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So verdienen eSport-Profis ihr Geld

Heute findet eines der größten österreichischen eSports-Turniere statt. Bei den A1 eSports Fall Finals werden 5 Games wie Fortnite, Rocket League und League of Legends gespielt. 138 Spieler messen sich beim Live-Event. Besucher sind coronabedingt nicht erlaubt – die Übertragung aus dem Gasometer Wien findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Horrende Summen, wie man sie von den internationalen Wettbewerben kennt, werden hier aber nicht ausgeschüttet. Für League of Legends (LOL) sind insgesamt 5.000 Euro vorgesehen, für Fortnite sind es 1.000 Euro. Die Sieger erhalten davon 2.000 bzw. 500 Euro. Reicht das, um eSport zum Vollzeitjob zu machen?

Sprungbrett Österreich

Ja, sagt Manuel Haselberger, Pressesprecher des eSport Verband Österreich (ESVÖ): "Es gibt einige wenige Pro-Player, die davon schon leben können. Das sind in Österreich ungefähr ein Dutzend". Die spielen allerdings nicht alle für österreichische Teams. So ist etwa der Fortnite-Shootingstar "Aqua" bei den Londoner Cooler Esport unter Vertrag und der 16-jährige Newcomer Eldin "Eldos" Todorovac spielt seit neuestem für Borussia Dortmund Fifa.

"Ich sehe den österreichischen eSport als Sprungbrett für die internationale Szene. Wenn man im Profi-Segment unterwegs sein möchte, muss man international etwas reißen. Es bringt nichts, wenn man jedes nationale Turnier gewinnt. Das ist nett, aber davon kann man nicht leben", so Haselberger.

"Ich verdiene ganz gut"

Einer, der es trotzdem in Österreich geschafft hat, ist Philipp "Phil" Gutmann. Der Fifa-Spieler war bereits bei Sturm Graz unter Vertrag und wurde nun vom FC Wacker Innsbruck verpflichtet. Was er verdient, verrät er nicht, aber "für den österreichischen eSport verdiene ich ganz gut, ich habe ein normales Gehalt", erklärt Gutmann im Gespräch mit der futurezone.

Für Gutmann ist aber ganz klar: Bevor man seine Traum vom eSport-Profi verfolgt, sollte man eine Ausbildung abschließen: „Im eSport geht es ganz schnell nach oben und genau so schnell wieder nach unten. Man sollte etwas in der Hinterhand haben, sonst steht man mit leeren Händen da.“

Wenn sich Jugendliche für den eSport begeistern, sollen sie zunächst die Vereinslandschaft in Österreich durchforsten, rät Haselberger. Hier lerne man, in einem professionellen Umfeld zu spielen, und nicht nur als Hobby zu Hause.

A1 eSport League

Viele Einnahmequellen

Die Einnahmen setzen sich aus vielen Komponenten zusammen. So kann ein Spieler bei einem Verein unter Vertrag sein und erhält möglicherweise eine Wechselprämie und ein fixes Gehalt. Hinzu kommen Preisgelder für gewonnene Spiele.

Doch auch das Marketing darf man nicht außer Acht lassen: Sponsoren- und Werbeverträge bringen zusätzliche Einnahmen, wie in anderen Profi-Sportarten. Die meisten Profis übertragen ihre Spiele live im Internet (Streaming). Zusehende Fans können ihnen Geld spenden, manche Profis zeigen auch Werbung in ihren Übertragungen. Zudem können sie sich so eine Fan-Basis aufbauen und mit ihnen interagieren.

Neben der A1 eSports League Austria ist die eBundesliga (Fifa) das größte österreichische Turnier. Hinzu kommen viele kleine Wettkämpfe. Einige können sich so ein Nebeneinkommen verdienen. „Es gibt viele Spieler, die mal 200, mal 400 Euro im Monat dazu verdienen können. Das sind Preisgelder von Turnieren, oder kleinere Gehälter für Semi-Profis, die sich nur für eine Saison verpflichten“, schätzt Haselberger die Szene ein. Vergleichbar sei das mit Fußballspielern, die in einer 4. Liga auch nicht so viel verdienen, wie die Profis an der Spitze.

Von 100 auf 0

Der ganze eSport-Apparat steckt noch in den Kinderschuhen. Strukturen und Regelungen für Abläufe in Ligen entwickeln sich noch, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene. Das bedeutet Unsicherheit für Geldgeber.

Die meisten eSports-Disziplinen sind in Saisonen organisiert. Bei Fortnite gibt es mehrere Saisonen jährlich, bei Fifa dauert sie ein Jahr. Danach werden die Karten neu gemischt und jeder fängt von 0 an. Selbst wenn die Sieger sich automatisch für die nächste Saison qualifizieren heißt das nicht, dass sie auch die gleiche Leistung abliefern.

Bei Fifa wird etwa immer die aktuellste Spielversion gespielt und die erneuert sich jährlich, erklärt Gutmann. Daher müssen sich die Spieler immer wieder auf neue Mechaniken einstellen und das bringt große Leistungsschwankungen mit sich.

Wirtschaftsfaktor TV-Übertragung

Ein Blick in die USA verrät: Hier läuft alles ein bisschen anders. „Ein stark wachsender Wirtschaftszweig in Amerika sind die TV-Lizenzen“, so Haselberger. Während in Europa nur vereinzelt über Turniere berichtet wird, gibt es in den USA riesige Medienevents und Übertragungen bei großen TV-Sendern wie ESPN, TBS, CW und CBS.

In diesem Jahr füllte der eSport dort die Lücke, die wegen Corona abgesagte Events hinterlassen haben, berichtet Forbes. Durch solche Übertragungen kommen zusätzliche Werbeeinnahmen dazu, die in Europa noch fehlen. Langsam gibt es aber auch hier Tendenzen: Der deutsche Sender Sport 1 hat mit eSports1 eine eigene Plattform gegründet und das deutsche Fußballmagazin „ran“ berichtet regelmäßig über Fifa eSport.

eSport im Koalitionsvertrag

Zumindest aus gesetzlicher Ebene tut sich aber etwas in Österreich. Im Koalitionsvertrag wurde eSport ein eigener Punkt gewidmet. Im Nationalrat wurde nun eine entsprechende Arbeitsgruppe nach einem Antrag der Grünen initiiert. Sie soll die Rechtsgrundlagen und Rahmenbedingungen erarbeiten – etwa wie Spieler ihre Preisgelder zu versteuern haben, aber auch die Themen Jugendschutz und Gemeinnützigkeit spielen eine Rolle. Das soll die nationale eSport-Landschaft weiter beflügeln.

Die Live-Übertragung der A1 eSports Fall Finals startet um 12 Uhr auf dem offiziellen Twitch-Channel der Liga.

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Franziska Bechtold

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