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Digital Life
03/15/2020

Mann sitzt auf 17.700 Flaschen Desinfektionsmittel und kann sie nicht verkaufen

Online-Handelsplattformen verbieten den Verkauf von Schutzmasken und Desinfektionsmittel. Wucherer haben jetzt ein Problem.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat auch Geschäftemacher auf den Plan gerufen. Nach den ersten Schreckensmeldungen rund um das Virus in den USA kauften etwa einige von ihnen die Desinfektionsmittelvorräte in Supermärkten und Drogerien leer um sie danach auf Amazon oder eBay um ein Vielfaches des Einkauspreises anzubieten.

Das ging aber nur kurze Zeit gut. Sowohl Amazon als auch eBay entfernten die Angebote rasch und legten die Konten Still. Ebay verbot sogar allgemein den Verkauf von Schutzmasken und Desinfektionsmittel.Sie sitzen nun auf teils enormen Mengen der Hygieneartikel und können sie nicht mehr verkaufen, berichtet die "New York Times".

Enorme Mengen

So auch Matt Colvin, der gemeinsam mit seinem Bruder Desinfektionsmittel in rauhen Mengen in Supermärkten in den US-Bundesstaaten Tennessee und Kentucky aufkaufte, die jetzt in seiner Garage lagern. Er habe die Möglichkeit gesehen, sich und seine Familie dauerhaft finanziell besser zu stellen, sagte er der Zeitung. Nun frage er sich, was er mit den Produkten machen solle.

Hunderttausende Angebote entfernt

Amazon hat nach Angaben der Zeitung Hunderttausende solcher Wucherangebote von seinem Marktplatz entfernt und Tausende Verkäufer ausgeschlossen. Analysen zeigen, wie die Preise in den vergangenen Wochen sukzessive angehoben wurden. Davon haben auch die Plattformen profitiert. Amazon schneidet etwa 10 Prozent an den Verkaufspreisen mit, eBay nimmt sogar 15 Prozent.

Erst die zunehmende Kritik von Kunden, aber auch Aufsichtsbehörden ließen die Plattformbetreiber die Reißleine ziehen. Preistreiberei sei ein klarer Verstoß gegen die Geschäftsbedingungen, es sei unmoralisch und mitunter auch illegal, teilte Amazon der Zeitung mit.

Trends

Viele der Desinfektionsmittelverkäufer sind bereits seit längerem auf den Handelsplattformen aktiv. Colvin, ein früherer Luftwaffenpilot, verkaufte früher Nike-Turnschuhe und Kinderspielzeug. Er verfolge Trends und versuche dann, davon zu profitieren, sagte er der "New York Times". Als er Anfang Februar die Ausbreitung des Coronavirus in China über die Medien verfolgte, habe er eine Chance darin gesehen.

Ein anderer Verkäufer gab gegenüber der Zeitung an, dass er mit dem Verkauf von Schutzmasken, die er im Zehnerpack um 15 Dollar kaufte und dann für 40 bis 50 Dollar verkaufte, immerhin 25.000 Dollar Gewinn gemacht habe. Nachdem Amazon ihn blockiert habe, sitze er allerdings nun auf 500 Packungen antibakterieller Tücher, die er für 3 Dollar pro Packung erstanden habe und für knapp 20 Dollar pro Packung verkaufen wollte.

Strafen drohen

Den Preistreibern drohen nun auf Strafen von den Behörden. In mehreren US-Bundesstaaten steht Wucher unter Strafe. Plattformbetreiber, darunter auch Amazon, haben bereits auch angekündigt, dass sie mit Staatsanwaltschaften zusammenarbeiten wollen.

Einsichtig zeigen sich aber die wenigsten. Desinfektiosmittelverkäufer Colvin meinte gegenüber der "New York Times", er habe nur "Inneffizienzen auf dem Markt" beheben wollen. Einige Regionen würden diese Produkte mehr als andere benötigen. Er habe eben dabei helfen wollen, das Angebot an die Nachfrage anzupassen.

Nach der Veröffentlichung des Artikels teilte er der Zeitung allerdings mit, dass er seine Vorräte spenden wolle. Er wolle nicht als der Typ bekannt werden, der 20.000 Flaschen Desinfektionsmittel gehortet habe, um sie für das 20-fache seiner Kosten zu verkaufen.