Digital Life
15.11.2016

Was Facebook und Google gegen Falschmeldungen tun wollen

Die US-Internetkonzerne Google und Facebook reagieren auf Kritik und kündigen Maßnahmen gegen Websites an, die Falschmeldungen in Umlauf bringen.

„FBI-Agent, der Hillary Clintons E-Mail-Affäre untersucht, tot aufgefunden“ oder „Der Papst unterstützt Donald Trump“: Solche offensichtlichen Falschmeldungen waren während des US-Wahlkampfs auf Facebook weit verbreitet. Das Online-Netzwerk musste sich deshalb nach dem Wahlsieg Trumps viel Kritik anhören. Der Vorwurf Facebook könnte zum Erfolg des exzentrischen Bauunternehmers beigetragen haben, weil es der Verbreitung von Falschmeldungen weitgehend tatenlos zusah, ist häufig zu hören. Nicht ohne Grund. Denn Facebook ist für viele Amerikaner zur wichtigen Nachrichtenquelle geworden.

Besonders schrille Nachrichten verbreiten sich dort schnell. Dazu trägt auch der bei dem Online-Netzwerk zur Anwendung kommende Algorithmus bei, der Nachrichten, die von vielen Nutzern „geliked“ werden, auf immer mehr Nutzerprofilen prominent platziert. Daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern. Zumindest gegen die Urheber von Falschmeldungen will Facebook aber nun Maßnahmen ergreifen. Das Online-Netzwerk kündigte am Montag an, Fake-News-Webssites künftig aus seinem Werbenetzwerk Audience Network, das auch Werbeplätze außerhalb von Facebook verkauft, ausschließen zu wollen.

Google dreht Geldhahn ab

Wenige Stunden zuvor kündigte Google an, Fake-News-Sites nicht länger mit Werbung zu versorgen. An Googles Werbenetzwerk AdSense sind Millionen Websites angedockt, für viele sind die von Google vermittelten Anzeigen eine wichtige Einnahmequelle.

Auch Google wurde in den vergangenen Tagen gerüffelt, weil der Internetkonzern nach Ansicht von Kritikern in seinen Suchergebnissen Falschmeldungen zu viel Gewicht beimisst. Nach Angaben der „New York Times“ hielt sich etwa eine Falschmeldung über das Endergebnis der US-Wahl, die Donald Trump auch bei der Anzahl der für ihn abgegebenen Stimmen fälschlicherweise die Mehrheit zuschrieb, tagelang auf den Spitzenplätzen bei der Suchanfrage zu den „endgültigen US-Wahlergebnissen“. Google gab sich in einer Stellungnahme konsterniert. Man sei in dem Fall wohl falsch gelegen, arbeite aber ständig daran, die Suchalgorithmen zu verbessern, heißt es in einer Stellungnahme.

Mitarbeiter widersprechen Zuckerberg

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte die Kritik, sein Online-Netzwerk könnte über die Verbreitung von Falschmeldungen zum Wahlsieg Trumps beigetragen haben, zuletzt scharf zurückgewiesen. Das sei eine verrückte Idee, sagte er auf einer Konferenz in Kalifornien. Aber selbst Facebook-Angestellte widersprechen ihrem Chef. Jeder wisse, dass Fake-News im gesamten Wahlkampf auf Facebook allgegenwertig gewesen seien, zitiert BuzzFeed einen anonymen Mitarbeiter des Online-Netzwerkes . Laut der Nachrichtenseite wollen sich mehr als ein Dutzend Facebook-Entwickler nun zusammentun, um Vorschläge zur Lösung des Problems zu erarbeiten. Das US-Techblog Gizmodo berichtet unterdessen, dass Facebook bereits über Technologien verfüge, Falschmeldungen zu identifizieren und zu blockieren. Weil dadurch aber vor allem rechte Webseiten aus dem News Feed des Online-Netzwerkes gerutscht wären, habe man davon abgesehen sie vor der US-Wahl zum Einsatz zu bringen. Man wollte sich nicht der Kritik aussetzen, politisch voreingenommen zu sein, heißt es.

Was passiert mit Satire-Seiten?

Wer aber beurteilt, was Falschmeldungen sind? Muss man sich nun auch um das finanzielle Wohlergehen von Satire-Webseiten sorgen? Immerhin werden satirische Inhalte vor allem von rechten Politikern nicht selten ernst genommen und weiterverbreitet, um ihre politische Agenda zu befeuern. In Österreich tappte etwa FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wiederholt in die Satire-Falle.

Es sei im Moment noch zu früh, darüber zu spekulieren, wie einzelne Seiten betroffen sein würden, sagte ein Google-Sprecher zur futurezone. „Satire-Seiten stehen aber nicht im Zentrum dessen, was die angekündigten Maßnahmen adressieren sollen.“ Eine futurezone-Anfrage bei Facebook blieb bislang unbeantwortet. Von Google ist bekannt, dass fragwürdige Inhalte sowohl von Menschen als auch maschinell überprüft werden. Dass auch Satire-Webseiten dem Werbebann der Internetkonzerne zum Opfer fallen könnten, kann dennoch nicht ausgeschlossen werden.

Warnende Worte kamen vom US-Journalismus-Experten Jeff Jarvis. „Seid vorsichtig was ihr euch wünscht“, schrieb er auf der Online-Plattform Medium an die Adresse jener, die nach schnellen Maßnahmen gegen Falschmeldungen in Online-Netzwerken rufen: „Oder wollen wir wirklich, dass Google und Facebook das Weltgeschehen zensurieren?“