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Digital Life

Komme ich bei einem Blackout noch ins Internet?

Der Strom fällt aus, aber das Handy hat noch Akku. Vielleicht beginnt sogar das eigene Notstromaggregat zu rattern oder man besitzt eine externe Powerbank, mit der es aufgeladen werden kann. Ein großflächiger Blackout, sprich der überregionale Zusammenbruch der Stromversorgung, steht in Österreich seit Jahren auf der Notfallplan-Agenda zahlreicher Krisenstäbe. Doch was passiert eigentlich mit unserem Internetzugang? Können Betroffene bei einem Blackout noch auf das Internet zugreifen? Und welche Möglichkeiten gibt es, online zu bleiben?

Einige Minuten Internet

Rund 90 Prozent aller österreichischen Haushalte verfügen laut der Statistik Austria über einen Internetzugang. 80 Prozent von ihnen nutzen das Internet sogar täglich. Sie schreiben eMails, shoppen online oder lesen Zeitung. Die gute Nachricht: Dies ist auch bei einem großflächigen Blackout möglich – zumindest theoretisch. 

Hat das Handy noch Akku, kann es sich unter Umständen mit einem Mobilfunkmasten verbinden, da jene mit einer Notstromversorgung ausgestattet sind.  „Nach maximal 2 bis 4 Stunden werden mobile Netze zum größten Teil ausgefallen sein, da die Batterien leer sein werden, die für die Notversorgung der Antennen zum Einsatz kommen“, hält der Mobilfunkanbieter Magenta gegenüber der futurezone fest. Kund*innen können also in diesem Zeitraum tatsächlich noch ihre Handys verwenden bzw. im mobilen Netz surfen.

Bei 4 Stunden handle es sich allerdings um eine sehr optimistische Schätzung – sie basiert auf einem durchschnittlichen Kommunikationsverhalten. Im Falle eines totalen Blackouts könne der Kommunikationsbedarf allerdings so stark ansteigen, dass die Notstromaggregate schneller erschöpft seien. 

A1 trifft eine ähnliche Einschätzung: Je nach Auslastung würden die Notstrombatterien der rund 8.500 Senderstandorte der A1 Telekom im Mittel 30 Minuten ausreichen. Manche systemkritische Standorte haben eine längere Notstromversorgung. Sie hält zwischen 8 und 72 Stunden durch, heißt es von A1. Auch bei Drei würden die Funkmasten eine begrenzte Zeit weiterlaufen.

Notfallszenarien für den Ernstfall

Mindestens für einige Minuten bleibt das Internet also auch im Falle eines großflächigen Stromausfalls benutzbar. Je nach Umfang des Blackouts kann es aber sein, dass bestimmte Dienste bzw. Server nicht wie gewohnt erreichbar sind.

Mobilfunker bereiten sich jedenfalls auf den Ernstfall vor: „Es gibt regelmäßige Krisenübungen und einen Krisenstab bzw. Krisenstableiter“, hält Magenta fest. „Wir prüfen die Notstromversorgung aller Systeme in regelmäßigen Abständen und erneuern laufend Akkus, Batterien, Notstromaggregate, etc.“  

Retro-Modem statt High-Tech

Gerade wenn es nur zu einem lokalen Stromausfall kommt, gibt es andere Möglichkeiten, um das Internet zu nutzen: Wie zum Beispiel die Verwendung eines altmodischen Einwahlmodems. Damit konnte man in den 90er-Jahren, als sich Netz und Telefonie noch eine Leitung teilten, „online gehen".

In den USA gibt es noch einige Anbieter, die solche Internetprodukte verkaufen und zumindest bei einem lokalen Blackout funktionieren. In Österreich sei dies laut Magenta allerdings nicht der Fall. „Die Infrastruktur wäre auch für Einwahlmodems nach wenigen Stunden Total-Blackout offline“, so der österreichische Mobilfunkanbieter.

Web aus dem Weltall

Was tun, wenn Internetanbietern zu Gänze der Strom ausgeht? Im Falle eines großflächigen Blackouts können Betroffene auch Internet via Satelliten empfangen und so lokale Stromnetze umgehen. 

Über Satellitenschüsseln am eigenen Haus kann Internet aus dem Erdorbit empfangen werden – ähnlich wie beim TV-Empfang. Unternehmen wie der französische Anbieter Eutelsat Konnect bieten einen solchen Service bereits in Österreich an. Und machen damit dem Platzhirsch der Branche Starlink Konkurrenz. Denn das Unternehmen des Tesla-Chefs Elon Musk bietet bereits seit längerem Netzzugänge via Satellit an, vor allem für ländliche Regionen.

Insgesamt hat Starlink bereits mehr als 1.565 Satelliten in den Orbit gebracht. Musk zufolge soll das Satelliteninternet bereits 2022 weltweit nutzbar sein. Die Crux des Satelliteninternets ist allerdings dessen Geschwindigkeit. Die Strecke, die ein Signal von Satellit zu Schüssel zurücklegen muss, ist lang. Im Vergleich zu den beliebten Kabel- und Glasfaserverbindungen ist es daher wesentlich langsamer. Vor allem beim Streaming oder der Videotelefonie hinkt es hinterher. 

Krisensicher ist der Netzzugang via Satellit allemal. Jedoch muss man auch tief in die Tasche greifen: Ein Starlink-Zugang kostet etwa knapp 100 Euro pro Monat.

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Lisa Pinggera

LPinggera

Neu bei futurezone. Erzählt am liebsten Geschichten über Kryptowährungen, FinTechs und Klimawandel. Schreibt aber über alles, was erzählenswert ist.

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