Digital Life
24.01.2019

Wer von Elon Musks wohltätigen Spenden profitiert

Elon Musk hat in den vergangenen Jahren über seine Stiftung Millionen gespendet. Profitiert hat auch seine Familie.

Neben seinen diversen Unternehmen, betätigt sich Elon Musk auch wohltätig, wie der Guradian berichtet. Seine Privatstiftung "Musk Foundation" hat in den vergangenen Jahren Millionen von Dollar für gemeinnützuge Projekte ausgegeben. Auf der spärlich ausgestatteten Webseite seiner Stiftung werden als Ziele die Unterstützung von erneuerbaren Energiequellen, Raumfahrt und Ausbildung junger Wissenschaftler und Ingenieure angeführt.

Aus Dokumenten, die dem Guardian vorliegen, geht aber hervor, dass die tatsächlichen Aktivitäten weit über diesen Rahmen hinausgehen. So ist beispielsweise überproportional viel Geld in die Erforschung künstlicher Intelligenz geflossen. Zudem hat Musk auch Spenden getätigt, von denen seine eigenen Initiativen und Mitglieder seiner Familie profitiert haben. Neben seinen Stiftungsspenden hat Musk auch als Privatperson Geld für gemeinnützige Zwecke bereitgestellt, etwa für den Sierra Club, die Obama Foundation und die XPrize Foundation.

54 Millionen

Musk hat die Stiftung 2001 mit seinem Bruder, der auch als Schatzmeister und Generalsekretär auftritt, gegründet und mit 30.000-eBay-Aktien im Wert von 2,1 Millionen Dollar ausgestattet. Diese Anteile hatte Musk beim Verkauf seines PayPal-Dienstes an das Online-Auktionshaus bekommen. Musks Stiftung hat bislang 54 Millionen US-Dollar gespendet.

Mehr als ein Drittel der Ausgaben ging direkt an 160 karitative Einrichtungen. Viele der profitierenden Organisationen, die etwa in den Bereichen Umweltschutz, Bildung, Medizin und Raumfahrt tätig sind, bekamen Zuwendungen in Höhe einiger Tausend Dollar. Beschenkt wurden aber auch Projekte, an denen Musk oder Teile seiner Familie persönliches Interesse haben.

Eine Schule, in die Musks Kinder eine Zeit lang gegangen sind, hat genauso Geld von der Musk-Stiftung bekommen wie eine Wohltätigkeitsorganisation, die von seinem Bruder geleitet wird. Auch gespendet wurde an eine Gruppierung, die sich gegen Staus auf Musks Arbeitsweg engagierte und ein Kunstprojekt am Burning-Man-Festival. Dieses soll zu Musks Lieblings-Veranstaltungen gehören.

Bildung und Gärten

Spenden gingen in der Anfangsphase an Musks ehemalige Universitäten in Südafrika und den USA, Bildungseinrichtungen, Raumfahrtorganisationen und Kinderkrankenhäuser. Zwischen 2007 und 2014 hat Musk die Stiftung mit zusätzlichen 3,1 Millionen Dollar ausgestattet. In dieser Zeit begann die Stiftung auch Projekte zu finanzieren, zu denen Musk einen persönlichen Bezug hatte. So wurde Geld für die Opfer der Deepwater-Horizons-Katastrophe und des Erdbebens in Fukushima bereitgestellt. Dieses floss hauptsächlich in Photovoltaikanlagen, die unter anderem von Musks Firma Solar City bereitgestellt wurden.

2010 erhielt die gemeinnützige Organisation Kitchen Community 183.000 Dollar. Diese stellt öffentliche Gärten für Kinder zur Verfügung und wird von Musks Bruder geleitet. Die Kitchen Community heißt inzwischen Big Green und hat in den vergangenen acht jahren 47 Millionen an Spenden eingesammelt. Rund eine halbe Million kam aus den Koffern der Musk-Stiftung. Musks Bruder erhielt als Chef der Organisation zwischen 2010 und 2016 eine Aufwandsentschädigung von knapp 85.000 Dollar. Allerdings hat Musks Bruder laut Angaben von Big Green 130.000 Dollar aus eigener Tasche für das Projekt gespendet.

Kinder

Die Mirman School for Gifted Children, die damals von Musks Söhnen besucht wurde, hat zwischen 2011 und 2013 50.000 Dollar von der Musk Foundation erhalten. Nach 2012 wurden auch die Rock and Roll Hall of Fame, die Polizei von Los Angeles und eine NGO für Frauen in New Yorks Film-, Fernseh- und Digitalmedienbranche unterstützt. Drei Zahlungen in Höhe von je 25.000 Dollar gingen an die Organisation "Angelenos Against Gridlock", die etwas gegen die kronische Verstopfung des Highways "Interstate 405" unternehmen wollte. Diese Straße nutzt Musk auf seinem Weg von zuhause ins Hauptquartier von Space X.

2015 hatte die Stiftung bis auf 60.000 Dollar ihr gesamtes Guthaben gespendet. Musk stellte daraufhin 1,2 Millionen Tesla-Anteile zur Verfüguing, die damals fast 255 Millionen Dollar wert waren. Aus steuerrechtlichen Gründen müssen Privatstiftungen in den USA jedes Jahr fünf Prozent ihres Vermögens einsetzen. Das brachte die Stiftung in Zugzwang. Musk erklärte 2015, er wolle eine Milliarde Dollar in die Eröffnung des OpenAI-Instituts investieren, das sich für sichere künstliche Intelligenz einsetzt. Allerdings durfte das Institut 2016 keine Spenden annehmen, weil das US-Finanzamt noch prüfte, ob es sich um eine Non-Profit-Unternehmung handelte.

Nicht ungewöhnlich

Stattdessen gab die Stiftung zehn Millionen Dollar an YC.org, eine gemeinnützige Organisation, die Projekte unterstützt, die die Probleme der Welt lösen sollen. YC.org wird von Sam Altman geführt, der ein Direktor bei OpenAI und Präsident von Y Combinator ist. YC hat einige Monate später zehn Millionen Dollar an OpenAI gespendet. Allein der wissenschaftliche Leiter bei OpenAI hat 2016 1,9 Millionen Dollar verdient. Weitere 37,8 Millionen Dollar aus dem Stiftungsetat gingen 2016 an Vanguard Charitable, einen Fonds, der gemeinnützige Spenden steuerschonend verwaltet und nach und nach verteilt. Wer von diesem Geld am Ende profitiert, ist aufgrund der Struktur kaum nachvollziehbar.

Weder Musk noch sein Bruder haben von ihrer Tätigkeit für die Musk Foundation Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet. Dass die Stiftung Projekte finanziert, zu denen der Eigentümer persönliche Verbindungen hat, ist nicht ungewöhnlich. Viele wohlhabende Individuen unterstützen beispielsweise die Schulen ihrer Kinder mit Spenden. Die Zuwendungen an Big Green sind ebenfalls nicht problematisch. Elon Musk ist nicht in das Tagesgeschäft dort involviert und wusste nicht, dass sein Bruder eine Aufwandsentschädigung von Big Green erhält. Nachdem das bekannt wurde, floss kein weiteres Geld mehr. Seit Mittwoch wurden die Stiftungszwecke auf der Webseite um einen Eintrag ergänzt, der "die Entwicklung sicherer künstlicher Intelligenz" festhält.