Elektroschrott

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myfuzo
11/23/2019

„Das grünste Produkt ist das, was wir jetzt haben“

Wir produzieren jedes Jahr tonnenweise Elektroschrott. Wie Elektronik nachhaltig genutzt werden kann, wurde beim futurezone Day erörtert.

von Andreea Iosa

Unsere Gesellschaft bringt massenhaft Elektroschrott in Umlauf. Laut einer Studie soll die CO2-Belastung durch Elektroschrott bis 2040 14 Prozent der Gesamtbelastung ausmachen. Die Dringlichkeit, den Elektromüll zu reduzieren, steigt. Wie das gelingen kann, haben Experten in der Podiumsdiskussion „Faire Technologie, Recycling und Reparieren“ erläutert. 

"Viel Luft nach oben"

Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), weiß: „2018 wurden 233.000 Tonnen Elektrogeräte in Verkehr gesetzt. Gesammelt wurden 116.000 Tonnen Elektromüll“, sagt sie. Konsumenten und Hersteller müssen aber am gleichen Strang ziehen, wie Lisa Tamina Panhuber, Konsumentensprecherin von Greenpeace Österreich, erklärt. „Wir haben uns 17 der größten Hersteller angeschaut und gesehen: "Es ist noch ganz viel Luft nach oben im Bereich Ressourcenverwertung, Reparierbarkeit, im Einsatz von erneuerbaren Energien und gefährlichen Chemikalien."

Ihr zufolge müssten aber auch gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen gleichen Wettbewerb für alle schaffen. Doch sie hält fest: „Das grünste Produkt ist das, was wir jetzt haben“. Sepp Eisenriegler, Gründer des Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z., bestätigt das: „Neue Produkte sind immer schlechter als alte."

Materialien mit Recyclingsanteilen

Panhuber nennt auch umweltschonende Beispiele, etwa das Fairphone. „Diese Firma ist vor allem um die Reparierbarkeit und den Austausch einzelner Komponenten bemüht“, sagt sie. So sei es möglich, sich beispielsweise nur die Kamera austauschen zu lassen, anstatt sich gleich ein neues Handy zu kaufen. Solche Unternehmen seien jedoch noch eine Seltenheit: „Es gibt noch viel Verbesserungsbedarf. Wir hoffen, dass die Lieferkette fairer, transparenter und nachhaltiger wird."

Nachhaltig will auch der Internetkonzern Google agieren, wie Christine Antlanger-Winter, Chefin von Google Austria, erklärt. Man versuche in der Hardware-Herstellung, Materialien mit hohen Recyclinganteilen zu verwenden. Dies sei unter anderem beim Smartspeaker Nest Mini gelungen, dessen Überzug zu 100 Prozent aus alten gebrauchten Plastikflaschen bestehe, erzählt Antlanger-Winter.

"Keine andere Wahl"

Laut Sepp Eisenriegler werden heute Haushaltsgroßgeräte im Schnitt nach 8,3 Jahren bereits ausgetauscht. Das habe damit zu zun, dass die Hersteller zunehmend Rohstoffe vernichten würden, um kurzlebigere Produkte auf den Markt zu bringen, sagt Eisenriegler. „Die Hersteller sind aber nicht die 'bösen Buben'. Sie haben keine andere Wahl.“

Würden demnach vereinzelt Hersteller qualitativ hochwertige Produkte für einen leistbaren Preis anbieten, würden sie von der Insolvenz bedroht. Auch in der Reparatur würden die Geräte teurer kommen - „weil die gar nicht so entworfen sind, dass sie repariert werden können“, sagt der Experte. Mixer seien beispielsweise so ausgelegt, "dass sie zwei Jahre und einen Tag funktionieren. Manchmal schaffen sie nicht einmal das", sagt Eisenriegler. In der EU werde aber gerade an Richtlinien und Normen gearbeitet, die die Reparierbarkeit von Produkten sicherstellen soll. 

Umweltbewusstsein steigt

    Kilian Kaminski, Mitgründer des Start-ups refurbed, das generalüberholte Geräte verkauft, hat das steigende Umweltbewusstsein in der Gesellschaft erkannt. Sein Start-up zählt 30.000 Kunden. Der Grund: „Wir vereinen günstigen Preis und Nachhaltigkeit. Bei uns funktioniert ein altes Smartphone genauso gut wie ein neues, ist aber billiger und nachhaltiger“, sagt er. Und „cool“ sei es obendrauf. 40 Prozent seiner Kunden würden angeben, Nachhaltigkeit sei der primäre Grund gewesen, warum sie das Produkt bei refurbed gekauft hätten.

    Sparen bei jedem "Wisch"

    Jede Person könne zudem mit einer Kleinigkeit Großes bewirken, wie Matthias Neitsch, Geschäftsführer des Re-Use- und Reparatur-Netzwerk Österreich (RepaNet), erklärt. Denn mit jedem "Wisch" am Display gebe es sechs Kilo CO2-Emmissionen. Daher rät er: "Weniger und intelligenter Wischen, denn ein Wisch ist, wie Lebensmittel wegzuschmeißen."