© Nicole He

Digital Life
05/07/2020

Was man mit Raspberry Pi und Arduino alles machen kann

Vom Tinder-Bot bis zum fahrenden Fisch: Mit den Minicomputern kann jedes skurrile Bastelprojekt zur Realität werden.

von Franziska Bechtold

Der Einplatinencomputer Raspberry Pi ist derzeit mit der vierten Auflage ab rund 40 Euro nicht nur günstig, sondern auch vielseitig. Einsteiger und Profis können ihn nutzen, um ihre Bastelprojekte zu steuern. Von der Retrokonsole bis zum Beatmungsgerät scheinen die Einsatzgebiete grenzenlos zu sein. Auch der Konkurrent Arduino bietet zahlreiche Möglichkeiten, wie den Bau eines Wählscheibentelefons. Mit den Mini-Computer sind der eigenen Kreativität eigentlich keine Grenzen gesetzt. Wir haben solche ambitionierten und kuriosen Projekte gesammelt.

Pipboy aus Fallout

Fallout-Fans wissen, der Pipboy am Arm liefert allerlei Informationen über die Umwelt und die Spielfigur. Justin Hart hat keine Mühe gescheut, sich selbst eine Nachbildung zu bauen. Dafür braucht man neben einem Raspberry Pi Geduld und Bastelgeschick. Die Anleitung dafür stellte der Entwickler online zur Verfügung.  

Ocarina of Smart Home

Auch ein anderes Videospiel-Objekt wurde mit einem Raspberry Pi in die reale Welt transferiert. Allen Pan hat sich eine Ocarina aus dem Spiel Zelda: Ocarina of Time gebaut, mit der er sein Smart Home steuern kann. Je nachdem, welches Lied er auf der Flöte spielt, kann er seine Eingangstür oder sein Auto öffnen, Pflanzen gießen, die Heizung aufdrehen und das Licht anschalten.

Lecken und Swipen

Wer wollte nicht schon einmal seinen Computer mit einem Arrangement an riesigen Lutschern steuern? Das ist kein Problem mit dem Wonder Pop Controller der Künstlerin Nicole He. Sie machte vier riesige Lollipos zu Steuerelementen für den Computer. Zugegeben – eigentlich leckt man an der aufgeklebten Kupferfolie, statt an den klebrigen Zuckerstangen. Gesund ist beides nicht, aber es sieht zumindest lustig aus.

Die Künstlerin hat zudem einen Tinder-Roboter mithilfe eines Arduinos gebaut. Dazu legt man seine Hände auf einen Sensor, während man sich Tinder-Profile ansieht. Werden die Handflächen schwitzig, entscheidet der Roboter, dass man sich zu einer Person hingezogen fühlt und swiped nach links. Lässt einem das Bild kühl, wird nach rechts gewischt. Wer sich selbst mechanische Hilfe bei der Date-Auswahl holen möchte, findet den Code auf Github

Gemüse-Band

Dieses Kunstprojekt nutzt einen Arduino und Adafruit-Sensoren, um Pflanzen eine Stimme zu geben. Angeschlossen an einen Sensor entstehen beim Kunstprojekt Singing Plant Töne, wenn man sie berührt. Wer eher auf halbstarke Wortspiele steht, kann sich eine BeetBox bauen. Die drei Rüben (engl. Beet) werden damit zu einem Drumkit. Kombiniert man die Projekte, kann man eine eigene Gemüse-Band gründen. 

Lego-Mikroskop

Die perfekte Hochzeit zweier Bastelimperien findet sich im nächsten Projekt: ein Mikroskop aus Lego und einem Raspberry Pi. Zugegeben, das 300-Dollar-Gerät brauchte auch eine 8-Megapixel-Kamera und einen 3D-Drucker sowie viele Stunden für den Bau und noch mehr Stunden für die richtige Einstellung. Aber dann erhielt Entwickler Yuksel Temiz hochauflösende Bilder eines 10 Mikrometer großen Computerchips – und machte damit laut IBM deutlich teureren, professionellen Mikroskopen Konkurrenz.

Wem die 300 Dollar zu viel sind, der kann auch zum OpenFlexure Mikroskop greifen. Das kostet nur 15 Britische Pfund, kommt ebenfalls aus dem 3D-Drucker und nutzt auch ein 8MP-Raspberry-Pi-Objektiv. Das zugehörige Paper erschien im Fachmagazin Biorxiv. Die Entwickler wollen mit dem Projekt wissenschaftliche Instrumente zugänglicher und kostengünstiger gestalten.

Kaffee, Tee und Bier

Wahrscheinlich gibt es wenige Alltagsprozesse, die man nicht mit einigen Zeilen Code und einem Roboter automatisieren kann. So hat der Entwickler Gregg Horton einen Weg gefunden, den Prozess des Kaffeekochens zu automatisieren. Mit einem Tweet an seine Kaffeemaschine beginnt sie, das Heißgetränk zu produzieren und Horton hat keine Wartezeiten mehr. 

Tee-Kenner wissen, dass es nicht einfach mit kochendem Wasser und einem Teebeutel getan ist. Das Aufbrühen erfordert Präzision und Timing. Daher gibt es zahlreiche Projekte, die das Teekochen mit einem Mini-Computer automatisieren - und perfektionieren wollten. So baute die Gruppe Running in the Hills eine den R2-Tea2, der sich mit einem alten Nokia-Handy steuern lässt, um eine Tasse Tee mit Milch zu produzieren.

Auch den Prozess des Bierbrauens kann man mit einem Raspberry Pi verbessern. Der Reddit-Nutzer Warshi7819 hat sich eine Brauerei gebaut. Zwei Sensoren messen die Temperatur in den beiden 60-Liter-Fässern, die für das Brauen verwendet werden. Der Raspberry Pi kontrolliert ein 3.200-Watt-Heizelement, um stets für ideale Bedingungen zu sorgen.  

Fahrender Fisch

Einige Projekte werfen unweigerlich die Frage „aber warum?“ auf. Die Antwort im Falle des Robocod ist: Weil man’s kann. Ein Computer trackt die Bewegung eines Goldfischs in seinem Aquarium. Es wurde auf einem Fahrzeug montiert und erlaubt es dem Fisch so, herumzufahren.

Sinnlose Diskussionen

Wer Streitgespräche nicht scheut, für den hat 8 Bits and a Byte ein Bastelprojekt im Angebot: Der “Argument Bot“ imitiert einen Sketch aus Monty Python’s Flying Circus. Wer den Sketch kennt, weiß, dass die Aufgabe des Roboters darin besteht, einfach immer das Gegenteil dessen zu behaupten, was man zu ihm sagt. Dafür kommt neben einem Raspberry Pi auch die Google Sprachassistent-Software AIY zum Einsatz.