A passenger plane flies through aircraft contrails in the skies near Heathrow Airport in west London

© REUTERS / Toby Melville

Digital Life
11/23/2019

Warum manche Airlines kuriose Flugrouten nehmen

Airlines können nicht immer die kürzeste und effizientes Route nehmen, um von A nach B zu kommen.

von Florian Christof

Wer meint, die Airlines würden immer die kürzeste Route von A nach B fliegen, der irrt. Die Planung von Flugrouten hängt von wesentlich mehr Faktoren ab als der reinen Distanz: Wetter, Winde und Kosten für Überflugrechte spielen ebenso eine erhebliche Rolle.

Aber auch völlig menschengemachte Faktoren beeinflussen die Erstellung der Routen. Politische Konflikte zwischen zwei Ländern können etwa dazu führen, dass Passagiermaschinen teils kuriose Wege nehmen müssen, um von A nach B zu kommen. 

Ehemaliges Drehkreuz in Alaska

Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist die so genannt Polarroute, die während der Zeit des Kalten Krieges Europa mit Japan verbunden hat. Die Sowjetunion hat über mehrere Jahrzehnte den allermeisten Airlines verboten, russischen Luftraum zu durchkreuzen.

Das führte dazu, dass Passagiermaschinen zwischen Europa und Japan in Alaska zum Betanken zwischenlanden mussten. Auch weil die Flugzeuge damals noch nicht so große Distanzen zurücklegen konnten. Die Bedeutung des Flughafens in Anchorage in Alaska nahm mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion drastisch ab. Denn seither können die meisten Airlines über Russland nach Japan fliegen.

Im Zick-Zack-Kurs nach Asien

Auch heutzutage sind zahlreiche Airlines wegen politischer Konflikte dazu gezwungen, teils weite Umwege in Kauf zu nehmen. Der israelischen Airline El Al beispielsweise wird von den meisten arabischen Airlines der Überflug verboten.

Um mit El Al von Tel Aviv nach Südostasien zu fliegen, müssen etwa die arabischen Staaten nördlich oder südlich umflogen werden. Die Route von Israel nach Bangkok zum Beispiel führt über einen schmalen Korridor südlich Richtung Rotes Meer, von dort aus weiter Richtung Golf von Aden und dann erst ostwärts in Richtung Thailand.

Bleibt nur zu hoffen, dass es bei einem El Al-Flug über dem Roten Meer zu keinen technischen Schwierigkeiten kommt, der eine dringende Notlandung erfordert.

Kuriose Routen

Ähnliches gilt auch für die taiwanesische Airline EVA Air. Um Taipei direkt mit Europa zu verbinden, muss die Airline wegen der Spannungen mit China, den chinesischen Luftraum umfliegen.

Auch Qatar Airways ist gezwungen, einige Lufträume zu meiden. Damit etwa die ugandische Hauptstadt Kampala direkt angeflogen werden kann, muss Qatar Airways erst einmal in Richtung Osten starten, die Vereinigte Arabische Emirate umfliegen und kann erst dann Richtung Südwesten abbiegen. 

USA kassieren für Flüge in Asien

Wenn Airlines den Luftraum eines Staates durchkreuzen ohne dort zu landen, müssen Gebühren an den jeweiligen Staat entrichtet werden. Die USA verlangen etwa 26 Dollar pro 100 Nautische Meilen.

Da sich der US-amerikanische Luftraum beinahe über den gesamten nördlichen Pazifik bis kurz vor die Philippinischen Inseln erstreckt, müssen oftmals Gebühren an die USA bezahlt werden, obwohl kein Flieger auch nur in die Nähe des Staatsgebiets kommt.

Flüge zwischen Neuseeland und Peking beispielsweise durchfliegen auf ihrer Route den Luftraum, der von den USA kontrolliert wird. Also müssen sie für einen Teil der Strecke die Gebühren an die Amerikaner entrichten.