Meinung
31.03.2016

40 Jahre Apple: Wenn Langeweile triumphiert

Apple hat die (Technik-)Welt jahrelang spielerisch beherrscht. Jetzt wirkt Apple immer öfter wie das verstaubte Microsoft der 2000er-Jahre. Ein Kommentar zum 40. Geburtstag.

Wenn Apple am 1. April seinen 40. Geburtstag feiert, kann sich CEO Tim Cook entspannt in seinem Bürosessel zurücklehnen und die Rekordzahlen vor seinen Augen tanzen lassen. 18,4 Milliarden Dollar im Weihnachtsquartal 2015 sind der höchste Gewinn, den ein Unternehmen in der Geschichte jemals erzielen konnte. Der Geldberg, auf dem Apple sitzt, umfasst 216 Milliarden Dollar. Die Mitarbeiterzahl ist in den vergangenen zehn Jahren von 14.800 auf 110.000 angewachsen. Weltweit sind eine Milliarde Apple-Geräte in Verwendung.

Tim Cooks Rolle

Tim Cooks größte Stärke ("Der neue Henry Ford") ist gleichzeitig auch seine größte Schwäche. Er hat noch unter Steve Jobs dafür gesorgt, dass die Produktionsprozesse und Lieferketten optimiert und der Gewinn aus den gehypten Produkten maximiert wird. Aus Managersicht hat er auch in den vergangenen Jahren alles richtig gemacht. Er warf zwar einige von Steve Jobs formulierten Dogmen (Displaygrößen bei iPhone/iPad, Eingabestift für iPad Pro) über Bord, verzeichnete letztlich aber mit einer im Detail praktisch unveränderten Produkt-Palette riesige Verkaufserfolge.

Die Professionalisierung und der damit verbundene Geschäftserfolg, der Apple zum Großkonzern machte, haben ihren Preis. Vorbei sind die legendären Auftritte, in denen Steve Jobs in Joker-Manier eine unerwartete Überraschung ("One more thing") aus seiner Hosentasche zauberte, welche nicht selten die Adern der Konkurrenz gefrieren ließ. Die jüngste, solide abgespulte Präsentation mit demiPhone SE und einem weiteren iPad Proreichte nur mehr zur vernichtenden Schlagzeile:"Apple is boring now."

Himmel und Erde

Nun darf man nicht jeden Medienartikel zum Thema Apple bierernst nehmen (diesen Kommentar inklusive). In den vergangenen Jahrzehnten ist wohl kein Technologie-Konzern derart in den Himmel und auch in den Boden geschrieben worden, wie Apple. Bei aller Kritik muss man diesem von Apple miterzeugten Hype zumindest zugute halten, dass es Themen wie Smartphones, Apps und Computertechnologien auf Titelseiten von Tageszeitungen, Magazinen und in TV-Nachrichtensendungen brachte, die Technologieberichterstattung bis dahin als seltsames Minderheitenprogramm behandelten.

Apple hat in den Jahren nach Steve Jobs Rückkehr im Jahr 1997 stets von seinem Image als unberechenbarer Player profitiert. Als totaler Underdog krempelte der iPod die Musikbranche um, indem er ihr den digitalen Todesstoß inklusive Wiederauferstehung auf iTunes verabreichte. Das iPhone war tatsächlich revolutionärer, als es viele heute wahrhaben wollen. Apple schaffte es nicht nur, ein intuitiv zu bedienendes Smartphone mit Touchscreen zu entwickeln und damit Traditionsmarken wie Nokia aus dem Markt zu kicken, sondern legte mit dem App Store das Fundament dafür, wie Software und die damit verbundenen Services heute im Wesentlichen funktionieren.

Apple Watch zu wenig

Die über die Jahre aufgebauten hohen Erwartungen kann Apple immer schlechter erfüllen. Das liegt einerseits in der Sache selbst begründet, aber auch am Management. Apple überrascht nicht mehr. Selbst die Apple Watch - zweifelsohne ein Meisterwerk von Komponenten-Miniaturisierung - sorgte bei den Wenigsten für Begeisterungsstürme. Apple ist vorhersehbar und berechnend geworden. Das macht den Konzern leider zunehmend langweilig und wirft auch die Frage auf, ob Apple künftig noch als Innovationsmotor für die Welt fungieren kann.

Dass diese Frage auch unter Journalisten so emotional diskutiert wird, zeigt die besondere Aura, die Apple seit jeher umgibt und nicht immer leicht zu verstehen ist. Tatsache ist aber - und auch das muss ich mir als größtem Apple-Fanboy dieser Redaktion eingestehen - dass die wirklich faszinierenden Technologieschlagzeilen mittlerweile andere machen. Tesla-Gründer Elon Musk etwa begeistert mit seinen Visionen vom Elektro-Auto bis zur wiederverwertbaren Rakete und dem Röhrentransportmittel Hyperloop. Zuletzt überraschte er mit der Ankündigung, ein Elektroflugzeug bauen zu wollen.

Alles Gute!

Ob Apple in den kommenden Jahren noch einmal mit einer bahnbrechenden Entwicklung aufwarten kann, die in der Lage ist, ganze Branchen umzukrempeln, ist angesichts der vergangenen Jahre und der angewachsenen Größe des Konzerns ungewiss. Auch ob Tim Cook über seinen Schatten springen kann und jemals das Risiko eingehen wird, mit einem gewagten Konzept das Scheitern zu riskieren, bleibt abzuwarten. Zu wünschen wäre es. Happy Birthday, Apple!