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07/04/2019

Luigi’s Mansion 3 angespielt: Klempnerbruder mit Schleimzwilling

Luigi tritt aus dem Schatten seines Bruders Mario hervor und bekommt ein eigenes Spiel, in dem er auf Geisterjagd geht.

von Michael Leitner

Luigi stand stets im Schatten seines großen Bruders Mario. 2001 bot sich erstmals die Chance, das Image der ewigen Nummer zwei abzuschütteln. In “Luigi’s Mansion” übernahm der etwas schusselige, aber liebenswürdige Underdog die Hauptrolle. Dieses Mal musste er Mario aus einem Spukhaus retten. Bewaffnet mit einem Staubsauger, der dermaßen stark ist, dass man damit Geister fangen kann, zitterte sich Luigi durch die Level.

Mit dem Titel bewies Nintendo früh, zu welchen eindrucksvollen grafischen Leistungen der Gamecube imstande war. Auch spielerisch wusste Luigi’s Mansion zu überzeugen. Doch trotz guter Verkaufserfolge dauerte es zwölf Jahre, bis mit Luigi’s Mansion 2 ein Nachfolger für die Handheld-Spielkonsole 3DS erschien. Jetzt steht der Sprung auf die nächste Generation an. Luigi’s Mansion 3 soll im Laufe des vierten Quartals für die Nintendo Switch erscheinen. Die futurezone durfte bereits auf Geisterjagd gehen und das Action-Adventure vorzeitig anspielen.

Mit Staubsauger und Schleim gegen Geister

Wie bei Horrorfilmen weicht man von der Erfolgsformel nicht ab. Luigi wird, gemeinsam mit Mario und Freunden, in ein Hotel eingeladen. Das stellt sich jedoch als Falle von King Boo heraus, aus dessen Fängen Luigi nun seine Freunde befreien muss. So weit, so simpel. Auch an der Spielmechanik hat sich wenig geändert. Luigi bekommt mit dem Poltergust G-00 eine neue Variante des leistungsstarken Geister-Staubsaugers zur Verfügung gestellt, die zusätzliche Funktionen bietet. Geister müssen nach wie vor mit der Taschenlampe geblendet werden, um diese einsaugen zu können. Einige Geister verfügen aber über einen Schild und können sich davor schützen.

Hier kommt eine neue Funktion des Poltergust G-00 zum Einsatz: die Saugglocke. Luigi verschießt das Standard-Werkzeug jedes Klempners auf alle möglichen Objekte und kann diesen mit dem Staubsauger zu sich ziehen. So lässt sich auch die Defensive des mit dem Schild ausgestatteten Geistes brechen. Die Geister wehren sich, je nach Stärke, meist und müssen hin und wieder länger angesaugt werden, bis sie nachgeben. Sie können mit gezieltem Knopfdrücken durch die Gegend und auf andere Geister geschleudert werden. Mit der Saugglocke lassen sich auch Türen öffnen, Schalter betätigen, Objekte durch die Gegend schleudern und Verstecke offenlegen.

Kampf mit Hürden

Für leichte Verwirrung sorgt weiterhin die Steuerung. Während man Luigi mit dem linken Stick bewegt und dreht, ist der rechte Stick für das Zielen verantwortlich. So kann man, wie in einem Shooter, die Waffe frei nach oben und unten richten. Das erfordert aber etwas Übung, da man instinktiv den rechten Stick verwenden will, um sich schnell zu drehen. Tatsächlich bewirkt man damit aber nur, dass Luigi die Ausrichtung seiner Waffe bei gleicher Blickrichtung anpasst. Der Lichtkegel der Taschenlampe fungiert als Zielhilfe.

Abgesehen davon steuert sich Luigi aber relativ intuitiv, vor allem der Kampf macht nach etwas Übung sehr viel Spaß und ist dank Gegnermassen in einigen Räumen durchaus fordernd. Das präzise Zielen wird im Kampf auch nur selten benötigt. Meist ist das für Rätsel, beispielsweise versteckte Schalter, notwendig. Ebenfalls unterhaltsam, wenn auch sinnlos: Luigi kann lose Gegenstände, wie Obst oder Kisten, ansaugen und auf die Geister werfen. Diese reagieren verärgert, Schaden richtet es aber nicht an.

Mithilfe des Poltergust kann Luigi auch “Gooigi” erschaffen, ein aus Geisterschleim geformtes Ebenbild. Da die Luigi-Kopie einen Wackelpudding-ähnlichen Körper hat, kann man sich mit Gooigi beispielsweise durch Fallen oder Gitter durchzwängen. Luigi bleibt, sobald man die Kontrolle über Gooigi übernimmt, regungslos und schlafend zurück. Optional kann auch ein zweiter Spieler die Rolle von Gooigi übernehmen und so beim Lösen der Rätsel helfen. 

Multiplayer für acht

Die Rätsel sind ansprechend, aber keine große Herausforderung. Mal soll ein Schalter betätigt, ein anderes Mal ein Windrad mit dem Poltergust betrieben werden. Der einzige Punkt, an dem ich etwas ins Schwitzen kam, war der Boss am Ende des Levels, bei dem man in einer der wenigen Angriffspausen die Schwachstelle ausfindig machen musste.

Das Leveldesign soll etwas mehr Abwechslung bieten als in den Vorgängern. Dazu holt man sich mehr Spielraum: Luigis Freunde sind in magischen Gemälden gefangen, in die man eintauchen muss. Von der neuen Vielfalt war in der Demo, die in einem antiken Weinkeller spielte, nur wenig zu sehen. Doch die für Nintendo typische Detailverliebtheit machte sich auch hier bemerkbar. Betritt man das erste Mal einen neuen Raum, ist dieser meist dunkel und lässt kaum Details erkennen. Hier stechen die nahezu neonfärbigen Geister stark hervor. Erst nachdem man alle Geister beseitigt hat, wird das Licht im Raum stärker und alle Details und mögliche Geheimnisse offenbaren sich. Das Spiel lädt so auf geschickte Art und Weise zum Erkunden des Raums ein.

Leider bot Nintendo keine Gelegenheit, den lokalen Koop-Modus oder die neuen Multiplayer-Features auszprobieren. Letztere erlauben es bis zu acht Spielern (vier Paare mit je einem Luigi und Gooigi), sich gemeinsam durch Levels zu kämpfen.

Hoffen auf Weihnachten

Luigi’s Mansion 3 ist das heimliche Highlight von Nintendos hauseigenen Titeln dieses Jahr. Die Konkurrenz ist mit Pokémon und Zelda stark, doch Marios Bruder hat das Potenzial, eines der besten Action-Adventures für die Nintendo Switch abzuliefern.

Im Vergleich zum nahezu kinderleichten Kirby Star Allies und dem zeitweise frustrierend schweren Donkey Kong Tropical Freeze dürfte sich der Schwierigkeitsgrad von Luigi’s Mansion 3 auf dem richtigen Niveau einpendeln. Es bleibt zu hoffen, dass der fehlende Veröffentlichungstermin - bislang war nur vom vierten Quartal 2019 die Rede - kein Zeichen dafür ist, dass es auf 2020 verschoben wird.