Viertel Zwei in Wien ist eine der Energy Communities

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Digital Life
12/09/2019

Wie Energy Communities gemeinsam Strom produzieren

In Wien wird mit einem Gemeinschaftsprojekt experimentiert, bei dem Bewohner selbst Energie herstellen und über die Nutzung entscheiden.

von Florian Christof

Während in Einfamilienhäusern jeder Haushalt seine eigene Photovoltaikanlage am Dach installieren kann, ist es gerade für Bewohner in Städten schwierig, Strom direkt aus Solaranlagen zu beziehen. Die erst kürzlich beschlossene EU-Richtlinie "Clean Energy Package" soll dies in Zukunft im Rahmen von so genannten Energiegemeinschaften ermöglichen und erleichtern.

In diesen Energy Communities wird selbst produzierte, überschüssige Energie direkt an andere Haushalte weiterverkauft, anderweitig verwendet oder auch lokal gespeichert.

Solarstrom in der Stadt

Im Wiener Viertel Zwei im zweiten Wiener Gemeindebezirk experimentiert Wien Energie gerade an einem solchen Gemeinschaftsprojekt. Dort produzieren Photovoltaikanlagen für die Bewohner des Stadtteils insgesamt 100 KWp (Kilowattpeak). Jedem Teilnehmer der Energiegemeinschaft ist ein kW zugeordnet. Was sie damit machen, ob sie den Strom selbst verbrauchen, die nicht verbrauchte Energie an andere Teilnehmer weiterverkaufen oder an der Strombörse handeln, können die Bewohner selbst entscheiden.

Für die dafür nötige Infrastruktur und Software-Entwicklung investiert Wien Energie für eine Laufzeit von etwa fünf Jahren insgesamt mehr als zwei Millionen Euro in das Projekt im Wiener Viertel Zwei.

Weniger CO2

"Durch die intelligente Energieverteilung in solchen Energiegemeinschaften verfällt der wertvolle Öko-Strom nicht. Wir können dadurch Strom effizienter einsetzen", erklärt Wien Energie-Geschäftsführer Michael Strebl. "Wir sind überzeugt, dass solche Energienetzwerke oder Bürger-Energiegemeinschaften die Zukunft sind. Und die ganze Stadt profitiert von weniger CO2."

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg ist die Zusammensetzung einer Energiegemeinschaft, sodass die einzelnen Teilnehmer idealerweise zu unterschiedlichen Tageszeiten ihren Spitzenverbrauch haben: Einerseits Familienhaushalte, die am Morgen und am Abend viel Strom benötigen und andererseits Büros, die während des Tages die meiste Energie verbrauchen.

Dadurch lassen sich die Spitzen im Stromverbrauch abflachen, sodass relativ gleichmäßig, ähnlich viel Energie bezogen wird, wodurch eine Photovoltaikanlage wesentlich effizienter genutzt werden kann. Das Ziel: Möglichst wenig zusätzliche Energie über das öffentliche Netz zu beziehen und den Strom gleich dort zu verbrauchen, wo er erzeugt wird.

Bei Wien Energie geht man davon aus, dass auf diese Weise der einzelne Haushalt doppelt so viel Sonnenenergie selbst nutzen kann und sich das Energiemanagement dadurch wesentlich umweltfreundlicher gestalten lässt.

Energiewende

Aktuell sind mehrere solche gemeinschaftliche Solaranlagen in Planung. "Können alle derzeit geplanten Projekte umgesetzt werden, entspricht das 10.000 Quadratmetern Dachfläche und rund 700.000 Kilowattstunden Sonnenstrom im Jahr. Die Gemeinschaftsanlagen sparen damit zusammen jedes Jahr 250 Tonnen CO2 ein", heißt es von Wien Energie.

Bei dem Energieversorger geht man davon aus, dass die Energy Communities einen wesentlichen Anteil an der Energiewende leisten werden. Die Energiewirtschaft werde dezentraler und es gebe immer mehr Partner, die nicht nur Energie-Abnehmer sind, sondern auch welche, die in das System zurück speisen, so der Wien Energie-Geschäftsführer: "Es geht heutzutage nicht ohne Kooperation und Anpassung. Die Umwelt verändert sich, wir tun das auch. Waren unsere Kraftwerke früher zentral geführt, erzeugen wir heute auch gemeinsam mit den Kunden die Energie, etwa mit Solaranlagen auf Hausdächern."

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Wien Energie.