Digital Life
06.04.2017

Red Bull Mind Gamers: Escape-Room-WM-Finale in Budapest

Das siegreiche slowenische Team mit Spieleforscher Scott Nicholson (Mitte) beim Red Bull Mind Gamers Finale in Budapest © Bild: David Kotrba

Beim Finale des Room-Escape-Wettbewerbs traten 24 Teams aus aller Welt drei Tage lang gegeneinander an.

Getränkehersteller Red Bull hat mit Mind Gamers 2016 einen Wettbewerb gestartet, der den Freizeit-Trend der Escape Rooms auf eine international kompetitive Ebene hob. Dafür wurden keine Mühen gescheut und Experten aus der Spieleentwicklung und der Wissenschaft herangezogen, um ein Denksport-Turnier auf die Beine zu stellen, das sich auch für Laien sehen lassen kann. Nach Online-Vorausscheidungen und lokalen Wettbewerben fanden nun in Budapest die World Finals statt. Die futurezone war dabei.

Escape-Room-Boom

Budapest hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Art Mekka für Room-Escaping-Fans entwickelt. In der Stadt gibt es über 200 verschiedene Räume, in der Teams innerhalb eines gewissen Zeitraumes (meistens eine Stunde) ein großes Rätsel lösen und damit die Ausgangstüre öffnen (deshalb die Bezeichnung Room Escape) sollen. Escape Rooms sprießen momentan in aller Welt aus dem Boden. Auch in Wien gibt es eine ganze Reihe von Anbietern. Die futurezone hat auch schon einige davon ausprobiert.

Vor zwei Jahren hat Red Bull beschlossen, auf den Trend aufzuspringen und ging eine Partnerschaft mit dem Spieleentwickler Playful Solutions ein. "Wir haben uns überlegt, wie wir eine Weltmeisterschaft im Escape-Room-Spielen veranstalten können", meint Playful-Solutions-Chef Konstantin Mitgutsch. Um eine gänzlich neuartige Herausforderung für Spieler zu schaffen, wurde auch das Game Education Lab an der US-Technikuniversität MIT eingebunden. Das MIT veranstaltete einen "Game Jam", also einen Entwicklerwettbewerb für Spielemacher. Diesen Game Jam gewann ein Viererteam aus drei Österreichern und einer US-Amerikanerin. Ihre Ideen legten den Grundstein für das, was 2016 als Red Bull Mind Gamers auftauchen sollte.

Red Bull Mind Gamers Finale in Budapest © Bild: David Kotrba

Online und im echten Leben

Bei Red Bull Mind Gamers sollte es darum gehen, verschiedenste Denksport-Disziplinen zu vereinen und Spieler in eine neuartige interaktive Puzzlewelt eintauchen zu lassen. Auf einem neu geschaffenen Online-Portal finden Rätsel-Fans nun eine Reihe kleiner Computerspiele, die sie in die Welt von Mind Gamers einführen. Auf der Webseite wurde auch zum Punktesammeln aufgerufen, um bei lokalen Veranstaltungen an der "Mission: Unlock Enoch" teilzunehmen. Dabei wurde Viererteams 20 Minuten Zeit gegeben, um in einer kleinen Kammer an vier großen Touchscreens gemeinsam mehrere Rätselebenen zu durchlaufen. Ein Team der futurezone hat dies geschafft.

Unsere Zeit von 19:03 Minuten verblasst allerdings zu den Bestleistungen, die international bei Mission: Unlock Enoch aufgestellt wurden. Wie bei den World Finals in Budapest verkündet wurde, schafften es die besten Teams (aus den USA und Singapur) in wenig mehr als sieben Minuten. Diejenigen Teams, die die lokale Bestzeit bei diesem Bewerb aufgestellt haben, wurden zum internationalen Finale eingeladen. Die Komplexität der Herausforderung war dabei klarerweise noch höher.

Semifinale

In einer Lagerhalle in einem Budapester Außenbezirk wurde eine Anordnung aus mehreren Räumen errichtet, in der die Spieler Logik, Mathematik, Kombinationsfähigkeit und Geschicklichkeit einsetzen mussten, um möglichst wenige "Power Units" zu verlieren. Das Konzept für die Räume stammte von Studenten rund um den Spieleforscher Scott Nicholson. Gebaut wurden die Räume von den Unternehmen Fox in a Box und Mi'pu'mi Games.

24 Teams versuchten ihr Glück. Neben den Gewinner-Teams aus 22 Ländern waren auch zwei Wildcard-Teams dabei, die sich aus den besten Online-Einzelspielern zusammensetzten. Die österreichischen Vertreter, Stefan, Christoph, Manuel und Lukas, vier HTL-Schüler aus Ober- und Niederösterreich, zählten laut eigenen Angaben zu den jüngsten der Teilnehmer. Zwei Tage lang wurden in Budapest Semifinali abgehalten. Am vergangenen Samstag fand das große Finale statt. Im Stile einer großen TV-Show wurden alle Teams und internationale Medienvertreter versammelt, um das Duell der Semifinalgewinner mitzuerleben. Das Event wurde auch per Live-Videostream im Internet übertragen.

Red Bull Mind Gamers Finale in Budapest © Bild: David Kotrba

Finale

Im Finale standen sich zwei Viererteam aus Slowenien und der Ukraine gegenüber. In der ersten Finalrunde mussten beide jeweils vier Aufgaben separat in möglichst kurzer Zeit lösen. Wie beim Room-Escaping üblich wurden die Spieler auch diesmal mit völlig neuen Aufgaben konfrontiert, deren Sinn und Ablauf durch Versuch und Irrtum herausgefunden werden sollte. Unter anderem mussten flexibel gelagerte Bretter koordiniert bewegt werden, um eine Kugel durch farblich markierte Tore zu lenken, deren Reihenfolge durch Farbprojektionen vorgegeben wurde. Bei einer anderen Aufgabe ging es darum, drei gelöcherte Scheiben so zu arrangieren, dass mehrere Laser ungehindert durchdringen konnten.

In einer weiteren Spielrunde wurde beiden Teams in einem Raum scheinbar separate Aufgaben gestellt, die allerdings nur durch Zusammenarbeit aller Beteiligten gelöst werden konnten. Danach wurden beiden Teams nacheinander durch den "Vortex-Tunnel" geschickt, wo sie eine Zahlenkombination finden und die Lösung in ein Bedienfeld eintippen mussten. Wie das Team Österreicher erklärte, kam eine ähnliche Aufgabe bereits in der Online-Spielesammlung von Red Bull Mind Gamers vor. Die Finalgegner scheiterten dennoch beide daran. In der dritte Spielrunde wurden beide Teams genau mit denjenigen Aufgaben konfrontiert, die sie aus "Mission: Unlock Enoch" bereits kannten. Es ging also nur mehr um Geschwindigkeit. Slowenien setzte sich durch und wurde als großer Sieger des Abends mit einer Trophäe belohnt, die sich in Einzelteile für alle Teammitglieder zerlegen lässt.

Nächste Runde 2018

"Die World Finals haben aus meiner Sicht sehr gut geklappt", meint Konstantin Mitgutsch zur futurezone. "Für uns war es eine wahnsinnige Herausforderung, dass die Teams sich nicht treffen." Die 24 Kleingruppen wurden auf ganz Budapest verteilt in unterschiedlichen Hotels untergebracht, um den Informationsfluss zu minimieren. "Überraschend für uns war, welche Unterschiede es zwischen den Kulturkreisen, aus denen die Teilnehmer stammten, gab. Das ist eine Lektion, die wir mitnehmen: Wie können wir es schaffen, noch fairere Bedingungen für alle zu schaffen?"

Ein nächstes Mal soll es laut Mitgutsch definitiv geben. "Wir planen bereits die nächste Mission. Wir vernetzen uns dafür bereits mit unserer Community, um uns zu verbessern." 2018 soll das nächste Red Bull Mind Gamers Turnier gestartet werden. Für die Online-Plattform gibt es den Plan, mit verschiedenen Partnern eigene Challenges herauszubringen. Unter anderem soll es eine Kooperation mit dem Wiener Zentrum für Quantenwissenschaft geben. "Die Mitglieder unserer Online-Community suchen nach neuen Herausforderungen. Die haben Bock darauf, Probleme zu lösen. Das ist eine große Chance für viele Institutionen."