Digital Life
29.12.2018

Kiffen, Kampfroboter und Kinderschänder: Die Heldentaten des Elon Musk 2018

Wenn jemand das Technik-Jahr dominiert hat, dann Elon Musk. Auch abseits seiner Professionen sorgt der Unternehmer für Aufsehen.

Eines steht fest: Ohne Elon Musk wäre das Technik-Jahr um einiges langweiliger gewesen. Als CEO von Tesla, SpaceX und der Boring Company hat er wesentlichen Anteil an den technologischen Entwicklungen und Trends; als Persönlichkeit sorgt er mit seinen Vorhaben, Eskapaden und umstrittenen Aussagen regelmäßig für Aufsehen und Kopfschütteln.

Wenn all seine Ankündigungen auch umgesetzt werden, haben wir 2019 wieder jede Menge zu berichten: Musk will beispielsweise Ziegelsteine verkaufen, Süßigkeiten herstellen, einen gigantischen Kampfroboter bauen und einen mittelalterlichen Wachturm errichten. Auf diesem Turm soll ein Ritter stehen, der Passanten mit französischen Akzent beschimpft - so wie im Film "Ritter der Kokosnuss".

Keine Zombies, dafür aber französische Ritter

Glücklicherweise hat er das Vorhaben, eine Zombie-Fabrik aufzubauen, abgeblasen: "Die Gerüchte, dass ich die Zombie Apokalypse herbeiführen will, um die Verkäufe meines Flammenwerfers anzukurbeln, sind völlig falsch."

Wer jetzt lachend den Kopf schüttelt, sollte bedenken, dass Musks in der Vergangenheit einige seiner kuriosen Ankündigungen tatsächlich umgesetzt hat. Mit seinen Flammenwerfern - besser gesagt mit seinen Nicht-Flammenwerfern - hat er einen Millionenumsatz erzielt und der anfangs belächelte Tunnel wurde auch gegraben.

Höhlentaucher vs. Musk

Für den größten Kopf-Tisch-Moment hat wohl der Schlagabtausch zwischen Musk und dem thailändischen Höhlentaucher gesorgt. Medienwirksam wollte Musk die in der Höhle eingeschlossenen Kinder mithilfe eines SpaceX-Mini-U-Boots befreien.

Als ihm ein an der tatsächlichen Rettung beteiligter Höhlentaucher einen PR-Stunt unterstellte und über ein TV-Interview ausrichten ließ, er soll sich sein U-Boot dahin schieben, wo es weh tut, ist Musk völlig ausgerastet. Auf Twitter beschimpfte er den Höhlentaucher übel und bezeichnete ihn als pädophil. Die Auseinandersetzung ging noch einige Male hin und her: Musk entschuldigte sich, nannte ihn aber erneut einen Pädophilen, der Höhlentaucher klagte daraufhin.

Kiffender Musk

Für Irritation, zahllose Memes und viel Gelächter hat ein Musk-Interview geführt, in dem Musk kifft, Alkohol trinkt und mit seinem Flammenwerfer schießt. Da seine Firma SpaceX eng mit der NASA und der US Air Force zusammenarbeitet, hat die US-Weltraumbehörde eine Sicherheitsüberprüfung gegen das privaten Raumfahrtunternehmens eingeleitet.

"Musk ist der Sicherheit der Astronauten verpflichtet. Er sieht ein, dass sein Verhalten nicht angebracht war. Ihr werdet so etwas nicht mehr sehen", sagte NASA-Chef Jim Bridenstine.

Tesla-Achterbahnfahrt

Wie es im vergangenen Jahr um Musks E-Autounternehmen stand, ist am besten am Börsenkurs abzulesen: rauf und runter und wieder rauf. Während die Verkäufe und die Produktion des Model S und Model X problemlos zu klappen schien und nicht unwesentlich vom Handelskrieg zwischen China und den USA beeinflusst wird, sorgte das Model 3 bei Musk für Kopfzerbrechen.

Die Produktionsschwierigkeiten beim Model 3 ließen Gerüchte laut werden, Tesla könnte demnächst in die Pleite schlittern. Musk machte sich daraufhin über die Insolvenzgerüchte lustig, musste aber später zugeben, dass sein Unternehmen tatsächlich nahe am Abgrund stand.

420: Dollar oder Datum?

Mitten in den Turbulenzen rund um Tesla verschärfte Musk die gesamte Situation mit einem Tweet. Darin kündigte er an, das Unternehmen beim Aktienkurs von 420 Dollar privatisieren zu wollen, die dafür notwendigen Mittel würden zur Verfügung stehen. Die Aktie schoss in die Höhe und rief die US-Börsenaufsicht SEC auf den Plan.

Da sich Musks vollmundige Ankündigung immer mehr als Luftblase herausstellte, einigte sich der Tesla-CEO mit der Börsenaufsicht auf eine Strafzahlung in Millionenhöhe und trat als Chairman zurück.

Randnotiz: Dass der von Musk genannte Preis von 420 Dollar kein Zufall war, glaubt jedenfalls die SEC, wie aus ihren Unterlagen hervorgeht: "420" sei ein Code in der US-amerikanischen Kifferszene, heißt es darin.

Musk auf dem Weg zum Mars

Wirklich Nachhaltiges kam von Musk in Sachen Raumfahrt. Neben zahlreicher erfolgreicher Starts und Landung der SpaceX-Falcon-Raketen, ist im Februar zum ersten Mal die Falcon Heavy abgehoben. Der erfolgreiche Erstflug der SpaceX-Schwerlastrakete soll den Beginn eines neuen Zeitalters der privaten und der US-amerikanischen Raumfahrt markieren.

Mit dem ersten Launch der Falcon Heavy durfte aus Sicherheitsgründen keine "echte" Fracht in den Weltraum transportiert werden. Also hat Musk in den Frachtraum der Rakete einen roten Tesla Roadster gepackt. Am Steuer saß ein Astronauten-Dummy, gespickt war das Fahrzeug mit zahlreichen popkulturellen Anspielen und einigen Kameras, die für unvergessliche Bilder sorgten.

Neben den Falcon-Fortschritten gab Musk auch sein nächstes Großvorhaben in Sachen Raumfahrt bekannt: Die Big Fucking Rocket. Mittlerweile wurde die in Konstruktion befindliche Riesenrakete in Starship Super Heavy umbenannt. Sie soll Menschen künftig auf der Erde von einer Stadt in eine andere bringen, und zwar über den Umweg des Erd-Orbits. Auch für Flüge zum Mars soll das Starship Super Heavy dienen.

Lizenz zum Gelddrucken

Wenn Musk und SpaceX schon zuverlässige Vehikel haben, um Fracht ins All zu bringen, dann ist davon auszugehen, dass sie das auch machen. Ende Februar wurden mit einer Falcon 9 die ersten Test-Satelliten des Projekts "Starlink" in den niederen Erdorbit befördert.

Insgesamt will SpaceX mehr als 10.000 solcher Mini-Satelliten im Orbit platzieren und damit Breitbandinternet für den gesamten Globus anbieten. Gehen die Starlink-Pläne auf, wäre das quasi wie eine Lizenz zum Geld drucken.

Ausblick auf 2019

Ganz oben auf dem Plan für 2019 steht zunächst der erste bemannte Flug einer Falcon 9 Rakete samt Dragon-Kapsel. Am Montag den 7. Jänner 2019 soll zum ersten Mal eine SpaceX-Rakete mit der Crew-Version der Dragon-Raumkapsel in Richtung Weltall abheben. Verläuft alles erfolgreich, könnten im Juni erstmals Astronauten von SpaceX ins All befördert werden.

Die ersten vollwertigen Starlink-Satelliten sollen auch im kommenden Jahr ins All geschossen werden, sodass das Netzwerk bereits 2020 online gehen kann.

Ebenso sollen im kommenden Jahr erste Testflüge mit der Big Fuc... äh Starship Super Heavy stattfinden. Ob es tatsächlich dazu kommt, darf bezweifelt werden. Denn auch bei der Falcon Heavy konnte der knappe Zeitplan nicht eingehalten werden, sodass der erste Flug immer weiter nach hinten verschoben werden musste.

Bei Tesla steht der Europa-Start des Model 3 an. Dabei wird sich zeigen, wie gut der doch nicht ganz so günstige Mittelklassewagen in Europa ankommt und ob Tesla die Produktionsanforderungen aufrechterhalten kann.

Im März will Musk einen neuen elektrischen SUV präsentierten. Das Model Y wird demnach auf der Architektur des Model 3 basieren. Daher ist davon auszugehen, dass es zu einem deutlich niedrigeren Preis verkauft werden soll, als das aktuelle Tesla-SUV Model X. Die Produktion soll 2019 beginnen, Marktstart ist für 2020 geplant.