NSA Hauptquartier

© EPA

Leak
03/11/2015

NSA spähte UPC-Kunden aus

In den Snowden-Leaks wurde eine Liste entdeckt, die Spionageziele für das NSA-Programm "Upstream" enthält, darunter die ehemalige Domain des Internetproviders UPC, chello.at.

Wie ein hochgeheimes Dokument enthüllt, das im Zuge der Enthüllungen von Ex-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden veröffentlicht wurde, hat die NSA offenbar den Datenverkehr des Internetproviders UPC in Österreich mitgeschnitten. Die Domain chello.at - UPC firmierte in Österreich bis 2009 unter diesem Namen - taucht auf einer Liste aus insgesamt 35 Spionagezielen auf, die mit dem Programm "Upstream" behandelt wurden.

Bei Upstream saugte die NSA Daten direkt aus Glasfaserkabeln ab, berichtetStandard.at. Bei dem Programm scheint es sich um einen Teil des größeren "Prism"-Programmes des US-Geheimdienstes zu handeln, dessen Entdeckung Anfang 2013 weltweit für großes Aufsehen sorgte. Bei Upstream betrieb die NSA offenbar mehrere Zugriffspunkte in den USA, allerdings auch an acht Standorten außerhalb der Staaten.

UPC beteuert Sicherheitsbemühen

Die Zugriffe wurden durch die Zusammenarbeit mit privaten Internetanbietern ermöglicht. Dafür, dass auch UPC mit dem US-Geheimdienst kooperiert haben könnte, finden sich keine Hinweise in den geleakten Dokumenten. "UPC hat keine Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass diese Behauptungen zutreffen und versichert, dass nach Kenntnis von UPC zu keinem Zeitpunkt Kundendaten durch Dritte einsehbar waren", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Man setze modernste Technologien zum Schutz des Netzwerkes ein und baue die Schutzmechanismen laufend aus, so ein Unternehmenssprecher. "Die Mailserver, über die E-Mails von österreichischen Kunden versendet werden, befinden sich in Österreich und werden von UPC selbst betreut. Innerhalb des UPC-Netzwerkes werden diese Daten mit höchster Sicherheit bearbeitet und transportiert."

Der UPC-Datenverkehr in Österreich könnte für die NSA vor allem wegen der Vielzahl diplomatischer Vertretungen in Wien von Interesse sein. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wurde in anderen von Snowden geleakten Dokumenten bereits als Einsatzgebiet für die Spionagesoftware "Regin" ausgewiesen. Auch die UNO oder die OECD stellen hervorragende Spionageziele in Wien dar.

Konsequenzen gefordert

Das Computer Emergency Response Team (CERT.at) rät Internetnutzern auch nach der neuesten Enthüllung zum Einsatz von Verschlüsselungssoftware beim Versenden von E-Mails. Der NSA und anderen Geheimdiensten soll so ein Mitlesen der Mails erschwert werden.

Die Datenschützer von AK Vorrat plädieren unterdessen für eine umfassende Aufklärung der Vorgänge durch die Politik. Der Staat solle Verantwortung zeigen und beweisen, dass die Grundrechte der Bevölkerung nicht im Kampf gegen Terrorismus geopfert würden. "Dass die österreichische Politik beim Thema Geheimdienstüberwachung bisher komplett die Augen verschlossen hat", verwundert die AK Vorrat.

Die heimischen Parlamentsparteien zeigten unlängst seltene Einigkeit bei einer Aufforderung an die Regierung, verstärkt gegen die NSA-Überwachung vorzugehen.

USA zapfen laut NSA-Dokument Unterseekabel an

Man solle beide Methoden verwenden, heißt es in der rudimentär gehaltenen Folie, die einmal mehr das Absaugen von Daten beschreibt. So heißt es dort, dass mit PRISM direkt auf die Server von Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, PalTalk, AOL, Skype, YouTube und Apple zugegriffen werden können. Operation „Upstream“ umfasse das Sammeln von Kommunikationsdaten direkt über die Glasfaserverbindungen, die zwischen Europa und den USA bestehen.

Vier Codenamen
Das von der US-Zeitung veröffentlichte Dokument deckt sich im Wesentlichen mit einer bereits im Guardian publizierten Folie, die allerdings teilweise geschwärzt war. In der aktuellen Folie werden vier Bezeichnungen im Rahmen der „Upstream“-Operation genannt, „Fairview“, „Stormbrew“, „Blarney“ und „Oakstar“. Ob damit neuralgische Netzknotenpunkte bzw. -verbindungen oder Unteroperationen gemeint sind, ist unklar. Über Blarney sei etwa gesammelt worden, wer mit wem über welche Netzwerke und Geräte kommuniziert, berichtet die Washington Post.

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