FILE PHOTO: Photo illustration of dating app Tinder shown on an Apple iPhone

© REUTERS / Mike Blake

Digital Life
12/03/2019

Tinder: “Es sind definitiv Sexualstraftäter unter unseren Nutzern”

Apps wie Tinder und OkCupid überprüfen nicht, ob sich Sexualstraftäter unter ihren Nutzern befinden.

Das investigative Journalisten-Netzwerk ProPublica hat gemeinsam mit Columbia Journalism Investigations (CJI) und Buzzfeed herausgefunden, dass die Dating-Apps der Match Group nicht überprüfen, ob ihre Nutzer Sexualstraftäter sind. Zur Match Group gehören die Angebote Tinder, OkCupid, Match.com und PlentyOfFish. Über letzteres konnte etwa  ein mehrfach verurteilter Vergewaltiger weitere Opfer finden, obwohl er als Straftäter registriert war. 

Background-Check bei Premium-Angebot

Ein Sprecher der Match Group sagte gegenüber ProPublica: "Es sind definitiv Sexualstraftäter unter den Nutzern unserer kostenloses Produkte." Auf der kostenpflichtigen Plattform des Unternehmens, Match.com, werden die Nutzer hingegen überprüft, bevor sie sich registrieren können. Auch nach der erfolgreichen Anmeldung werden die User regelmäßig mit den Polizei-Datenbanken abgeglichen.

Bei den kostenlosen Angebote sei das allerdings nicht möglich, da man nicht genügend Informationen über die Nutzer habe, auch wenn sie kostenpflichtige Features nutzen. CJI hat mehr als 150 Sexualstraftaten überprüft, die Dating-Apps involvierten. Dabei fanden sie heraus, dass die meisten Opfer ihre Angreifer über eine Dating-Plattform der Match Group kennen lernten.

Gemeldete Nutzer werden gesperrt

In zehn Prozent der Fälle hatte eine der kostenlosen Dating-Apps die Opfer mit einem verurteilten oder beschuldigten Sexualstraftäter zusammengebracht. Die Überprüfung für Match.com-Nutzer scheint im Gegensatz dazu zu funktionieren: Hier wurden keine Vorfälle bekannt. 

Gegenüber CJI sagte der Match-Group-Sprecher, die 157 Vorfälle müssten im Verhältnis zu den Millionen Menschen gesehen werden, die die Plattformen nutzen. "Wir nehmen die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Nutzer sehr ernst", heißt es in einem Statement gegenüber CJI. Man würde Nutzer blockieren, die wegen sexuellen Übergriffen gemeldet würden und füge sie einer Sperr-Liste hinzu, die für alle Match-Group-Produkte gilt.