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Games
10/04/2020

"Mafia Definitive Edition" im Test: Der Don unter den Remakes

Die zeitlose Story des PS2-Klassikers funktioniert auch nach 18 Jahren noch und sieht dabei fantastisch aus.

von Franziska Bechtold

18 Jahre nachdem das Spiel auf der PS2 erschien, kehrt "Mafia" zurück. Die Definitive Edition ist mehr als eine grafisch aufpolierte Kopie des Originals. Auch wenn das Gameplay ein bisschen angestaubt ist, besteht die spannende Geschichte den Test der Zeit. Während große Teile der Popkultur sich derzeit in den 80ern festgebissen haben, ist ein Ausflug in die 1930er und 40er überraschend erfrischend, auch wenn man die Mafia-Spiele bereits kennt.

Familiengeschichte

In der fiktiven Stadt Lost Heaven, die stark an New York erinnert, trifft sich Protagonist Thomas „Tommy“ Angelo mit einem Polizisten. Er möchte aus seiner "Familie" (also der Mafia) aussteigen und erzählt seine Lebensgeschichte. Aus einer Zufallsbegegnung mit den beiden Mobstern Sam und Paulie wird Tommy zum Aushilfsgangster und findet seine neue Familie beim Mobboss Don Salieri.

Schnell steigt er im Rang auf, erlangt das Vertrauen von Salieri, baut eine Freundschaft zu Sam und Paulie auf und verliebt sich in Sarah, die Tochter eines Mitglieds der Mafia-Familie. Gleichzeitig herrscht ein erbitterter Krieg zwischen der Salieri- und der Morello-Familie, der immer brutalere Züge annimmt. Tommy zeigt zwar immer wieder Gnade und widersetzt sich seinen Aufträgen, Verräter zu ermorden. Doch je länger er für Salieri arbeitet, desto schwieriger wird es, sich den Methoden der Mafia zu widersetzen.

Verbesserte Story

Die Geschichte ist so zeitlos, wie eine Gangster-Geschichte sein kann. Wie der Pate, Scarface oder Die Sopranos funktioniert auch die Geschichte von Mafia immer noch. Nicht, dass sich der Plot des Spiels mit diesen Geschichten messen könnte, doch er ist spannend und trägt sich über die rund 20 Stunden Spielzeit. In ihren Grundzügen ist die Geschichte identisch mit dem Original. An der ein oder anderen Stelle hat man sie aber modernisiert und das ist gut so.

Zwar ist Tommy weiterhin von Zweifeln geplagt und zeigt Mitleid - anders als im Original entscheidet er sich aber bewusst für das Mafia-Leben. Solche kleinen Veränderungen wirken auf den ersten Blick unscheinbar, machen die Figur aber ambivalenter. Mit erweiterten und neuen Zwischensequenzen hat man die emotionale Bandbreite der Geschichte und der Beziehungen zwischen den Figuren ausgebaut. Insbesondere Tommys Beziehung zu Sarah wurde mehr Zeit eingeräumt und sie wird als starke Frau an Tommys Seite inszeniert.

Angestaubtes Gameplay

Dabei bleibt Tommy gerade noch sympathisch genug, dass man seine Entscheidungen nachvollziehen kann und die Gewalt als etwas Abstoßendes wahrnimmt. Desto tiefer sich die Spielfigur in die Machenschaften des Mobs verstrickt, desto normaler wird sie jedoch. Selten ist mir in einem Spiel so deutlich die Gewalt aufgefallen, wenn man immer wieder auf gesichtslose Gangster oder Polizisten ballert. Aber so viel sei verraten: In der Spielewelt bleibt nichts ungestraft.

Sehr abwechslungsreich ist das Spiel aber leider nicht. Zwischensequenz, fahren, Zwischensequenz, schießen – das nimmt den Großteil des Spielgeschehens ein. Das berüchtigte Autorennen und einige Schleichpassagen lockern das dann immerhin auf. Ich habe das Spiel die meiste Zeit auf „normal“ gespielt, darunter gibt es noch „leicht“, darüber stehen „klassisch“ und „schwer“. „Normal“ ist wirklich einfach, aber ich bin nicht überzeugt davon, dass ein Spiel besser wird, wenn es schwerer ist. Wenn die Standardeinstellung „normal“ ist, dann soll es mir auch auf „normal“ Spaß machen. Der "klassische" Modus ist so mühsam wie das Original. Das Zielen ist grausam und bei jedem umgefahrenen Verkehrsschild hat man die Polizei auf den Fersen. Wer möchte, kann das aber unabhängig vom Schwierigkeitsgrad anpassen.

Das Spiel wurde zu einem Deckungsshooter umfunktioniert. Das ist eine Verbesserung zum Original, macht aber nicht sehr viel Spaß. Langweilig wird es deshalb aber nicht, denn man will ja wissen, wie die Geschichte weiter geht. Das Timing ist gut, die Level haben genau die richtige Länge. Heute würde man von einem Spiel mehr Abwechslung und mehr Strategie erwarten, aber es ist eben ein Remake und das funktioniert – wirklich überraschend – auch heute noch.

Schöne alte Welt

Dass es sich hier um ein Remake und kein Remaster handelt, sieht man vor allem an der Grafik. Die Definitive Edition wurde vollständig neu gebaut und neu vertont. Lost Heaven sieht wie ein echter Ort aus, die Fahrzeuge bieten das perfekte 30er-Flair und die Hauptfiguren sehen zwar nicht perfekt, aber wirklich gut aus. Das Spiel wirkt lebhaft, stimmig und verleitet immer wieder dazu, innezuhalten und die schöne Landschaft zu begutachten. Eventuell ist es vorgekommen, dass ich während einer Mission mehrfach gestorben bin, weil ich nicht fassen konnte, dass man das Wiener Kunsthistorische Museum nachgebaut hatte und zum Schauplatz des Showdowns gemacht hat. Das ist mir vor vielen Jahren, als ich Mafia zum ersten Mal gespielt habe, nicht aufgefallen. 

Zu nah sollte man NPCs oder der Szenerie allerdings nicht kommen, denn dann sieht man, wo eingespart wurde. Aus der Ferne reichen die Bemühungen aber vollkommen, um die richtige Atmosphäre zu erzeugen. Dazu tragen auch die 35 neu eingespielten Songs bei, die während Fahrten im Radio laufen. Eine Fahrt wird gleich unterhaltsamer, wenn lizensierte, zeitgenössische Jazzmusik spielt. Die englische Synchronisation ist sehr gelungen, wenn auch mitunter ein wenig überzogen und voller italienischer Stereotype. Die deutsche Sprachausgabe ist solide, wirkt aber stellenweise ein wenig hölzern.

Fazit

Remakes, Reboots und Remastered sind inzwischen so zahlreich, dass man meinen könnte, den Entwicklern fällt nichts Neues mehr ein. Während das für manche ein schnelles Taschengeld ohne viel Aufwand bedeutet und höchstens ein paar Texturen verbessert wurden, steckt in der "Mafia Definitive Edition" sehr viel Herzblut und das macht sich bemerkbar. Das Spiel schafft es trotz seiner simplen Mechanik bis zum Schluss zu fesseln. Das freie Spiel danach lässt Lost Heaven noch ein bisschen erkunden - außer Collectables zu sammeln gibt es aber nicht wirklich etwas zu tun.

Die 29,99 Euro für Teil 1 der Mafia-Reihe sind gut investiertes Geld. Das Spiel macht heute noch so viel Spaß wie damals - wenn nicht mehr - und die zeitlose Geschichte wurde gelungen modernisiert. Seit 25. September ist das Spiel für PS4, Xbox One und PC verfügbar. Dass auch der 2. und 3. Teil als Remaster (also "nur" grafisch aufpoliert) verfügbar sind, wird Spielern mehrfach mitgeteilt, wenn man Teil 1 starten möchte. Das ist ein bisschen penetrant, nervig und ist eigentlich auch nicht nötig, da Teil 1 ohnehin so gut ist, dass man direkt mit 2 weitermachen möchte.

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