Datenverlust? Kann uns doch nicht passieren! - Mit dem Slogan wirbt A1 ab sofort für seine Sicherheitslösungen.

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Meinung
06/12/2015

Datenverlust? Kann uns doch nicht passieren!

Wer für seine Sicherheitslösungen wirbt, sollte diese wohl zuerst auf Sicherheitslücken prüfen. Oder etwa nicht? Ein Kommentar.

D4T3NV3RLU5T? K4NN UN5 D0CH N1CHT P45513R3N.“ Damit bewirbt A1 seit Freitag seine Sicherheitslösungen. Der Konzern hat sogar eine Security-Studie beim Marktforschungsinstitut SORA in Auftrag gegeben, um bei heimischen Unternehmen für „mehr Bewusstsein“ im Umgang mit Datensicherheit zu schaffen.

Einer, der über diesen Slogan nur lachen kann, ist der Grüne Abgeordnete und Sicherheitssprecher Peter Pilz. Er hat vor kurzem aufgedeckt, dass der BND im Auftrag der NSA die Transitstrecken der Telekom Austria AG von Luxemburg nach Wien über den Knoten Frankfurt ausspioniert hat.
Auf die Frage bei der Pressekonferenz nach dem Stand der Dinge, was die Aufklärung dieser Spionage betrifft, erklärte A1-Chef Hannes Ametsreiter, dass es „keine neuen Erkenntnisse“ gebe, man bei der Deutschen Telekom nachgefragt habe.

"Bei mir nicht nachgefragt"

Bei Pilz liegen die „Beweise“ für die Spionage angeblich in der Schublade. „Bis heute hat die A1 nicht bei mir nachgefragt. A1 lässt seine Kunden im Stich und will nichts von dem Skandal wissen“, schreibt der Abgeordnete auf Twitter. „Es wäre gut, wenn möglichst viele A1-Kunden Ametsreiter fragen, warum er nichts über NSA und BND wissen will“, so der Abgeordnete, der öffentlich vermutet, dass A1 mit der Deutschen Telekom unter einer Decke stecken könnte.

Auf die futurezone-Frage, wie A1 denn damit umgehe, dass heutzutage kein Unternehmen – auch kein Unternehmen, das selbst Sicherheitslösungen anbiete wie z.B. Kaspersky, vor Lecks und Spionage sicher sei, antwortete Ametsreiter: „Wir kooperieren immer wieder mit Hacker-Gruppen und lassen unsere Systeme prüfen.“ Man müsse jedoch auch für ausreichend Transparenz sorgen.

Keine Transparenz in BND/NSA-Affäre

Transparenz ist aber genau das, was in der BND-NSA-Affäre seitens A1 fehlt. "Sobald Datenverkehr am Knotenpunkt in ein anderes Netz übergeben wird, sind die Daten auch nicht mehr in unserem Einflussbereich. In unserem Netz gab es nach unserem Wissensstand keinen Zugriff“, war bisher die einzige Information, die an Medien dazu freigegeben wurde.



„Wäre ich A1-Kunde, würde ich mir überlegen, ob ich einem Unternehmen, dass sich widerstandslos von NSA/BND ausspionieren lässt, vertraue“,schreibt Pilz dazu auf Twitter. Bei dem neuen "A1 Security Check", den das Unternehmen für Unternehmen anbietet, fällt A1 beim etablierten Security-Check vom SSL Labsfast durch. Nur Note C wird vergeben und die POODLE-Lücke besteht bereits seit Oktober 2014. Da sollte das Unternehmen wohl noch selbst ein wenig nachbessern beim Thema Sicherheit.