Digital Life
23.11.2018

Wie Elektroschrott die Umwelt zerstört und was man dagegen tun kann

Ein neuer Film zeigt die Schattenseite des Tech-Booms, an der auch Österreich beteiligt ist.

„Willkommen in Sodom – Dein Smartphone ist schon hier“: so wird der österreichische DokumentarfilmWelcome to Sodom“ beworben, der ab heute in den Kinos zu sehen ist.  Sodom ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Stadtteil Agbogbloshie in der ghanesischen Hauptstadt Accra, der als größte Elektroschrott-Müllhalde der Welt gilt. Jährlich werden rund 250.000 Tonnen an alten Computern und Handys hierher gebracht, wo sie von den rund 40.000 dort lebenden Menschen zerlegt und verwertet werden. Einst lag hier ein Sumpfland, in dem dem zahlreiche wilde Tiere lebten - heute gilt die Gegend als einer der am verseuchtesten Orte der Welt.

Sodom

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Schon mehrfach diente Sodom Medien, um Schlagzeilen mit schockierenden Momentaufnahmen zu produzieren. „Dementsprechend groß ist die Skepsis gegenüber Außenstehenden“, sagt Florian Weigensamer, Regisseur des Films zur futurezone. Gemeinsam mit Produzent Roland Schrotthofer verbrachte er einige Monate dort und näherte sich vorsichtig an: Das Ergebnis ist ein Werk, das nicht nur pessimistische Bilder im Stil eines „Mad Max“-Films zeigt, sondern Menschen porträtiert, die Teil eines globalen Kreislaufs sind: So sammeln Kinder etwa kleine Metallteile mit Magneten vom Boden der Müllhalde auf und verkaufen diese anschließend an Händler, die sich nach den Rohstoffpreisen an den Börsen richten – diese können sie auf ihren Smartphones abrufen.

Schrott aus Wien

Auch in Österreich wird viel Müll produziert, der eventuell seinen Weg nach Sodom findet. Laut dem aktuellen SDG-Index, der gemeinsam von der Bertelsmann Stiftung und dem Sustainable Development Solutions Network entwickelt wurde, produziert Österreich pro Kopf jährlich 22 Kilogramm Elektroschrott. Zum Vergleich: In China sind es nur 4,4 Kilogramm, in der Schweiz 26,3 Kilogramm. Deutschland liegt mit Österreich gleichauf. Es ist nicht klar dokumentiert, wie viele Geräte illegal entsorgt werden und wo genau sie landen. „In Deutschland werden aber zum Beispiel nur rund 40 Prozent der Elektrogeräte ordnungsgemäß entsorgt“ sagt Weigensamer.

In Wien warnt die MA48 vor allem vor sogenannten „Kleinmaschinenbrigaden“, welche inoffizielle Müll-Sammlungen veranstalten und den Schrott illegal ins Ausland bringen. Dort werden in Hinterhöfen die wertvollen Materialien extrahiert, der unverwertbare Abfall landet entweder im Wald oder eben auf Deponien wie jener in Ghana. Dadurch verliert Österreich wertvolle Rohstoffe, heißt es von der MA48: Allein aus Wien werden jährlich etwa 16.000 Tonnen Abfall illegal ins Ausland exportiert. Das entspricht etwa einem Wert von zwei Millionen Euro.

Wie man richtig entsorgt

Stattdessen wird empfohlen, selbst kleine Elektrogeräte nie im Restmüll zu entsorgen. Defekte Haushaltsgeräte können in Wien kostenlos auf den MA48-Mistplätzen abgegeben werden. Auch der Handel muss alte Elektrogeräte entgegennehmen, wenn die Filiale größer als 150 Quadratmeter ist. Die registrierten Entsorgungsstellen haben entsprechende Aufzeichnungspflichten, in denen sie zum Beispiel die Müllmenge, die Inhalte und die weitere Entsorgung festhalten. Es ist auch möglich, den Müll legal ins Ausland zu bringen, dazu braucht der Entsorger aber eine entsprechende Genehmigung des Umweltministeriums.

Alte, aber noch funktionierende Geräte kann man auf den Mistplätzen auch in die Tandlerbox geben. Die Geräte werden dann beim 48er-Tandler im 5. Bezirk verkauft, der Erlös daraus kommt sozialen Projekten zugute. Zudem gibt es eine gewisse Auswahl an Online-Marktplätzen, Flohmärkten und Taschbörsen in Wien, eine entsprechende Liste hat die MA48 unter diesem Link zusammengestellt. Und bei Betrieben des Reparatur-Netzwerks kann man entweder sein Gerät spenden, so dass es repariert und weiter verkauft wird - oder man lernt in DIY-Workshops, wie man die Geräte selber repariert. 

Lebensfreude trotz Leid

Was die lange Recherche hinter dem Film übrigens auch bewirkt hat: Er schafft nicht bloß ein einseitiges Bild vom Leiden der Menschen in Sodom - sondern zeigt auch, dass die Menschen dort trotz allem eine gewisse Lebensfreude pflegen. So basiert der Titel des Films etwa auf dem Song eines auf der Müllhalde lebenden Rappers. Das Lied wurde auf Computern produziert, die der Musiker auf der Müllhalde gefunden hatte. Vielleicht gehörten sie ja mal einem Österreicher.