UKRAINE-RUSSIA-CONFLICT
© APA/AFP/Satellite image ©2022 Maxar Tech/- / -

Digital Life

Wer hinter den Satellitenbildern aus der Ukraine steckt

Wer aufmerksam Nachrichten rund um den russischen Angriff auf die Ukraine verfolgt, wird immer wieder auf Satellitenfotos stoßen. Sie geben im Konflikt nicht nur Aufschluss über das Ausmaß der Zerstörung, sondern auch über Truppenbewegungen.

Quelle vieler Bilder sind heute nicht mehr staatliche Stellen – wie etwa die US-Raumfahrtbehörde NASA oder ihr europäisches Pendant ESA, sondern private Unternehmen. Sie heißen Planet, Maxar oder Capella Space – um nur 3 von vielen zu nennen – und haben eigene Satelliten in der Umlaufbahn. Jene fotografieren die Erde in regelmäßigen Abständen. Auch tägliche Überflüge einer bestimmten Region sind auf Wunsch möglich.

Möglich wird das durch fortschreitende Technologie bei der Bildverarbeitung sowie bei der Raumfahrt. Seit der NASA-Satellit Explorer 6 im Jahr 1959 erstmals ein äußerst verschwommenes Satellitenbild zur Erde geschickt hat, hat sich auf diesem Feld einiges getan. Kameras und die für die Bildverarbeitung notwendige Elektronik, sind heute so kompakt, dass es zum Teil nur außerordentlich kleine Satelliten benötigt, um die Erde vom Orbit aus zu fotografieren.

Cubesats

Das gängigste Format, auf das sich etwa auch Planet spezialisiert hat, sind die sogenannten Cubesats. Die nahezu würfelförmigen Geräte (Cube heißt übersetzt Würfel) sind maximal 1,33 Kilogramm schwer und messen in der kleinsten Ausführung 11,35 x 10 x 10 Zentimeter. Wird mehr Platz benötigt, können mehrere „Cubes“ kombiniert werden.

Planet alleine hat seit 2013 insgesamt 432 Satelliten ins All geschickt, rund 200 sind laut Firmenangaben davon derzeit aktiv. Sie produzieren täglich eine Bilddatenmenge von 25 Terabyte. Zur Einordnung: Geht man davon aus, dass eine Fotodatei eines Smartphones 3 MB Speicher belegt, wären das in etwa 8 Millionen Bilder.

Ein anderes privates Satellitenbild-Unternehmen ist Maxar. Jenes hat sich auf besonders hochauflösende Aufnahmen spezialisiert und nutzt größere Satelliten mit Maßen von mehreren Metern.

Weiter Kundenstamm

Verkauft werden diese Bilder an verschiedenste Abnehmer. Planet gibt etwa an, 700 Firmen und Institutionen als Kunden zu haben. Maxar schreibt von Kunden in insgesamt 70 Ländern. Neben Militär- und Regierungseinrichtungen zählen dazu etwa Unternehmen aus den Bereichen Landwirtschaft oder kommerzielle Kartografen. Interesse gibt es laut den Firmen auch von Versicherungen und der Landwirtschaft.

Die Geschäfte laufen gut: Mit dem Zugang zu den Satellitenbildern werden jährlich Umsätze in Milliardenhöhe gemacht. Abhängig von Aktualität und Auflösung kostet ein Satellitenbild von einer Fläche von einem Quadratkilometer ab etwa 15 US-Dollar. Außerdem gibt es Mindestabnahmemengen, meist in der Größenordnung von 50 bis 100 Quadratkilometern.

Google Maps ist für professionelle Anwendungen keine Alternative. Es ist zwar gratis, die Bilder sind aber oft Monate alt und für viele Gebiete nur niedrigauflösend verfügbar. Höherauflösende Fotos gibt es bei Google Maps meist nur, wenn diese mit Flugzeugen statt Satelliten gemacht wurden - und diese Flieger sind meist nicht in abgelegenen Regionen oder über Kriesenschauplätzen unterwegs.

Datenschutz

Wenn man nicht möchte, dass Bilder des eigenen Grundstücks gemacht und kommerziell angeboten werden, kann man nicht viel dagegen tun, wie Lukas Feiler, Datenschutz-Rechtsanwalt bei Baker McKenzie auf Anfrage der futurezone, erklärt. Solange man keine Gesichter erkennen könne, sei das Verbreiten der Bilder seiner Einschätzung nach zulässig.

Grundsätzlich gebe es ein „öffentliches Informationsinteresse“ an diesen Satellitenbildern. Dass das individuelle Interesse höher zu bewerten sei, ist schwierig: „Wenn ich nicht möchte, dass mein*e Nachbar*in nachschauen kann, ob ich etwa einen Swimmingpool habe, wird das nicht reichen“, sagt Feiler.

Satellitenbilder-Provider

Maxar 
Das Unternehmen hat insgesamt 90 Erdbeobachtungssatelliten im All und  beschäftigt 4.400 Mitarbeiter. Der Umsatz im Jahr 2021 lag bei knapp 1,8 Milliarden US-Dollar.
https://www.maxar.com/

Planet 
Die Firma hat 200 aktive Satelliten und 600 Mitarbeiter. Der jährliche Umsatz beträgt etwa 100 Millionen US-Dollar.
https://www.planet.com/

Capella Space
Das Start-up wurde von einem Ex-NASA-Techniker gegründet und ist auf Bilderstellung durch Radartechnik spezialisiert. Es beschäftigt knapp 150 Mitarbeiter.
https://www.capellaspace.com/

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

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