Leere Regale in Supermärkten lassen Wucherer auf das große Geschäft hoffen

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Digital Life
03/22/2020

Wucherpreise auf willhaben: Verwirrung um Sperre von Nutzer

Das Kleinanzeigen-Portal willhaben.at plagt sich derzeit mit der Bekämpfung von Wucherpreisen für Klopapier und Desinfektionsmittel.

Als die ersten Klopapier-Regale bei den Supermärten leer waren, tauchten die Wucherer auf. Besonders auf dem Portal willhaben.at tummeln sich unverschämte Inserate. Eine Packung Klopapier wurde etwa um 50 Euro angeboten. Manche verkauften sogar einzelne Rollen um 10 bis 20 Euro.

Jetzt hat sich die Situation auf Desinfektionsmittel, Schutzmasken und Schutzbrillen ausgeweitet. Ein futurezone-Leser wollte etwas dagegen unternehmen – und wurde laut eigenen Aussagen deshalb von willhaben gesperrt. willhaben hingegen meint, die Sperre habe andere Gründe.

„Seit 5 Tagen verfolge ich das Treiben auf dieser Plattform und habe es mir, bedingt durch die Zeit zu Hause, etwas zur Aufgabe gemacht ein paar dieser Wucherer darauf aufmerksam zu machen, dass sie neben ihrem charakterlosen Verhalten auch rechtliche (Straf)tatbestände erfüllen. Leider mit dem Ergebnis, dass ich von willhaben nun für 2 Wochen gesperrt wurde.“

Der Leser vermutet, dass er von einigen der Wucherern gemeldet und deshalb von willhaben gesperrt wurde. Er hat einige Beispiele für die Wucherpreise gesammelt: „50ml Balea Hygienegel von DM (Neupreis ~0,85 Euro) werden um bis zu 10 Euro als wirksamer Schutz gegen COVID-19 angeboten – Fun Fact: Das Mittel wirkt nur antibakteriell.“

Weitere Fundstücke von sind etwa „Heilsteine zum Räuchern“, die gegen Corona helfen sollen, ein Liter Desinfektionsmittel um 300 Euro und ein Lysoform Desinfektionsspray um 80 Euro, der in Drogeriemärkten um 7 Euro verkauft wird.

willhaben: User hat andere Nutzer beschimpft

willhaben selbst stellt in einem Statement gegenüber der futurezone die Sache anders dar. Demnach habe man "intern recherchiert" und einen unlängst gesperrten Nutzer ausgemacht, auf den die Angaben im futurezone-Artikel zutreffen. Es sei "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der im Artikel zitierte User", wie es vonseiten der Plattform heißt.

"Der betreffende User, den wir (aus unserer Sicht zurecht) gesperrt haben, wurde nicht einmal ansatzweise deswegen geblockt, weil er sich über Wucher beschwert hat, sondern weil er in diesem Zusammenhang Leute mit sehr vulgären Nachrichten beschickt hat", so willhaben weiter.

Man wolle die obszönen Nachrichten an dieser Stelle nicht zitieren. "Die Nachrichteninhalte wurden uns von den betroffenen Usern im Rahmen von Meldungen in diesem Zusammenhang weitergeleitet, wir haben daraufhin eine temporäre Sperre des betreffenden Users vorgenommen", so der Plattform.

Maßnahmen von willhaben

Seit sich das Coronavirus verstärkt auch in Österreich ausbreitet, wurden auf der Plattform vereinzelt etwa für Klopapier, Desinfektionsmittel oder Atemschutzmasken stark erhöhte Preise verlangt. "Die Situation ist nicht ganz einfach, weil man nicht ganze Bereiche einfach sperren kann", erklärte Andreas Pucher der APA. Es habe auch User gegeben, die solidarisch Toilettenpapier verschenkt haben. "Wir gehen allerdings rigoros gegen massiv überteuerte Produkte und/oder Dinge mit Corona-Verweis vor." Oft handle es sich auch um Scherzinserate, die man aber trotzdem nicht auf willhaben dulde.

Weiters würden Anzeigen, die Produkte anbieten, die irgendeine Wirkung gegen Corona haben sollen, entfernt. "Die Wirkung kann hier im Einzelfall nicht von uns bestätigt oder geprüft werden". Pucher bittet User, die entsprechende Anzeigen finden, die Meldefunktion zu nutzen.