kartellgericht als auch der Oberste Gerichtshof hatten nichts an der Klausel auszusetzen. Diese behindere den Wettbewerb nicht, da der Fahrer jederzeit den Anbieter wechseln könnte.

Für Wesemann hinkt die Branche ihrer Zeit hinterher: “Die Industrie ist seit Jahrzehnten im Stillstand, sie hat nicht gelernt, sich weiterzuentwickeln. Die gesamte Gesetzgebung ist auf die Prä-Smartphone-Ära ausgerichtet.” Uber sieht sich nicht nur in Österreich mit Hürden konfrontiert, in Berlin wurde der Dienst kurzfristig verboten. Bei Demonstrationen in Europa Anfang Juni wurden zudem Uber-Fahrzeuge attackiert. In Los Angeles wurden mehrere Uber-Fahrer von Unbekannten mit einer Waffe überfallen und deren Smartphones oder Autos gestohlen. Ermittler verdächtigen unter anderem Taxi-Unternehmen, die Uber-Autos am Fahren hindern wollen.

Expansion in die Bundesländer

Aber auch Uber kämpft mit harten Bandagen. So beklagt US-Konkurrent Lyft, dass Uber Fahrer mit aggressiven Methoden abwirbt. Ein drohendes Verbot in Berlin konnte kurzfristig abgewendet werden, da die bereits bewilligte Unterlassungserklärung nicht vom Kläger eingefordert wurde. Uber drohte mit hohen Schadenersatzforderungen, die den klagenden Taxi-Unternehmer nach eigenen Angaben ruiniert hätten. Uber zählt derzeit mehrere tausend Nutzer in Österreich, laut Wesemann sei die Zahl der Fahrten pro Woche im knapp vierstelligen Bereich. Das Wachstum befinde sich seit dem Start aber durchgehend im zweistelligen Prozent-Bereich. Ein Viertel der Nutzer seien zudem Touristen, die Uber meist bereits aus ihrer Heimat kennen.

Das Carsharing-Angebot UberPop wird es vorerst nicht in Österreich geben. Dabei können Autofahrer Uber-Nutzer als Fahrgast mitnehmen und werden dafür bezahlt. “Das wirtschaftliche Potenzial für Carsharing ist in Wien nur schwer einschätzbar, da fehlen die Erfahrungswerte”, so Wesemann. Für den Einsatz in ländlichen Gebieten, in denen man keine ausreichende Versorgung mit Mietwagen gewährleisten könnte, wäre das Konzept aber interessant. Durchaus denkbar sei zudem eine Expansion in andere Landeshauptstädte im kommenden Jahr. So hätte Uber bereits Graz und Salzburg ins Auge gefasst.

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(futurezone) Erstellt am 27.08.2014, 15:10

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